"Ein schlechtes Signal für den Welthandel"

"Ein schlechtes Signal für den Welthandel"
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Stand: 04.04.2025

Die jüngsten Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump, neue Zölle auf Importe in die Vereinigten Staaten zu erheben, werden nach Ansicht der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein auch Folgen für die Wirtschaft in der Region haben.
„Die Auswirkungen der Zölle sind abhängig von der Bedeutung des US-Marktes für das einzelne Unternehmen und ob sein in den USA nun teurer werdendes Produkt durch ein günstigeres Produkt ersetzt werden kann“, erläutert IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. „Aber grundsätzlich sind die Zölle ein schlechtes Signal für den Welthandel, und das so wichtige Vertrauen in den Handelspartner USA schwindet weiter.“ Am Mittleren Niederrhein – Krefeld, Mönchengladbach, der Rhein-Kreis Neuss und der Kreis Viersen –  sind besonders die Metall-, Chemie- und Maschinenbauindustrie abhängig von Exporten. „Die Wirtschaft in unserer Region ist überdurchschnittlich exportorientiert. Daher werden die Zölle der USA und die damit verbundenen negativen Folgen für den globalen Handel Konsequenzen für die Unternehmen und die Region insgesamt haben“, sagt Steinmetz und appelliert: „Die Zollpolitik der USA ist deshalb ein weiterer Grund dafür, dringend erforderliche wirtschaftspolitische Strukturreformen in Deutschland anzugehen, damit unsere Betriebe international wieder wettbewerbsfähig werden.“

Eine Schätzung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass der kumulierte wirtschaftliche Schaden für die Bundesrepublik über die vierjährige Amtszeit Trumps rund 200 Milliarden Euro betragen wird, für die Europäische Union etwa 750 Milliarden Euro. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt in Deutschland läge im Jahr 2028 um etwa anderthalb Prozent niedriger als ohne Zölle.

Die IHK warnt davor, dass Protektionismus und Handelskonflikte erhebliche wirtschaftliche Belastungen mit sich bringen, Arbeitsplätze bedrohen und die dringend erforderliche Planungssicherheit beeinträchtigen. „Deshalb ist es für die Unternehmen unerlässlich, ihre internationalen Handelsbeziehungen breiter aufzustellen und ihre Wettbewerbsfähigkeit gezielt zu stärken, um die negativen Folgen der US-Zölle abzumildern“, betont Steinmetz. „Ein so bedeutender Handelspartner wie die USA kann nicht einfach ersetzt werden.“ Eine überlegte Antwort der EU sein nun angesagt. Steinmetz wirbt für weitere EU-Freihandelsabkommen, damit Außenwirtschaftsunternehmen sich diversifizierter aufstellen können.

Laut aktuellen IHK-Umfragen betrachtet jedes fünfte hiesige exportierende Unternehmen Nordamerika als bedeutenden Absatzmarkt. Daten von IT.NRW zeigen zudem, dass die nordrhein-westfälische Wirtschaft im vergangenen Jahr Waren im Wert von 15,5 Milliarden Euro in die Vereinigten Staaten exportiert hat – nur in die Niederlande und nach Frankreich wurde mehr exportiert.