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„Der Erhalt hat Priorität“

11.12.2025
Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer war zu Gast in der Sitzung der IHK-Vollversammlung.
Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer war zu Gast in der Sitzung der IHK-Vollversammlung.

Bei der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein hat Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer die Bedeutung einer leistungsfähigen Verkehrsinfrastruktur für die regionale Wirtschaft unterstrichen. Krischer kam eine Viertelstunde vor Beginn seines Vortrags – aber nicht aufgrund einer entspannten Verkehrslage auf den Autobahnen, wie er mit einem Augenzwinkern betonte. Damit war das Thema gesetzt: Marode Infrastruktur, Baustellen auf den Autobahnen, abgelastete Brücken und Staus.

IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz machte in seiner Begrüßung deutlich, wie stark die regionale Wirtschaft unter dem schlechten Zustand zentraler Verkehrsachsen leide. „Die Lage am Rhein, die Anbindung an das Autobahnnetz und die Nähe zum europäischen Schienenkorridor sind für unsere Unternehmen enorm wichtig. Leider ist der Zustand unserer Infrastruktur schlecht. Insbesondere die Ablastung der Rheinbrücken ist eine große Belastung. Wir brauchen jetzt deutlich mehr Tempo bei Neubau und Instandsetzung“, sagte Steinmetz.

Der Verkehrsminister bestätigte die Kritik: „Uns holt jetzt ein, was über Jahrzehnte versäumt wurde. Deshalb haben wir den Schalter in Nordrhein-Westfalen umgelegt: Der Erhalt hat oberste Priorität“, erklärte er. Trotz angespannter Haushaltslage habe die Landesregierung die Investitionen erhöht und vor zwei Jahren eine nie dagewesene Sanierungsoffensive gestartet. Seitdem seien 30 Brückenprojekte abgeschlossen und 42 neue begonnen worden. Innerhalb von zehn Jahren saniere das Land mehr als 400 Brücken durch Ersatzneubauten. Auch für den Erhalt der Landesstraßen würden 2025 rund 10 Millionen Euro mehr als 2024 etatisiert, so der Verkehrsminister.

Um Planungs- und Bauprozesse zu beschleunigen, setze das Land verstärkt auf „funktionale Ausschreibungen“ und modulare Bauweisen. Diese ermöglichten – wie ein aktuelles Brückenprojekt zeige – drastische Bauzeitverkürzungen von ursprünglich zwei Jahren auf nur neun Monate, erklärte Krischer. Bei einer funktionalen Ausschreibung gibt der öffentliche Auftraggeber keinen detaillierten Leistungskatalog vor, sondern definiert die zu erbringende Leistung nach dem zu erreichenden Ziel.

Für zentrale Rheinquerungen wie die Josef-Kardinal-Frings-Brücke zwischen Neuss und Düsseldorf sowie die Uerdinger Rheinbrücke zwischen Krefeld und Duisburg werde es dennoch keine schnellen Lösungen geben. Beide Brücken befänden sich in einem desolaten Zustand und seien aktuell nur eingeschränkt belastbar. „Ich weiß, dass die Ablastung für Ihre Unternehmen eine Belastung ist. Aber eine Sperrung wäre die noch größere Katastrophe“, so Krischer. Er dankte der IHK Mittlerer Niederrhein, der IHK Düsseldorf und den Neuss-Düsseldorfer Häfen für ihr gemeinsames Gutachten zur Beschleunigung von Brückenbauprojekten: „Wir nutzen alle Möglichkeiten, um schneller zu werden. Gleichzeitig müssen wir diese Brücken aber auch schützen, damit wir sie so lange wie möglich unter Verkehr halten können.“

Mit Blick auf das vom Bund angekündigte Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität in Höhe von 500 Milliarden Euro zeigte sich Krischer vorsichtig optimistisch. Entscheidend sei, dass die Mittel nach realem Bedarf und nicht für Prestigeprojekte eingesetzt würden.

Trotz der vielen Herausforderungen blickt der Verkehrsminister konstruktiv nach vorne: „Ich freue mich über jede Baustelle“, sagte Krischer abschließend – als Zeichen dafür, dass die notwendigen Erneuerungen vorangehen.

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