Konjunktur aktuell
Frühjahr 2026
Regionale Wirtschaft erwartet weiteres Jahr ohne Wachstum
Lage, Erwartungen, Geschäftsklima
Wirtschaft insgesamt, Jahresbeginn 2010 bis Frühjahr 2026, in Prozent
Lage und Erwartungen: Salden aus Anteilen der Unternehmen mit positiven bzw. negativen Einschätzungen (max. 100 bzw. min. -100)
Geschäftsklima: Geometrisches Mittel der Salden aus positiven und negativen Einschätzungen der aktuellen und der erwarteten Geschäftslage (neutral = 0)
Aus technischen Gründen können wird das Geschäftsklima nur mit einem neutralen Wert von 0 dargestellen. Der Wert 0 entspricht im folgenden Text 100 Punkten, 50 entspricht 150 Punkten und -50 entspricht 50 Punkten.
Der Krieg im Iran mit den Folgen für die Energie- und Kraftstoffpreise in Deutschland, die erratische Zollpolitik der USA und der fehlende Reformwillen der Bundesregierung haben die Hoffnung der Unternehmen auf eine konjunkturelle Erholung im Jahr 2026 vorerst zunichtegemacht.
Der Geschäftslageindex als Differenz der Unternehmen in guter und derjenigen in schlechter Geschäftslage sinkt leicht von minus 9,8 auf minus 11,3 Punkte. Bei den Hauptbranchen meldet insbesondere der Einzelhandel eine sehr schlechte Lage. Bei den Dienstleistern überwiegen weiterhin geringfügig die Unternehmen in guter Geschäftslage gegenüber den Betrieben in schlechter Geschäftslage.
Das ist das Ergebnis der IHK-Blitzumfrage bei knapp 600 Betrieben in der Region.
Unternehmen erwarten Verschlechterung der Geschäftslage
Geschäftslage in den Hauptbranchen
Frühjahr 2026, in Prozent
Während die nur geringfügige Verschlechterung der Geschäftslage angesichts der geopolitischen Turbulenzen im ersten Quartal schon fast sehr positiv bewertet werden könnte, sind insbesondere die Geschäftserwartungen der Unternehmen eingebrochen. Innerhalb von nur vier Monaten hat sich der Anteil der Betriebe, die eine Verbesserung ihrer Geschäfte erwarten, von 20,4 auf 12,5 Prozent reduziert. Der Anteil der Betriebe, die eine Verschlechterung befürchten, liegt nun bei 34,4 Prozent – nach 24,0 Prozent zu Jahresbeginn.
Die Unternehmen befürchten weitere Auswirkungen des Kriegs im Iran. Die Blockade der Straße von Hormus sorgt für Materialknappheit, unter anderem bei Öl. Die damit verbundenen hohen Kraftstoffpreise sorgen für eine Verteuerung von Transportkosten und belasten die Verbraucher und Logistikbetriebe direkt. Die Konsumneigung befindet sich folglich im Zwei-Jahres-Tief. Die Befürchtung ist groß, dass sich eine Preissteigerungsspirale wie nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine entwickelt. In allen Branchen überwiegen folglich die Pessimisten mittlerweile deutlich gegenüber den Optimisten. Im Einzelhandel geht mittlerweile sogar jedes zweite Unternehmen von einer Verschlechterung der Geschäftslage aus, an eine Verbesserung glauben nur 5,9 Prozent.
In der Summe ist der IHK-Stimmungsindex, der Lage und Erwartungen zusammenfasst, von 93,2 auf 83,3 Punkte eingebrochen und liegt nun deutlich unter dem neutralen Niveau von 100 Punkten. Er nimmt den niedrigsten Wert seit Herbst 2022 ein. Dies gilt genauso auch für die Industrie und die Dienstleister. Bei den Einzelhändlern liegt der Stimmungsindex mit 63,6 Punkten sogar unter dem Niveau der Corona-Pandemie – ein 20-Jahres-Tief. Angesichts dieser Entwicklungen dürfte die regionale Wirtschaft ein weiteres Jahr ohne spürbares Wachstum erleben.
Energie- und Rohstoffpreise nehmen als Geschäftsrisiko deutlich zu
Ausgewählte Risiken für die Konjunkturentwicklung
Wirtschaft insgesamt, Herbst 2016 bis Frühjahr 2026, in Prozent
Nach Nennungen der Unternehmen – Anteil in Prozent an allen antwortenden Unternehmen, Mehrfachnennungen möglich
Als größtes Geschäftsrisiko für die kommenden zwölf Monate bewerten die Unternehmen im Frühjahr die Energiepreise. Der Wert von 61 Prozent liegt zudem knapp 20 Prozentpunkte über dem Wert der Vorumfrage. Die Rohstoffpreise werden von 46 Prozent als Risiko angesehen – ebenfalls ein Anstieg um 20 Punkte. Nicht nur Öl und in der Folge Kraftstoffe, auch der Großhandelspreis für Erdgas hat sich seit Ausbruch des Iran-Krieges deutlich erhöht. Dies ist auch für die energieintensive Industrie eine neuerliche Hypothek. Dementsprechend sind Lage und Erwartungen bei den energieintensiven Branchen deutlicher zurückgegangen als in der Industrie insgesamt.
Weiterhin hoch bewertet als Geschäftsrisiko werden die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sowie die Arbeitskosten, die von gut bzw. knapp jedem zweiten Betrieb als wesentliches Risiko angesehen werden. Angesichts der Energiepreiskrise treten diese Themen jedoch zurzeit in den Hintergrund. Gleiches gilt auch für den Fachkräftemangel, der weiterhin für knapp jeden dritten Betrieb ein wesentliches Geschäftsrisiko darstellt.
Exporterwartungen sinken
Die exportierenden Unternehmen gehen von einem sinkenden Auslandsabsatz aus. Nur 10,6 Prozent der im Ausland aktiven Betriebe rechnen mit steigenden, 36,5 Prozent mit sinkenden Exporten. Der Saldo aus den beiden Anteilen liegt bei minus 25,9 Punkten und ist damit gut 15 Punkte niedriger als vor drei Monaten. Damit haben sich die Exporterwartungen der Unternehmen in der Region in wenigen Monaten deutlich verschlechtert. Auch die Auslandsnachfrage als wesentliches Geschäftsrisiko ist bei der Exportwirtschaft von 39,8 auf 44,7 Prozent gestiegen.
Geopolitische Krisen haben das Potenzial, den gesamten Welthandel durcheinanderzuwirbeln. Und der Krieg im Iran sowie die Zollpolitik der USA sorgen darüber hinaus auch für eine Dämpfung der Weltwirtschaft.
Investitions- und Beschäftigungspläne noch restriktiver als zu Jahresbeginn
Erwartete Inlandsinvestitionen
Wirtschaft insgesamt, Frühjahr 2026, in Prozent
Die Investitions- und Beschäftigungspläne der Unternehmen in der Region sind noch restriktiver als zu Jahresbeginn. Angesichts der steigenden Unsicherheit und der Kostenbelastung werden die Investitionspläne der Betriebe zusammengestrichen. Der Anteil der Betriebe, die in den kommenden 12 Monaten von sinkenden Investitionsbudgets ausgehen, hat sich von 30,0 auf 39,1 Prozent erhöht. Der Anteil der Betriebe, die ihre Investitionsbudgets erhöhen möchten, sinkt von 18,9 auf 16,5 Prozent.
Aufgrund hoher Arbeitskosten und dauerhafter Stagnation sind auch die Beschäftigungspläne der Unternehmen restriktiv. 8,4 Prozent der Betriebe möchten ihre Mitarbeitendenzahl erhöhen, 29,2 Prozent befürchten eine Reduzierung. In der energieintensiven Industrie möchten sogar 44,1 Prozent der Unternehmen die Beschäftigtenzahl senken, nur 5,9 Prozent planen eine Erhöhung.
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Gregor Werkle
Bereichsleiter Wirtschaftspolitik
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