Konjunktur aktuell
Jahresbeginn 2026
Aufschwung lässt auf sich warten
Lage, Erwartungen, Geschäftsklima
Wirtschaft insgesamt, Herbst 2009 bis Jahresbeginn 2026, in Prozent
Lage und Erwartungen: Salden aus Anteilen der Unternehmen mit positiven bzw. negativen Einschätzungen (max. 100 bzw. min. -100)
Geschäftsklima: Geometrisches Mittel der Salden aus positiven und negativen Einschätzungen der aktuellen und der erwarteten Geschäftslage (neutral = 0)
Die Wirtschaft in der Region Mittlerer Niederrhein und Düsseldorf befindet sich weiterhin in einem Stimmungstief. Statt eines erhofften Aufschwungs setzt sich die Stagnation fort. Das geht aus dem aktuellen Konjunkturbericht der Industrie- und Handelskammern Düsseldorf und Mittlerer Niederrhein hervor. Der Belastungsmix aus geopolitischen Krisen, handelspolitischen Konflikten und der schwindenden Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland sorgt weiterhin für schwache Auftragseingänge, niedrige Investitionen und den Abbau von Beschäftigung.
Der Konjunkturklimaindikator, das Stimmungsbarometer der regionalen Wirtschaft, steigt zwar leicht von zuletzt 89,8 auf 93,2 Punkte, bleibt damit aber weiterhin unter dem neutralen Niveau von 100 Punkten. Eine Trendwende ist das noch nicht. Vielmehr deutet es darauf hin, dass die aktuelle Strukturkrise ihren Tiefpunkt erreicht hat.
Der weiterhin geringe Wert des Konjunkturklimaindikators hat insbesondere mit der Geschäftslage zu tun. Der Geschäftslageindikator liegt mit minus 9,8 Punkten weiterhin auf niedrigem Niveau und ist nur leicht besser als im vergangenen Herbst (minus 12,0 Punkte). Impulse für neues Wachstum sind dabei noch kaum erkennbar.
Ein Lichtblick sind die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate: Sie liegen nun bei minus 3,6 Punkten (Herbst: minus 8,3 Punkte). Diese Verbesserung und das nur noch leichte Minus sind Ausdruck von Hoffnung, dass das Tief durchschritten sein könnte.
Der Konjunkturbericht basiert auf einer Umfrage, an der sich bis Ende Januar 700 Unternehmen beteiligt haben.
Heterogenes Bild in den Branchen
Geschäftslage in den Hauptbranchen
Jahresbeginn 2026, in Prozent
Branchenbezogen ergibt sich ein differenziertes Bild: In der Bauwirtschaft und bei Dienstleistern überwiegen bei der aktuellen Lagebewertung die positiven Stimmen. Das Baugewerbe meldet zudem eine höhere Kapazitätsauslastung als vor einem Jahr, was auf eine langsame Erholung hindeuten könnte. Dennoch sind die Erwartungen in der Branche mehrheitlich pessimistisch. Angesichts des von der Bundesregierung eingerichteten Sondervermögens hätte man größeren Optimismus erwarten können.
Auch die Geschäftslage der Industrie erfüllt die Erwartungen nicht. Das Minus von 17 Punkten zeigt, dass wir weiterhin eine spürbare Industrierezession erleben. Positiv ist jedoch, dass mehr Unternehmen eine bessere Entwicklung für sich erwarten als eine weitere Verschlechterung.
Wenig Hoffnung haben dagegen die Einzelhändler: Der Lagesaldo liegt mit minus 15,4 Punkten unter dem Vorjahresniveau (minus 13,9). Die Erwartungen sind noch pessimistischer: Der Saldo liegt bei minus 22,6 Punkten.
Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen wieder größtes Geschäftsrisiko
Ausgewählte Risiken für die Konjunkturentwicklung
Wirtschaft insgesamt, Spätsommer 2016 bis Jahresbeginn 2026, in Prozent
Nach Nennungen der Unternehmen – Anteil in Prozent an allen antwortenden Unternehmen, Mehrfachnennungen möglich
Die Ursachen für die anhaltende Flaute sind vielschichtig und strukturell begründet: Zölle im US-Geschäft und die Ankündigung weiterer Verschärfungen, die EU-Hängepartie beim Mercosur-Abkommen sowie geopolitische Konflikte und etwa die verschärfte Lage im Nahen Osten.
Gleichzeitig stehen auch nach dem Regierungswechsel noch wirtschaftspolitische Lösungen aus, die für mehr Wachstum und Investitionen sorgen. Eine sichere Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen ist mittelfristig noch nicht gewährleistet, der Bürokratieabbau wird nicht konsequent angegangen, und die Lohnnebenkosten steigen weiter. Für immer mehr Betriebe sind die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (61 Prozent) und die Arbeitskosten (51 Prozent) die größten Geschäftsrisiken.
Diese Belastungsfaktoren hemmen die Unternehmen und haben Folgen: Die Investitionsbereitschaft bleibt niedrig. Politische Maßnahmen der vergangenen Monate, etwa verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten, konnten bislang keine spürbaren Impulse setzen. Statt in Innovationen oder Kapazitätserweiterungen zu investieren, werden vorrangig lediglich defekte Maschinen und Anlagen ersetzt.
Auch am Arbeitsmarkt zeigt sich die Zurückhaltung der Unternehmen: Über alle Branchen hinweg bleiben die Beschäftigungspläne der Betriebe negativ. Der Fachkräftemangel wird nur noch von 31 Prozent der Betriebe als wesentliches Geschäftsrisiko gesehen – der niedrigste Wert der vergangenen neun Jahre, nur während des Corona-Lockdowns war er geringer.
Die Unternehmen haben sich mit der Krise arrangiert. Für Wachstum braucht es verlässliche Rahmenbedingungen und spürbare Impulse – sowohl aus Berlin als auch von den Weltmärkten. Wir brauchen jetzt echte Strukturreformen. Dabei sind alle gefragt.
Die EU muss das Thema „Freihandel“ oben auf die Agenda setzen. Die Entscheidung des EU-Parlaments, das Mercosur-Abkommen an den Europäischen Gerichtshof abzugeben, war ein fatales Signal. Die Bundespolitik ist insbesondere beim umfassenden Bürokratieabbau gefordert. Zudem fehlen weiterhin Maßnahmen zur spürbaren Verringerung der Energie- und Arbeitskosten.
Von der Landespolitik erwarten wir, dass sie die Kommunen zu Investitionen befähigt. Schließlich führen viele Städte und Gemeinden ihre Infrastruktur auf Verschleiß. Die Kommunen selbst sollten allerdings nicht an der Steuerschraube drehen, sonst werden die ohnehin geringen Entlastungen aus Berlin wieder konterkariert.
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Tanja Franken
Mitarbeiterin Wirtschaftspolitik
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