Fachpraktiker-Ausbildung: Alternative gegen Fachkräftemangel
Die erfolgreiche Ausbildung von Menschen mit Behinderung im allgemeinen Arbeitsmarkt gewinnt angesichts des Fachkräftemangels zunehmend an Bedeutung. Ein Beispiel aus Krefeld zeigt, wie das sogenannte „Budget für Ausbildung“ Betrieben neue Möglichkeiten eröffnet und zugleich jungen Menschen mit Behinderung eine berufliche Perspektiven bietet.
Im Café Königshof der St. Augustinus Gruppe wurde erstmals eine Ausbildung über das Budget für Ausbildung realisiert. „Der Weg dorthin war allerdings mit organisatorischen und formalen Herausforderungen verbunden“, sagt Elena Willkomm. Die Fachberaterin für inklusive Bildung bei der Ausbildungs-GmbH der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein hat dem Unternehmen im gesamten Prozess zur Seite gestanden. Denn neben der Klärung der grundsätzlichen Ausbildungseignung des Betriebs mussten unter anderem eine geeignete Berufsschule gefunden, verschiedene Bescheinigungen eingeholt und Qualifikationsnachweise erbracht werden.
„Das relativ lange Antragsverfahren machte deutlich, dass die Prozesse rund um das Budget für Ausbildung noch Optimierungspotenzial haben“, sagt Martin Hanke, Standortleiter des „Café Königshof“. Das Budget für Ausbildung ist eine Alternative zur Werkstatt für Menschen mit Behinderungen (WfbM). Es soll sozialversicherungspflichtige Ausbildungsverhältnisse auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt und anerkannte Berufsabschlüsse ermöglichen. Eine Behörde übernimmt dabei die Kosten für die Ausbildung eines Menschen mit Behinderungen. Diese Behörde ist meistens die Agentur für Arbeit oder die Eingliederungshilfe. „Eine frühzeitige Klärung der Verantwortlichkeiten ist entscheidend für einen reibungslosen Ablauf“, rät IHK-Projektkoordinator Heinrich Backes.
Trotz dieser Hürden überwiegt das positive Ergebnis. Der Auszubildende absolviert inzwischen im ersten Lehrjahr eine Fachpraktiker-Ausbildung im Gastgewerbe und überzeugt durch hohe Motivation, Zuverlässigkeit und Eigeninitiative. Für ihn ist die Ausbildung die Erfüllung eines langjährigen beruflichen Ziels. Sein nächstes: der Übergang in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ohne weitere Förderleistungen – mit dem Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit und eigenständiger Lebensführung.
Auch aus betrieblicher Sicht ist die Bilanz positiv. „Er ist – insbesondere auch durch seine hohe Arbeitsleistung – eine große Bereicherung für das Team“, so Hanke. Gleichzeitig ergänze die Ausbildung über das Budget für Ausbildung sinnvoll die bestehenden Angebote zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderung innerhalb der St. Augustinus Gruppe.
Seit 2020 ermöglicht das Budget für Ausbildung Menschen, die aus einer Werkstatt für behinderte Menschen kommen oder eine entsprechende Zuweisung haben, den Einstieg in eine reguläre betriebliche Ausbildung. Am Mittleren Niederrhein sind in diesem Jahr erstmals mehrere junge Menschen diesen Weg gegangen und haben über Fachpraktiker-Ausbildungen erfolgreich den Schritt in den allgemeinen Arbeitsmarkt vollzogen.
Begleitet werden diese Ausbildungswege durch die IHK Mittlerer Niederrhein sowie durch Netzwerkpartner wie das Projekt „Budgetkompetenz“. Ziel ist es, Betriebe und Auszubildende fachlich zu unterstützen, bürokratische Hürden abzubauen und verlässliche Strukturen für gelingende Inklusion zu schaffen.
„Das Beispiel zeigt: Inklusive Ausbildung ist nicht nur ein wichtiger Beitrag zur gesellschaftlichen Teilhabe, sondern auch ein wirksames Instrument zur Fachkräftesicherung“, sagt Backes. Unternehmen profitierten von engagierten, qualifizierten Nachwuchskräften – und leisten gleichzeitig einen aktiven Beitrag zu mehr Chancengleichheit im Berufsleben.
Weitere Informationen zum Projekt sind abrufbar unter: mittlerer-niederrhein.ihk.de/P531
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Elena Willkomm
Fachberatung für Inklusive Bildung
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Yvonne Hofer
Redakteurin
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