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Herausfordernder Markt mit großen Chancen

28.01.2026
Beim Eröffnungstalk des NRW-Wirtschaftsforums Ukraine (v.l.): Jürgen Steinmetz (Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein), Oliver Gierlichs (Präsident der AHK Ukraine und CEO von Bayer Ukraine), Anna Haas (Wirtschaftsministerium NRW) und Oleksii Makeiev (Botschafter der Ukraine in Deutschland).
Beim Eröffnungstalk des NRW-Wirtschaftsforums Ukraine (v.l.): Jürgen Steinmetz (Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein), Oliver Gierlichs (Präsident der AHK Ukraine und CEO von Bayer Ukraine), Anna Haas (Wirtschaftsministerium NRW) und Oleksii Makeiev (Botschafter der Ukraine in Deutschland).

Unternehmen, die sich mit dem Markt Ukraine befassen, benötigen belastbare Informationen, realistische Einschätzungen und zuverlässige Ansprechpartner – darum ging es beim NRW-Wirtschaftsforum Ukraine im Neusser Zeughaus. Rund 200 Vertreterinnen und Vertreter von Unternehmen und Institutionen waren der Einladung der Industrie- und Handelskammern Mittlerer Niederrhein und Düsseldorf, der Botschaft der Ukraine sowie von NRW.Global Business gefolgt. „Seit nun fast vier Jahren wehrt sich die Ukraine gegen die russische Aggression. Solidarität und Unterstützung sind enorm wichtig. Als Vertretung der regionalen Wirtschaft ist es uns ein Anliegen, die Ukraine in dieser schwierigen Zeit zu stärken, aber auch unsere Mitgliedsunternehmen auf die Chancen der Zusammenarbeit hinzuweisen“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz zur Begrüßung. Er verwies darauf, dass die deutschen Exporte in die Ukraine in der ersten Jahreshälfte 2025 um 30 Prozent auf mehr als 4,6 Milliarden Euro angestiegen seien. Wirtschaftliche Kooperation zwischen Deutschland und der Ukraine sei allerdings kein Selbstläufer. „Es geht heute nicht darum, Unternehmen zu Entscheidungen zu bewegen“, so Steinmetz. Es geht darum, Orientierung zu geben: über aktuelle Rahmenbedingungen, über praktische Erfahrungen und über Instrumente, mit denen sich wirtschaftliche Risiken absichern lassen.“

Mona Neubaur, Wirtschaftsministerin des Landes Nordrhein-Westfalen: „Solidarität ist keine Floskel – NRW steht an der Seite der Ukraine! NRW ist einer der wichtigsten Wirtschaftspartner der Ukraine. Der Wiederaufbau des Landes ist eine große Herausforderung, aber auch eine Chance für eine nachhaltige Entwicklung, die auf eine zukünftige Mitgliedschaft in der EU abzielt. NRW steht fest an der Seite der Ukraine und möchte die Zusammenarbeit weiter ausbauen – vor allem in den Bereichen IT, Luft- und Raumfahrt, Erneuerbare Energien, Bau- und Lebensmittelindustrie, Klimaschutz und Verteidigung.“

Oleksii Makeiev, Botschafter der Ukraine in Deutschland, betonte, dass die Unterstützung seines Landes durch Deutschland auf politischer Ebene sehr gut sei. „Es gibt aber auch ein enormes Potenzial für deutsche Unternehmen“, erklärte Makeiev. „Wer sich jetzt engagiert, wird sich die besten Positionen sichern können, wenn der Wiederaufbau des Landes im großen Stil beginnt.“ Im Gegenzug könnte die deutsche Wirtschaft von der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Resilienz der Ukraine einiges lernen. Makeiev: „Vier-Tage-Woche, Recht auf Teilzeit – solche Debatten können wir uns nicht leisten.“ Die große Motivation der Menschen, auch unter schwierigen Bedingungen Leistung zu bringen, bestätigte auch Oliver Gierlichs, Präsident der AHK Ukraine und CEO von Bayer Ukraine: „Alle deutschen Firmen arbeiten weiter. Sicherheit hat immer Vorrang, bei Luftangriffen werden die Schutzräume aufgesucht. Die Energieversorgung wird über Generatoren sichergestellt, und Logistik und Distribution wird diversifiziert, um Risiken zu minimieren. Es funktioniert.“

Wie der Arbeitsalltag in der Ukraine im Detail aussieht, wurde im ersten Panel „Geschäftspraxis Ukraine: Realität, Rahmenbedingungen, Perspektiven“ beleuchtet. Mit dabei: Dr. Ekkehard zur Mühlen (MC-Bauchemie Müller GmbH & Co. KG), Dr. Julian Ries (Integrites) und Reiner Perau (Deutsch-Ukrainische IHK). Zur Einstimmung ging Maxim Fedoseienko von der Kyjv School of Economics auf die aktuelle wirtschaftliche Situation der Ukraine ein. Er verwies auf vielversprechende Wachstumszahlen und nannte fünf Schlüsselsektoren für Investoren: Energie, Logistik, Agrar, Bau und das Gesundheitswesen.

Perau erläuterte, dass der Bedarf der Streitkräfte an Personal die Verfügbarkeit an Arbeitskräften verknappe. Dies sei allerdings von Region zu Region sehr unterschiedlich. Ries verwies auf die großen Fortschritte des Landes bei der Korruptionsbekämpfung und erläuterte, worauf es ankomme, um in der Ukraine rechtssicher Geschäfte zu machen.

Anschließend ging es im zweiten Panel um „Finanzierung und Förderung von Ukraine-Geschäften“. Alexander Klein (DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft), Eva Stupp (Euler Hermes) und David Frank (PwC PricewaterhouseCoopers GmbH) informierten darüber, welche Finanzierungsoptionen sowie Exportkredit- und Investitionsgarantien es für deutsche Unternehmen gibt.

„Strategische Branchen im Fokus“ hieß die dritte Runde mit Maryna Khlystun (UkraineInvest), Yaroslav Lyubinets (SoftServe), Andreas Engelhardt (Schüco International KG & Otto Fuchs Beteiligungen KG), Joerg M. Heilingbrunner (Scheidt & Bachmann GmbH), Nataly Veremeeva (TechUkraine) und Oleg Goshchansky (KPMG Ukraine Gateway). Heilingbrunner berichtete von den positiven Erfahrungen, die sein Unternehmen mit dem Standort Ukraine gemacht hat. Das Mönchengladbacher Unternehmen entwickelt Systemlösungen für das mobiles Leben – fürs Parken, fürs Tanken, Laden oder für die Bahnnutzung. Zur Entwicklung von digitalen Lösungen hat das Unternehmen bereits vor dem Krieg ein Entwicklungszentrum in der Ukraine aufgebaut. Die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trotz aller Schwierigkeiten seien bewundernswert, so Heilingbrunner. Die Ukraine sei für alle Unternehmen, die sehr engagierte und hoch qualifizierte IT-Fachkräfte suchen, sehr empfehlenswert.

Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf, fasste die Ergebnisse des Tages zusammen. „Wir haben gelernt: Die Ukraine ist nicht nur ein Markt für die Zukunft, sondern vor allem auch für die Gegenwart. Mit Realismus, mit Professionalität und mit Partnern, die wissen, was sie tun, funktioniert das Geschäft in der Ukraine“, sagte Berghausen und kündigte für das kommende Jahr eine Neuauflage des NRW-Wirtschaftsforums Ukraine an.

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