IHK-Umfrage weist auf Bedeutung des Mercosur-Abkommens hin
Mehr als 25 Jahre wurde verhandelt, und es könnte mit 700 Millionen Menschen der größte Freihandelsraum der Welt entstehen – das am 17. Januar unterzeichnete Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den südamerikanischen Mercosur-Staaten befindet sich derzeit im Ratifizierungsprozess. Von diesem Abkommen würden auch viele Betriebe in Mönchengladbach und Krefeld sowie im Rhein-Kreis Neuss und im Kreis Viersen profitieren. Das hat eine Unternehmensumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein gezeigt. Insbesondere die energieintensive Industrie sowie die Hersteller von Investitionsgütern rechnen mit spürbaren Vorteilen. „Wir erwarten daher eine zügige Ratifizierung des Abkommens. Das könnte dazu beitragen, dass die Wirtschaft wieder Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der EU gewinnt“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. Nach der enttäuschenden Entscheidung des EU-Parlaments, den Europäischen Gerichtshof anzurufen und damit das Verfahren weiter zu verzögern, wäre aus Sicht von Steinmetz ein schneller Abschluss oder wenigstens eine vorläufige Anwendung des Abkommens ein wichtiges Signal für die Wirtschaft.
An der Umfrage hatten sich gut 300 Unternehmen aus Industrie, Großhandel und der Dienstleistungsbranche beteiligt. Rund jedes vierte Unternehmen geht von positiven Auswirkungen des Mercosur-Abkommens aus, lediglich 2,6 Prozent erwarten negative Effekte. Unter den Industrieunternehmen liegt der Anteil der Betriebe mit positiven Erwartungen sogar bei 40 Prozent. Besonders profitieren dürften die Leitbranchen am Mittleren Niederrhein: In den energieintensiven Industrien, etwa der Chemie, rechnen 42 Prozent der Unternehmen mit Vorteilen. Bei den Investitionsgüterproduzenten, beispielsweise im Maschinenbau, liegt dieser Wert sogar bei 50 Prozent.
Die positiv gestimmten Unternehmen wurden zudem nach den konkreten Vorteilen gefragt. Für drei Viertel dieser Betriebe steht der bessere Marktzugang im Vordergrund, der neue Kooperationen und Geschäftsbeziehungen mit Partnern aus den Mercosur-Ländern ermöglicht. Das Abkommen erleichtert schließlich den Zugang zu einem Markt mit mehr als 260 Millionen Menschen.
Aus Sicht der IHK ist das Mercosur-Abkommen – ebenso wie weitere Freihandelsabkommen – ein wichtiger Schritt zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie. „Aufgrund hoher Arbeits-, Energie- und Bürokratiekosten ist die Produktion in Europa häufig teurer als bei Wettbewerbern auf anderen Kontinenten. Freihandelsabkommen helfen, zumindest die Zollkosten zu senken“, so der IHK-Hauptgeschäftsführer. Entsprechend sehen 53 Prozent der Unternehmen, die positive Effekte erwarten, Vorteile durch Kosteneinsparungen. Für 48 Prozent ist das Mercosur-Abkommen zudem der Startschuss, ihre Export- und Sourcing-Aktivitäten in der Region auszubauen oder neu aufzunehmen.
Steinmetz verweist auf den derzeit zügig fortschreitenden Wandel der globalen Handelsbeziehungen: „Um Lieferketten zu stabilisieren und Handelspartner zu diversifizieren, ist es wichtig, schrittweise weitere Freihandelsabkommen abzuschließen.“ Vor diesem Hintergrund begrüßt die IHK auch die Fortschritte beim geplanten Abkommen mit Indien und fordert eine Beschleunigung der aktuellen Verhandlungen der Abkommen mit Ländern wie Indonesien, Malaysia und Thailand.
Das Mercosur-Abkommen und weitere geplante Freihandelsabkommen sind auch Thema beim IHK-Forum Zoll der IHK Mittlerer Niederrhein, das am 18. Juni in Mönchengladbach stattfindet. Ansprechpartner für diese Veranstaltung sowie für das Thema Freihandelsabkommen ist Jörg Schouren.
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