Betriebe sind mit ihrer Geschäftslage unzufrieden
Die Hoffnung auf eine konjunkturelle Erholung der Wirtschaft in der Region Düsseldorf/Mittlerer Niederrhein hat einen deutlichen Dämpfer erhalten. Der Krieg im Iran und seine wirtschaftlichen Folgen belasten die Unternehmen zunehmend. „Vor allem die stark gestiegenen Energie- und Kraftstoffpreise sowie die wachsende Unsicherheit auf den Weltmärkten haben die Hoffnung vieler Unternehmen auf eine konjunkturelle Erholung im Jahr 2026 vorerst zunichtegemacht“, erklärt Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein. „Zudem verschlechtern die erratische Zollpolitik der USA und ausbleibende wirtschaftspolitische Reformimpulse der Bundesregierung die Rahmenbedingungen für die Unternehmen zusätzlich.“ Das zeigt eine Blitzumfrage bei knapp 600 Unternehmen in der Region.
Der Geschäftslageindex der regionalen Wirtschaft ist leicht von minus 9,8 auf minus 11,3 Punkte gesunken. Damit überwiegen weiterhin die Unternehmen mit schlechter Geschäftslage gegenüber den Betrieben mit guter Lage. Besonders angespannt ist die Situation im Einzelhandel. Die Dienstleister melden hingegen noch leicht positive Werte: In dieser Branche gibt es weiterhin etwas mehr Unternehmen mit guter als mit schlechter Geschäftslage.
Deutlich stärker als der Geschäftslageindex haben sich die Geschäftserwartungen eingetrübt. Innerhalb von nur vier Monaten ist der Anteil der Unternehmen, die mit besseren Geschäften rechnen, von 20,4 auf 12,5 Prozent eingebrochen. Gleichzeitig ist der Anteil der Betriebe, die eine Verschlechterung erwarten, von 24,0 auf 34,4 Prozent gestiegen. Viele Unternehmen befürchten vor allem weitere wirtschaftliche Folgen des Kriegs im Iran. „Die Blockade der Straße von Hormus führt zu erheblichen Unsicherheiten auf den Rohstoff- und Energiemärkten. Vor allem Öl und Erdgas haben sich deutlich verteuert“, sagt Steinmetz. „Die steigenden Kraftstoffpreise erhöhen Transport- und Logistikkosten und belasten zugleich die Konsumnachfrage.“ Die Unternehmen befürchten zunehmend eine erneute Preissteigerungsspirale, wie es sie schon einmal nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine gab.
Der IHK-Stimmungsindex, der sowohl die aktuelle Lage als auch die Erwartungen der Unternehmen abbildet, ist von 93,2 auf 83,3 Punkte abgestürzt. Damit liegt der Wert deutlich unter der neutralen Marke von 100 Punkten und erreicht den niedrigsten Stand seit Herbst 2022. „Ich mache mir große Sorgen um den Einzelhandel“, erklärt Steinmetz. „Das Konsumklima hat sich durch die Belastungen für die Konsumenten weiter verschlechtert.“ In der Branche fiel der Stimmungsindex sogar auf nur noch 63,6 Punkte – und damit auf ein Niveau, das es selbst in der wirtschaftlich schwierigen Zeit während der Corona-Pandemie nicht gab. Das ist der niedrigste Stand seit rund 20 Jahren.
Geschäftslage in den einzelnen Kommunen
In der Umfrage wurden die Betriebe auch nach ihren wichtigsten Geschäftsrisiken gefragt. Im Vergleich zur Vorumfrage im Januar haben die Energie- und Rohstoffpreise deutlich an Bedeutung gewonnen. Inzwischen nennen 61 Prozent der Unternehmen die Energiepreise als größtes Risiko für die kommenden zwölf Monate – das sind knapp 20 Prozentpunkte mehr als zum Jahresbeginn. Auch die Rohstoffpreise bereiten den Betrieben zunehmend Sorgen: 45,5 Prozent sehen darin ein wesentliches Geschäftsrisiko. „Vor allem energieintensive Unternehmen spüren die steigenden Belastungen deutlich. Entsprechend haben sich sowohl die Geschäftslage als auch die Erwartungen in diesen Branchen nochmals stärker verschlechtert als in der Industrie insgesamt“, so Steinmetz.
Daneben bleiben die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sowie die hohen Arbeitskosten zentrale Belastungsfaktoren. Knapp jeder zweite Betrieb bewertet diese Themen als wesentliches Risiko. Auch der Fachkräftemangel bleibt relevant und wird weiterhin von rund jedem dritten Unternehmen genannt.
Die Exportwirtschaft blickt ebenfalls zunehmend pessimistisch auf die kommenden Monate. Nur noch 10,6 Prozent der exportierenden Unternehmen rechnen mit steigenden Auslandsumsätzen, während 36,5 Prozent sinkende Exporte erwarten. Der entsprechende Saldo liegt mit minus 25,9 Punkten mehr als 15 Punkte unter dem Wert der Vorumfrage im Januar. „Die geopolitischen Krisen wirken sich längst nicht mehr nur regional aus, sondern bremsen den Welthandel insgesamt“, erklärt Steinmetz. „Auch die Zollpolitik der USA sorgt für schwächere Exporterwartungen.“
Die sich verschlechternde Lage wirkt sich inzwischen auch auf die Investitions- und Beschäftigungspläne der Unternehmen aus. Immer mehr Betriebe wollen ihre Investitionsbudgets reduzieren. Der Anteil der Unternehmen mit sinkenden Investitionsplänen stieg von 30,0 auf 39,1 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil der Unternehmen, die ihre Investitionen erhöhen wollen, von 18,9 auf 16,5 Prozent. Auch am Arbeitsmarkt bleiben die Perspektiven angespannt. Lediglich 8,4 Prozent der Unternehmen planen einen Beschäftigungsaufbau, während 29,2 Prozent mit einem Rückgang der Mitarbeitendenzahlen rechnen. In der energieintensiven Industrie möchten sogar 44,1 Prozent der Unternehmen die Beschäftigtenzahl reduzieren, nur 5,9 Prozent planen eine Erhöhung.
„Die Unternehmen stellen sich auf ein weiteres Jahr ohne nennenswertes Wachstum ein“, fasst Steinmetz die Ergebnisse zusammen. „Der Iran-Krieg alleine ist aber nicht Ursache für die aktuelle Lage. Deutschland ist in vielen Bereichen zu träge, zu langsam und auch zu kompliziert geworden. Und das schwächt die Wirtschaft auch in unserer Region.“
Der vollständige Konjunkturbericht steht auf der Seite der IHK Mittlerer Niederrhein zur Verfügung:mittlerer-niederrhein.ihk.de/P599
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