„Der Wiederaufbau findet längst statt“
1.400 Kilometer per Auto durch ein Land im Kriegszustand, ein nächtlicher Luftalarm, intensive Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern der Wirtschaft und die Begegnung mit engagierten Menschen, die sich dem russischen Aggressor widersetzen – eine Delegation der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein hat bei einer Reise in die Ukraine vielfältige Erfahrungen gemacht. „Besser hätte der Zeitpunkt für die Reise in die Ukraine nicht sein können. Wenige Tage zuvor – am 14. April – hatten Deutschland und die Ukraine eine strategische Partnerschaft vereinbart, die Kooperationen in den Bereichen Sicherheit, Wirtschaft und Innovationen sowie humanitäre Hilfeleistungen und Unterstützung beim Wiederaufbau zum Gegenstand hat“, berichtet IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. „Bei unserer Reise ging es darum, Kontakte zu knüpfen, Ansprechpartner zu identifizieren und die Zusammenarbeit zu intensivieren, um Kooperationen zwischen unseren Unternehmen und der Wirtschaft in der Ukraine zu fördern.“ Die IHK Mittlerer Niederrhein ist Schwerpunkt-IHK für die Ukraine, und Steinmetz ist im vergangen Jahr zum Honorarkonsul der Ukraine ernannt worden.
Gemeinsam mit dem Verein Blau-Gelbes Kreuz überführte die IHK-Gruppe Rettungsfahrzeuge, die im Rahmen einer Spendenaktion beschafft worden waren. In Lviv und Kyjiw wurden die Fahrzeuge übergeben. In Lwiw tauschte sich die IHK-Gruppe mit der dortigen Stadt- und Oblastverwaltung sowie mit Veteranen, die nach ihrem Kriegseinsatz durch Unternehmensgründungen einen Neuanfang wagen, aus. „Ende Mai wird uns eine Delegation aus Lviv besuchen, und am 19. August werden die Veteranen nach Neuss kommen und in unserem Pavillon auf dem Campus Zukunft ihre Geschäftsmodelle vorstellen“, kündigte Steinmetz an.
In der Niederlassung Pisky des Baustoff-Konzerns Kreisel erfuhr die IHK-Gruppe, welche wirtschaftlichen Chancen sich auch deutschen Unternehmen insbesondere im Bau- und Infrastruktursektor bieten. Der Standort Pisky des Unternehmens entstand innerhalb von drei Jahren. Eröffnet wurde der Betrieb am 9. April 2025. Inzwischen produziert der Standort jährlich rund 440.000 Tonnen Baustoffe. „Der Wiederaufbau findet längst statt“, so Steinmetz. „Das Interesse an deutschen Produkten, deutschem Know-how und EU-Standards ist sehr groß.“ Inzwischen sei auch ein angepasstes Modell der dualen Berufsausbildung nach deutschem Vorbild in der Ukraine etabliert. Neben dem Firmenbesuch informierte sich die IHK-Gruppe auch in Kyjiw bei der Deutschen Botschaft und der Deutsch-Ukrainische Industrie- und Handelskammer über die wirtschaftliche Situation in dem Land.
Die IHK-Delegation wird jetzt die Ergebnisse der Reise auswerten, um ihre Aktivitäten und Projekte als Schwerpunkt-IHK für die Ukraine noch besser auf die Bedürfnisse deutscher und ukrainischer Unternehmen auszurichten. „Es war wichtig, sich einen persönlichen Eindruck vor Ort zu verschaffen“, so Steinmetz. „Den Menschen in der Ukraine wird viel abverlangt. Sie brauchen unsere Unterstützung, aber auch wir können viel von ihnen lernen. Die Resilienz und der Widerstandsgeist der Ukrainerinnen und Ukrainer ist beeindruckend. Der russische Angriffskrieg hält unvermindert an, aber die Menschen lassen sich nicht einschüchtern und aus ihrem Land vertreiben. Mit unserem Besuch wollten wir auch ein Zeichen der Solidarität setzen.“
Unternehmen, die sich für den Wirtschaftsstandort Ukraine und für Kooperationen mit ukrainischen Partnern interessieren, können sich an Dr. Kateryna Kravchenko, Tel. 02131 9268-560, E-Mail: kateryna.kravchenko(at)mittlerer-niederrhein.ihk.de, wenden. Weitere Informationen stehen auf der IHK-Website zur Verfügung: mittlerer-niederrhein.ihk.de/P632
Ansprechpartner zum Thema
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Dr. Kateryna Kravchenko
Referentin Auslandsmärkte mit dem Schwerpunkt Ukraine
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Lutz Mäurer
Bereichsleiter Öffentlichkeitsarbeit
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