IHK hat Standortanalyse Korschenbroich vorgestellt
Die Korschenbroicher Unternehmen geben ihrem Wirtschaftsstandort die Note 2,62. Sie sehen Stärken bei der Verkehrsanbindung, digitalen Infrastruktur und dem Wohnumfeld. Kritischer werden die Steuern und die Parkraumsituation in den Ortszentren bewertet. Das sind die wesentlichen Ergebnisse der Standortanalyse für den Wirtschaftsstandort Korschenbroich, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein vorgelegt hat. Grundlage der Analyse sind amtliche Statistiken und eine Unternehmensumfrage zum Jahresbeginn, an der sich rund 160 Korschenbroicher Betriebe mit etwa 2.000 Beschäftigten beteiligt haben. „In manchen Bereichen haben wir eine spürbare Verbesserung gegenüber der vorangegangenen Befragung“, erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. Insgesamt seien die Ergebnisse zwar sehr positiv, aber auch in Korschenbroich gebe es Themen, die angegangen werden müssen
Zum 30. Juni 2025 waren in Korschenbroich rund 8.500 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte tätig – 46,0 Prozent mehr als 1999. „Damit war das Wachstum deutlich stärker als in NRW und im Rhein-Kreis Neuss“, sagte Gregor Werkle, Leiter Wirtschaftspolitik bei der IHK Mittlerer Niederrhein. Besonders dynamisch entwickelte sich der Dienstleistungsbereich: Allein zwischen 2015 und 2025 wuchs die Beschäftigung in Handel und Dienstleistungen um 46,5 Prozent – gut doppelt so stark wie im Rhein-Kreis Neuss. Korschenbroich ist damit klar dienstleistungsgeprägt, mit einem starken Handels- und Gastgewerbeschwerpunkt.
Beim Vergleich zentraler volkswirtschaftlicher Kennziffern zeigt sich ein gemischtes Bild: Die Arbeitslosenquote lag 2025 bei lediglich 3,9 Prozent – der niedrigste Wert unter allen Vergleichskommunen der Region. Die Kaufkraft ist mit einem Index von 114,4 überdurchschnittlich. Gleichzeitig beträgt die Einzelhandelszentralität nur 70,1 – ein deutliches Signal, dass erhebliche Kaufkraft in die Umlandkommunen abfließt. „Dieser Wert zeigt, dass Korschenbroich sein Potenzial im lokalen Einzelhandel nicht ausschöpft“, so Werkle. Die Kassenkredite liegen mit 1.325 Euro je Einwohner über dem Kreis- und Landesdurchschnitt. Das kann die finanzielle Handlungsfähigkeit der Stadt langfristig einschränken. Das zeigen auch die jüngsten Diskussionen um die Haushaltslage. Der Grundsteuerhebesatz von 690 Punkten ist verglichen mit den Hebesätzen im direkten Umfeld Korschenbroichs hoch, ebenso wie der Gewerbesteuerhebesatz (450 Punkte).
Die Ergebnisse der Unternehmensbefragung zeigen ein insgesamt positives, aber differenziertes Bild: Das Gesamturteil (2,62) für den Wirtschaftsstandort ist besser als der mehrjährige Mittelwert am Mittleren Niederrhein (2,69). Im Vergleich zur vorangegangenen Befragung im Jahr 2021 (Note 2,41) hat sich die Einschätzung allerdings etwas verschlechtert – eine Entwicklung, die sich derzeit in der gesamten Region zeigt.
Besonders positiv bewerten die Unternehmen die Anbindung an das Straßen- und Autobahnnetz (Note 2,01) sowie die Sicherheit in den Ortszentren (Note 2,46). „Dass sich die Bewertung der digitalen Infrastruktur gegenüber 2021 spürbar verbessert hat, zeigt, dass Investitionen in diesem Bereich bei den Betrieben ankommen“, lobte Steinmetz. Auch das Wohnumfeld für Mitarbeitende (Note 2,61) wird gut bewertet. „Korschenbroich hat hier echte Standortvorteile – gerade im Wettbewerb um Fachkräfte“, so der Hauptgeschäftsführer. „Aber es gibt auch Bewertungen, die wir ernst nehmen müssen, zum Beispiel die steuerliche Belastung und die Verkehrssituation in den Ortskernen.“
Die Note für den Gewerbesteuerhebesatz sank auf 3,91, die Grundsteuer wird mit 3,92 ebenfalls kritisch beurteilt. Am deutlichsten fiel die Verschlechterung beim Parkplatzangebot aus: Hier brach die Note deutlich auf eine 3,48 ein. „Der Wegfall von Parkmöglichkeiten, insbesondere in der Korschenbroicher Innenstadt, trifft den Einzelhandel und die Gastronomie direkt“, sagte Steinmetz. „Es ist gut, dass die Stadt zwischenzeitlich reagiert hat und am Jane-Addams-Weg zusätzlichen Parkraum geschaffen hat.“
Die IHK leitet aus den Ergebnissen klare Handlungsempfehlungen ab: Weitere Steuererhöhungen, wie zuletzt angekündigt, sollten vermieden werden, um die Wettbewerbsfähigkeit Korschenbroichs nicht zu gefährden. Stattdessen muss die Steuerbasis durch neue Ansiedlungen vergrößert werden. „Wir begrüßen ausdrücklich, dass die Verwaltung die Entwicklung des Gewerbegebiets ‚Glehner Heide 2' zeitnah vorantreiben möchte“, sagte Steinmetz. Darüber hinaus empfiehlt die IHK, einen Gewerbe- und Industriestandort im Bereich Hasseldamm in den Regionalplan aufzunehmen. Dieser Standort hat eine gute Verkehrsanbindung und ist prädestiniert für emittierende Unternehmen. Außerdem sieht die IHK große Chancen in einer interkommunalen Zusammenarbeit der Städte Mönchengladbach, Willich und Korschenbroich rund um den Flughafen Mönchengladbach.
Für die Ortszentren fordert die IHK eine Überprüfung des Parkraumkonzepts gemeinsam mit Händlern und Gewerbetreibenden sowie eine Innenstadtpolitik, die Aufenthaltsqualität und Erreichbarkeit gleichermaßen in den Blick nimmt. Zusätzlich empfiehlt die IHK der Stadt, dem Zertifizierungsverfahren zum RAL-Gütezeichen „Mittelstandsorientierte Kommunalverwaltung“ beizutreten: „Korschenbroich hat eine Verwaltung, die im regionalen Vergleich gut abschneidet. Diese Stärke sollte sichtbar gemacht und weiter ausgebaut werden“, empfahl Steinmetz.
Im Anschluss an die Vorstellung diskutierten Steinmetz, Bürgermeister Marc Venten, Ute Lingen (Buch und Spiel Kiste), Hans-Jürgen Brocker (Brocker Logistik GmbH & Co. KG) sowie die Besucherinnen und Besucher über den Wirtschaftsstandort. Dabei standen die Themen Parkplatznot, fehlende Gewerbeflächen und Steuern im Mittelpunkt.
Ute Lingen kann nachvollziehen, dass das Thema Parkplatznot für viele Korschenbroicher Händlerinnen und Händler eine echte Herausforderung ist. Allerdings hat sie das Problem nicht – im Gegenteil. Vor ihrem Geschäft in Glehn finden ihre Kundinnen und Kunden problemlos einen Parkplatz. „Ich merke, dass die Zahl auswärtiger Kunden, zum Beispiel aus Mönchengladbach, Neuss und Düsseldorf, zunimmt“, erklärte sie. „Das liegt daran, dass es Parkplätze gibt: Anfahren, reinkommen und sich wohlfühlen – das kommt bei der Kundschaft an.“ Davon können die Einzelhändler in der Korschenbroicher Innenstadt nur träumen. So bemängelte ein Unternehmer, dass 18 Stellplätze zugunsten von E-Ladestationen, die kaum in Anspruch genommen werden, weggefallen sind. „In Städten, die der Größenordnung Korschenbroichs entsprechen, wollen die Kunden vor den Geschäften einen Parkplatz finden. Deshalb setzen wir uns für ausreichend kostenfreie Parkplätze ein“, betonte Steinmetz. Bürgermeister Venten erklärte, dieses Thema bei einem bereits terminierten Runden Tisch mit dem Einzelhandel zu besprechen, und verwies gleichzeitig auf 76 neue Parkplätze am Edeka-Center.
Dass Kommunen nicht nur ein gutes Parkplatzangebot benötigen, sondern auch über genügend Gewerbeflächen verfügen sollten, zeigt das Beispiel der Brocker Logistik GmbH & Co. KG. Da es am Willicher Standort keine Erweiterungsmöglichkeiten für den Logistikbetrieb gab, hat sich das Unternehmen vor 13 Jahren mit diesem Bereich in Korschenbroich angesiedelt. Inzwischen können sich kaum noch Unternehmen ansiedeln, weil entsprechende Gewerbeflächen fehlen. „Da sind wir von der Regionalplanung abhängig. Und die ist sehr restriktiv“, erklärte Venten. „Die bürokratischen Hürden, die mit der Entwicklung von Gewerbeflächen verbunden sind, müssen beseitigt werden.“ Steinmetz empfahl, einen parteiübergreifenden Beschluss im Stadtrat zu erwirken. „Es müssen alle politischen Kräfte mobilisiert werden“, sagte er. Schließlich seien neue Gewerbeflächen die Voraussetzung für höhere Steuereinnahmen und eine Maßnahme gegen Steuererhöhungen, wie sie derzeit diskutiert werden. „Jegliche Steuererhöhungen sind Gift“, betonte Hans-Jürgen Brocker. „Die Bürgerinnen und Bürger benötigen das Geld für den Konsum, die Unternehmen für Investitionen. Deshalb kann ich nur appellieren, die Steuern nicht zu erhöhen.“
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