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„Wir leben in einer Welt, die aus den Fugen geraten ist“

07.05.2026
IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz (2.v.r.) sowie die beiden IHK-Vizepräsidenten Rainer Höppner (l.) und Frank Kindervatter (2.v.l.) begrüßten den Bundestagsabgeordneten Dr. Martin Plum (M.) und den Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Krefeld Stefan Grunwald zum Regionalforum Kreis Viersen.
IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz (2.v.r.) sowie die beiden IHK-Vizepräsidenten Rainer Höppner (l.) und Frank Kindervatter (2.v.l.) begrüßten den Bundestagsabgeordneten Dr. Martin Plum (M.) und den Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Krefeld Stefan Grunwald zum Regionalforum Kreis Viersen.

„Als ich im Dezember diesen Termin zugesagt habe, habe ich nicht geahnt, welche Aktualität das Thema hat.“ Mit diesen Worten begrüßte Bundestagsabgeordneter Dr. Martin Plum (CDU) die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Regionalforums Kreis Viersen. Dazu hatte die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein unter dem Titel „Strukturkrise überwinden – Zukunft sichern“ in die Sparkassen-Filiale in Viersen eingeladen. Zuvor hatte IHK-Vizepräsident Rainer Höppner erklärt: „Zu hohe Energiekosten, steigende Arbeitskosten, eine überbordende Bürokratie – unter anderem diese Themen machen Unternehmen zunehmend zu schaffen.“ Deshalb sei es nun der richtige Zeitpunkt, über diese Dinge zu sprechen, betonte er und fügte hinzu: „Sicherlich haben Sie als Bundestagsabgeordneter derzeit in Berlin auch keine leichte Zeit.“

Das konnte Plum nur bestätigen: „In Berlin herrscht eine gewisse Unzufriedenheit“, erklärte er. „Und ich will nicht um den heißen Brei rumreden, wirtschaftlich stehen wir so schlecht da, wie noch nie in der Nachkriegsgeschichte. Wir leben in einer Welt, die aus den Fugen geraten ist.“ Neben den weltpolitischen Entwicklungen wie die Kriege in der Ukraine und im Iran und den damit verbundenen Folgen für die Weltwirtschaft setzten weitere Entwicklungen manche Unternehmen unter Druck. Dazu zählt etwa der rasante Fortschritt im Bereich der Künstlichen Intelligenz, der auf der einen Seite die Innovationskraft steigern kann, auf der anderen Seite bestehende Geschäftsmodelle und Wettbewerbsbedingungen grundlegend verändert. Zudem führte Plum das zunehmende wirtschaftliche und technologische Gewicht Chinas an, das den internationalen Konkurrenzdruck deutlich verschärft.

Für den Bundestagsabgeordneten gibt es auf diese Entwicklungen drei Antworten: „Wir müssen weiterhin auf Kooperationen und Regeln setzen und als Europa einen anderen Weg als Trump gehen, indem wir Freihandelsabkommen befürworten.“ Außerdem müsse man an der Wettbewerbsfähigkeit arbeiten. „Sie ist die Voraussetzung für Wachstum und Wachstum wiederum ist die Voraussetzung für Wohlstand.“ Und schließlich benötige Deutschland „strukturelle Reformen“. „Die Steuerlast, die Arbeitskosten und die Energiekosten sind zu hoch. Es gibt einen Arbeitskräftemangel und die Bürokratie lähmt alle. Kurzum: Wir haben eine Strukturkrise.“

Was die Bundesregierung in den vergangenen Monaten auf den Weg gebracht hat und welche Vorhaben derzeit diskutiert beziehungsweise geplant sind, erläuterte Plum für die Themenfelder Steuern, Energie, Arbeitskosten und Sozialversicherung sowie Bürokratie. „Wir haben inzwischen 141 Vorhaben verabschiedet“, erklärte der Bundestagsabgeordnete. „Aber ich bin nicht sonderlich glücklich. Es bleibt noch eine Menge zu tun und es muss spürbarer werden“, betonte er. „Wir müssen das Tempo erhöhen und Mut für wichtige Reformschritte haben.“

Nach einem Austausch mit den Unternehmerinnen und Unternehmern, die unter anderem die Themen chinesische Online-Plattformen, Spritpreise, Personalintensität in Behörden und Kommunikation der Regierung ansprachen, schlug Stefan Grunwald, seit Juli 2025 Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Krefeld, in seinem Kurzvortrag „Neue Zeiten – auch für Unternehmen“ einen bewusst positiveren Ton an. „Es ist eine total spannende Region“, erklärte er. „Und ich sehe es als Privileg, die letzten zehn Jahre meiner beruflichen Laufbahn hier zu verbringen.“ Er plädierte dafür, schneller und intensiver daran zu arbeiten, dass Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit erhöht. „Dafür müssen wir uns auf die Dinge fokussieren, die wir selber beeinflussen können.“ Grunwald animierte die Unternehmerinnen und Unternehmer: „Starten wir heute mit der Transformation und profitieren dabei von den Ideen anderer, reduzieren wir unsere Abhängigkeiten und sorgen wir bereits heute für stabile Grundlagen, um morgen handlungsfähig und erfolgreich zu bleiben.“

IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz sieht die Bundesregierung in der Pflicht und fand am Ende klare Worte: „Die Reformanstrengungen reichen nicht aus. Wir brauchen jetzt alle Anstrengungen, um die Rahmenbedingungen für Unternehmen in Deutschland zu verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit wieder zu stärken.“

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