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Immobilienmarkt im Umbruch

22.10.2026
Sie tauschten sich über aktuelle Entwicklungen in der Immobilienbranche aus (v.l.):  Viola Albrecht (MeinWerk Projekt GmbH), Eckart Preen (Wirtschaftsdezernent der Stadt Krefeld), Petra Voßebürger (IKU GmbH), Tobias Carsten Bloemeke (Carpus+Partner AG), Norbert Bienen (bienen + partner Immobilien GmbH), Dirk Peters (Stadtsparkasse Mönchengladbach), Silke Hauser (IHK Mittlerer Niederrhein), Uwe Drange (Betonwerk Andreas Kronen GmbH & Co.KG) und Stephanie Willems-Goduto (IHK Mittlerer Niederrhein).
Sie tauschten sich über aktuelle Entwicklungen in der Immobilienbranche aus (v.l.): Viola Albrecht (MeinWerk Projekt GmbH), Eckart Preen (Wirtschaftsdezernent der Stadt Krefeld), Petra Voßebürger (IKU GmbH), Tobias Carsten Bloemeke (Carpus+Partner AG), Norbert Bienen (bienen + partner Immobilien GmbH), Dirk Peters (Stadtsparkasse Mönchengladbach), Silke Hauser (IHK Mittlerer Niederrhein), Uwe Drange (Betonwerk Andreas Kronen GmbH & Co.KG) und Stephanie Willems-Goduto (IHK Mittlerer Niederrhein).

Die Immobilienwirtschaft steht vor einem Umbruch: Der Anstieg bei Zinsen, Baukosten und Nachhaltigkeitsanforderungen erschwert das Geschäft, während der Bedarf die Zahl der Neubauten deutlich übertrifft. Lösen lassen sich diese Herausforderungen durch eine neue Balance zwischen Nachhaltigkeit und Finanzierbarkeit und die stärkere Nutzung der Digitalisierung. Gerade kleine und mittlere Unternehmen brauchen dazu verlässliche Finanzierungsbedingungen, unkomplizierte Förderprogramme und weniger Bürokratie. Das war das Fazit des IHK-Immobilienforums 2026, zu dem die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein eingeladen hatte.

„Wir haben uns in der Niedrigzinsphase an Strukturen gewöhnt, die heute nicht mehr darstellbar sind. Deshalb brauchen wir in der Immobilienwirtschaft eine neue Balance von Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit sowie von Regulierung und unternehmerischer Freiheit“, betonte Norbert Bienen, Sprecher des IHK-Netzwerks Immobilien, Planen und Bauen und Geschäftsführer der bienen + partner Immobilien GmbH in Mönchengladbach.

„Früher gab es für Immobilien nur ein Kriterium: Lage, Lage, Lage. Heute wird Nachhaltigkeit zunehmend Teil der Immobilienökonomie: Hohe Energiepreise und der Klimawandel machen Sanierungen zum wesentlichen Element der Werterhaltung“, sagte Silke Hauser, Leiterin Industrie, Klimaschutz und Mobilität bei der IHK Mittlerer Niederrhein. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Drittverwertbarkeit von Gebäuden an Bedeutung. „In Bestandsimmobilien ist graue Energie gebunden, weil sie bereits Zeit, Geld und CO2 gekostet haben. Es ist sinnvoll, dies zu nutzen und mit intelligenten Lösungen weiterzuentwickeln“, erläuterte Bienen.

So baut die „MeinWerk Projekt GmbH“ energiesparende Gewerbeparks, die eine hohe Flexibilität und Erweiterbarkeit aufweisen. „Flexibilität heißt für uns, nicht nur den Bedarf von heute zu bauen, sondern Entwicklungsmöglichkeiten mitzudenken. Das ist Voraussetzung für Nachhaltigkeit und Wertstabilität“, sagte Geschäftsführerin Viola Albrecht.

Ein weiteres Beispiel ist der Kronen Business Park in Mönchengladbach: Das Betonwerk hat seine früheren Produktionsflächen zu einem Gewerbepark mit Lagerhallen und darüberliegenden Büros umgebaut, berichtete Geschäftsführer Uwe Drange. Dazu kommen Photovoltaik, eine Wärmepumpe als Heizung und Ladesäulen.

Anders liegt der Fall in Krefeld, wo vor wenigen Jahren zwei große Kaufhäuser in der Innenstadt schlossen. In einer „Taskforce Nachnutzung“ bündelte die Stadt die Expertise aus Handel, Immobilien-, Finanzwirtschaft, Verwaltung, IHK und Hochschule. Nun setzt sie auf ein Mixed-Use-Konzept aus Wohnen, Kultur, Dienstleistungen, Gastronomie und Handel. „Der Weg vom Warenhaus zum Mixed-Use-Objekt ist ein langwieriger Prozess. Wichtig ist, die Umwandlung nicht vom Gebäude, sondern vom Bedarf her zu denken“, betonte Krefelds Wirtschaftsdezernent Eckart Preen.

Neben dem Thema Nachhaltigkeit spielten die Aspekte Digitalisierung und Finanzierbarkeit beim Forum eine Rolle. Dass Digitalisierung und KI nicht nur Architekten, sondern alle Beteiligten eines Bauprojekts betreffen, unterstrich Tobias Bloemeke, Partner und Prokurist bei der Carpus+Partner AG. In der Generalplanung werte KI-Anfragen aus, simuliere Umsetzungsszenarien und helfe bei der Kostensteuerung. Bloemeke setzt darauf, durch Kooperation der Projektbeteiligten im digitalen Raum Funktionalität zu maximieren und Kosten-Nutzen zu optimieren.

„Schon bei der Ermittlung von Verkaufspreisen werden erforderliche energetische Sanierungen eingepreist“, sagte Dirk Peters, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse Mönchengladbach. Wer unsaniert verkaufe, müsse Abschläge von bis zu 50 Prozent je nach Lage hinnehmen. „Über 70 Prozent des Kapitals von institutionellen Anlegern fließt nur noch in ESG-zertifizierte Gebäude“, erläuterte Peters. „Nachhaltig finanzierbar sind zudem nur Objekte mit einem belastbaren Zukunftspfad. Nicht mehr nur das Heute entscheidet.“ Bankfähig sei ein Objekt, wenn Maßnahmen, Kosten, Nutzen und Zeitplan des Transformationspfads nachvollziehbar seien.

Bienen kritisierte, die Förderlandschaft sei zu komplex und gerade für kleine und mittlere Unternehmen zu unübersichtlich. Außerdem plädierte er für niedrigere Standards und mehr modulares, serielles Bauen. Um als Vertreter unternehmerischer Belange besser gegen überbordende Regulatorik und Bürokratie vorzugehen, appellierte Silke Hauser an die mehr als 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer: „Wir müssen ganz konkret von Ihnen wissen, wo der Schuh drückt. Sprechen Sie uns gerne direkt an.“

Unternehmen, die beim IHK-Netzwerk Immobilien, Planen und Bauen mitmachen möchten, können sich bei Stephanie Willems-Goduto melden (stephanie.willems(at)mittlerer-niederrhein.ihk.de).

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