Sicherheit und Resilienz
Die aktuelle sicherheitspolitische Lage wirkt sich zunehmend auf die Unternehmen am Mittleren Niederrhein aus. Unsere Befragung zeigt: Viele Betriebe spüren die Folgen geopolitischer Krisen bereits deutlich – etwa durch steigende Energie-, Transport- und Absicherungskosten, gestörte Lieferketten, wachsende Unsicherheit bei Investitionen und einen höheren Bedarf an Cybersicherheit.
Gleichzeitig wird deutlich, dass viele Unternehmen ihre Krisenvorsorge noch ausbauen müssen. Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig Information, Vernetzung und konkrete Unterstützungsangebote sind, um die Widerstandsfähigkeit der regionalen Wirtschaft zu stärken.
Umfrage-Ergebnisse
- Wie stark wirkt sich die aktuelle sicherheitspolitische Lage insgesamt auf Ihr Unternehmen aus?
- Welche Auswirkungen betreffen Ihr Unternehmen aktuell oder absehbar?
- Sehen Sie bei Ihrem Unternehmen Tätigkeiten oder Leistungen, auf die andere Unternehmen oder die Bevölkerung in außergewöhnlichen Störungslagen besonders angewiesen sein könnten?
- Wie schätzen Sie die eigene Vorsorge Ihres Unternehmens gegenüber sicherheits- oder krisenbedingten Risiken ein?
- Zu welchen Themen wünschen Sie sich künftig Informationen, Orientierung oder Formate?
- Mit welchen Akteuren stehen Sie im Bereich Krisenvorsorge oder Sicherheit bereits im Austausch – oder wünschen sich Austausch?
- Fazit
Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft
Umfrage-ErgebnisseWie stark wirkt sich die aktuelle sicherheitspolitische Lage insgesamt auf Ihr Unternehmen aus?
in Prozent
71 % der befragten Unternehmen berichten von mittleren bis starken Auswirkungen der aktuellen sicherheitspolitischen Lage auf ihren Betrieb. Nur 26 % der Unternehmen nennen keine oder geringe Auswirkungen, für 3 % ist zurzeit keine Einschätzung möglich. In der Industrie sehen 80 % der Betriebe mindestens mittlere Auswirkungen auf ihren Betrieb. Dieser Wert liegt damit auf einem überdurchschnittlich hohen Niveau.
Welche Auswirkungen betreffen Ihr Unternehmen aktuell oder absehbar?
Mehrfachnennungen möglich, in Prozent
Die Unternehmen wurden nach den aktuellen oder bereits absehbaren Auswirkungen geopolitischer Krisen auf ihre Geschäftstätigkeit befragt. Mit deutlichem Abstand werden gestiegene Kosten für Energie, Transport und Absicherung genannt (84 %). Dies verdeutlicht, dass die wirtschaftlichen Folgen internationaler Konflikte vor allem über Preissteigerungen und erhöhte Betriebskosten bei den Unternehmen ankommen.
Ebenfalls stark betroffen sind die Lieferketten: 44 % der Befragten berichten von Beeinträchtigungen bei Materialbeschaffung, Transport oder Zusammenarbeit mit Partnern. Damit verbunden ist eine hohe Unsicherheit bei Investitionsentscheidungen, die von 42 % der Unternehmen genannt wird.
Darüber hinaus sehen viele Betriebe einen erhöhten Bedarf an Cybersicherheit und IT-Schutz (30 %), was auf die zunehmende Bedrohung durch Cyberangriffe im Zuge geopolitischer Spannungen hinweist. Probleme mit internationalen Partnern und Exportmärkten werden von 22 % der Unternehmen genannt und verdeutlichen die Auswirkungen gestörter Handelsbeziehungen sowie politischer Unsicherheiten auf grenzüberschreitende Geschäftsaktivitäten.
Die Ergebnisse zeigen insgesamt, dass geopolitische Krisen Unternehmen vor allem indirekt über steigende Kosten, Störungen globaler Wertschöpfungsketten und eine erschwerte Planbarkeit von Investitionen belasten. So führten etwa der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine sowie die Konflikte im Nahen Osten zu starken Schwankungen auf den Energie- und Rohstoffmärkten, höheren Transportkosten und zusätzlichen Risiken für internationale Lieferketten.
Die vergleichsweise große Abhängigkeit Deutschlands von internationalen Energie-, Rohstoff- und Vorleistungslieferungen verstärkt diese Auswirkungen zusätzlich. Gleichzeitig entstehen für einzelne Unternehmen auch neue Geschäftschancen, etwa im Sicherheits- und Verteidigungsbereich, die jedoch bislang nur von einer Minderheit (7 %) wahrgenommen werden
Sehen Sie bei Ihrem Unternehmen Tätigkeiten oder Leistungen, auf die andere Unternehmen oder die Bevölkerung in außergewöhnlichen Störungslagen besonders angewiesen sein könnten?
in Prozent
Knapp drei von zehn Unternehmen (29 %) sehen ihre Leistungen als potenziell relevant für die Versorgung von Wirtschaft und Bevölkerung in außergewöhnlichen Störungslagen an – insbesondere in den Bereichen Energie und Wasser sowie Logistik, Transport und Verkehr. Gleichzeitig können 24 % die Bedeutung ihrer Rolle nicht einschätzen oder machten keine Angabe. Dies deutet auf einen weiterhin bestehenden Informations- und Sensibilisierungsbedarf hinsichtlich möglicher Aufgaben und Verantwortlichkeiten in Krisenlagen hin.
Wie schätzen Sie die eigene Vorsorge Ihres Unternehmens gegenüber sicherheits- oder krisenbedingten Risiken ein?
in Prozent
59 Prozent der Unternehmen haben bislang keine oder kaum Vorsorgemaßnahmen umgesetzt. 33 Prozent haben erste Maßnahmen ergriffen und planen weitere zeitnah, während lediglich 7 Prozent bereits konkrete Maßnahmen umgesetzt haben. Dieser Befund unterstreicht den dringenden Informations- und Beratungsbedarf. Unternehmen müssen in die Lage versetzt werden, gut vorzusorgen und im Ernstfall die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Zu welchen Themen wünschen Sie sich künftig Informationen, Orientierung oder Formate?
Mehrfachnennungen möglich, in Prozent
Am häufigsten wünschen sich die befragten Unternehmen künftig Informationen, Orientierungshilfen oder praxisnahe Formate zum Thema Energie- und Versorgungssicherheit (43 %). Angesichts steigender Anforderungen an die Resilienz kritischer Infrastrukturen und möglicher Versorgungsengpässe steht dieses Themenfeld klar im Fokus. Ebenfalls von großer Bedeutung sind Maßnahmen der Krisenvorsorge und Notfallplanung (40 %) sowie Fragen der Cybersicherheit und des Wirtschaftsschutzes (35 %), die vor dem Hintergrund zunehmender digitaler und hybrider Bedrohungen an Relevanz gewinnen.
Darüber hinaus besteht ein deutliches Interesse an Informationen zur Resilienz von Lieferketten (27 %), insbesondere im Zusammenhang mit globalen Abhängigkeiten und geopolitischen Risiken. Auch rechtliche Rahmenbedingungen für Krisen- und Verteidigungsfälle (24 %) werden von vielen Unternehmen als relevantes Informationsfeld genannt.
Insgesamt zeigt sich ein breites Interesse an Themen, die die Widerstandsfähigkeit von Unternehmen gegenüber Krisen, Störungen und sicherheitspolitischen Herausforderungen stärken.
Mit welchen Akteuren stehen Sie im Bereich Krisenvorsorge oder Sicherheit bereits im Austausch – oder wünschen sich Austausch?
Mehrfachnennungen möglich, in Prozent
Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (54 %) gibt an, bislang keine Kontakte im Bereich Krisenvorsorge oder Sicherheit zu unterhalten. Dieses Ergebnis verdeutlicht, dass in vielen Unternehmen noch keine systematische Vernetzung mit relevanten Akteuren besteht, obwohl die Bedeutung von Krisenresilienz und Sicherheitsvorsorge kontinuierlich zunimmt. Gleichzeitig zeigt die Befragung, dass ein Teil der Unternehmen bereits auf bestehende Netzwerke zurückgreift.
Am häufigsten bestehen Kontakte zu unternehmensinternen Krisenstäben oder Sicherheitsbeauftragten (17 %), zu Kommunen und Verwaltungen (15 %) sowie zu Kammern und Verbänden, einschließlich der Industrie- und Handelskammern (15 %). Weitere Austauschpartner sind Sicherheits- oder Aufsichtsbehörden (11 %) sowie Feuerwehren und Katastrophenschutzorganisationen (9 %). Kontakte zur Bundeswehr beziehungsweise zu Landeskommandos spielen bislang mit 2 % nur eine untergeordnete Rolle.
Insgesamt machen die Ergebnisse deutlich, dass trotz einzelner bestehender Netzwerke erhebliche Potenziale für den Ausbau von Kooperationen und den strukturierten Austausch zwischen Unternehmen und sicherheitsrelevanten Akteuren bestehen. Insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender Krisen- und Bedrohungslagen könnte eine stärkere Vernetzung dazu beitragen, Informationen, Erfahrungen und Unterstützungsangebote effektiver zugänglich zu machen.
Fazit
ZusammenfassungDie Befragung macht deutlich, dass die aktuelle sicherheitspolitische Lage für die Wirtschaft zu einem zentralen Einflussfaktor geworden ist. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen berichten von mittleren bis starken Auswirkungen auf ihre Geschäftstätigkeit, wobei die Industrie besonders betroffen ist. Vor allem steigende Energie-, Transport- und Absicherungskosten sowie Störungen in Lieferketten und Beschaffungsprozessen belasten die Unternehmen. Gleichzeitig erschweren geopolitische Unsicherheiten langfristige Investitionsentscheidungen und erhöhen den Bedarf an Cybersicherheit und Wirtschaftsschutz.
Die Ergebnisse zeigen zudem, dass viele Unternehmen ihre Rolle in Krisen- und Versorgungslagen noch nicht klar einschätzen können. Obwohl ein Teil der Betriebe potenziell wichtige Beiträge zur Aufrechterhaltung kritischer Versorgungs- und Wirtschaftsstrukturen leisten könnte, besteht weiterhin ein erheblicher Informations- und Sensibilisierungsbedarf. Dies spiegelt sich auch in der bislang begrenzten Umsetzung von Vorsorgemaßnahmen wider: Die Mehrheit der Unternehmen hat noch keine oder nur wenige konkrete Schritte zur Krisenvorsorge eingeleitet.
Gleichzeitig wird deutlich, dass das Interesse an praxisnahen Informationen und Unterstützungsangeboten groß ist. Insbesondere Themen wie Energie- und Versorgungssicherheit, Krisenmanagement, Notfallplanung, Cybersicherheit sowie die Resilienz von Lieferketten stehen im Fokus. Auch die Vernetzung mit relevanten Akteuren aus Verwaltung, Sicherheitsbehörden, Kammern und Katastrophenschutz ist bislang vielfach ausbaufähig.
Insgesamt unterstreichen die Ergebnisse die Notwendigkeit, Unternehmen mehr bei der Stärkung ihrer Resilienz zu unterstützen und den Austausch zwischen Wirtschaft und sicherheitsrelevanten Institutionen weiter auszubauen. Angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen und komplexer Krisenlagen wird die Fähigkeit zur Vorsorge, Anpassung und Zusammenarbeit zu einem entscheidenden Faktor für die Zukunftsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.
Positionspapier
Wir haben auf Basis der Befragungsergebnisse ein Positionspapier erstellt. Die IHK-Vollversammlung hat das Positionspapier in der Vollversammlungssitzung am 1. Juli beschlossen.
Noch Fragen zum Thema? Wir helfen gerne weiter!
Kontakt-
Gregor Werkle
Bereichsleiter Wirtschaftspolitik
-
Nicolai Dwinger
Referent Industrie Technologie & Strukturwandel
Webcode: P952