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„Mit kühlem Kopf und heißem Herzen“

07.10.2026
Sie sprachen über das Thema Nachfolge (v.l.): Marco Werschbröcker (IVT Veranstaltungstechnik), Ulrike Gewehr und ihr Sohn Kevin Kreuzberg (In Time Personal-Dienstleistungen GmbH & Co. KG), Moderator Axel Tillmanns, Maximilian Haupts, Florian Haupts und Marco Haupts (Claus Haupts GmbH).
Sie sprachen über das Thema Nachfolge (v.l.): Marco Werschbröcker (IVT Veranstaltungstechnik), Ulrike Gewehr und ihr Sohn Kevin Kreuzberg (In Time Personal-Dienstleistungen GmbH & Co. KG), Moderator Axel Tillmanns, Maximilian Haupts, Florian Haupts und Marco Haupts (Claus Haupts GmbH).

„Ein Unternehmer ist erst dann erfolgreich gewesen, wenn er seine Nachfolge gesichert hat.“ Mit diesem Statement führte Heinz Schmidt, Vorsitzender des Regionalforums Mönchengladbach, die zahlreichen Gäste ins Thema der jüngsten Netzwerkveranstaltung ein. Sie stand unter dem Titel „Unternehmensnachfolge in der Familie – so gelingt der Generationenwechsel“. Dazu hatte die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein in die WineBank Niederrhein von Bernd Nießen eingeladen.

Laut Schmidt ist die Nachfolgeentscheidung die wichtigste Entscheidung im Leben eines Unternehmers beziehungsweise einer Unternehmerin – und sie gelinge nicht von heute auf morgen. Schmidt weiß, wovon er spricht. Er hat im vergangenen Jahr die Geschäftsführung der Heinrich Schmidt GmbH & Co. KG an seinen Sohn und seine Tochter übergeben. „Für diesen Prozess habe ich insgesamt fünf Jahre gebraucht“, erklärte er. „Wir hatten einen Anwalt für alle drei Parteien und nach jeder gemeinsamen Sitzung gab es ein Protokoll, das meine Tochter, mein Sohn und ich unterzeichnet haben.“ Somit sei alles offen kommuniziert und abgestimmt worden, „damit es im Nachhinein keinen Ärger gibt“.

IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz erläuterte in seiner Begrüßung, warum das Thema Nachfolge für Mönchengladbach eine besondere Bedeutung hat. „Unsere Wirtschaftsstruktur ist geprägt von mittelständischen und familiengeführten Unternehmen. Sie schaffen Beschäftigung, investieren vor Ort, übernehmen gesellschaftliche Verantwortung und engagieren sich für ihre Stadt.“ Beispiele für dieses Engagement seien der städtebauliche Masterplan und der Wissens- und Innovationscampus. „Wenn eine Nachfolge gelingt, bleibt Wertschöpfung in der Region.“ Wenn sie scheitere, gingen häufig Know-how, Arbeitsplätze und unternehmerische Tradition verloren.

„Deshalb ist die Unternehmensnachfolge eine zentrale Zukunftsfrage für den Wirtschaftsstandort Mönchengladbach, den gesamten Mittleren Niederrhein – und damit auch für die IHK“, betonte Steinmetz und verwies auf die Unterstützung der IHK: „Wir bieten individuelle Beratungen für Menschen, die ihr Unternehmen übergeben wollen, sowie für potenzielle Nachfolgerinnen und Nachfolger an. Unser Ziel ist es, möglichst viele erfolgreiche Unternehmensübergaben zu ermöglichen und damit die Zukunftsfähigkeit unserer regionalen Wirtschaft zu sichern.“

Neben Heinz Schmidt berichteten Ulrike Gewehr und ihr Sohn Kevin Kreuzberg (In Time Personal-Dienstleistungen GmbH & Co. KG), Marco Haupts und seine Söhne Maximilian und Florian (Claus Haupts GmbH) sowie Marco Werschbröcker (IVT Veranstaltungstechnik) über ihre Erfahrungen. „Die Chance, ein Familienunternehmen fortzuführen, hat nicht jeder. Die sollte man nutzen“, sagte Maximilian Haupts. Er ist nach seiner Ausbildung und einem Job in einem anderen Unternehmen 2019 in den elterlichen Betrieb eingestiegen, hat sich dort vor allem in der für ein Reisebus-Unternehmen schweren Corona-Zeit bewiesen und ist inzwischen Teil der Geschäftsführung. Sein Bruder Florian ist erst vor zwei Jahren nach verschiedenen beruflichen Stationen dazugestoßen. „Die Jungs im Unternehmen zu haben macht Spaß und erfüllt mich mit Stolz“, sagte Marco Haupts. „Ich habe jetzt keinen Druck mehr. Man muss die Jungs Entscheidungen treffen lassen. Ich versuche nur noch, mich bei großen Entscheidungen einzubringen. Aber immer die schützende Hand drüber zu halten, ist nicht förderlich.“

Zurückhaltung übt auch Ulrike Gewehr. Sie hat 50 Prozent ihres Personaldienstleitungs-Unternehmens an ihren Sohn übergeben und fungiert als geschäftsführende Gesellschafterin nur noch im Hintergrund. „Ich hole in der Firma allenfalls mal Kopierpapier“, berichtete sie. Ansonsten lasse sie ihren Sohn in Ruhe und unterstütze ihn nur, wenn er auf sie zukomme. Die Nachfolgefrage habe sie „mit kühlem Kopf und heißem Herzen“ behandelt. „Entweder übergebe ich an meinen Sohn oder verkaufe das Unternehmen“, habe sie sich gesagt. Und so habe sich alles einfach entwickelt. Kevin sei Prokurist in der Firma gewesen „und irgendwann war es uns beiden klar“. Wichtig sei, „ehrlich miteinander zu reden – über Chancen, Risiken und Verantwortung“. Dabei habe es auch bisweilen unangenehme Diskussionen gegeben. „Schließlich geht es um ein Lebenswerk, um Mitarbeitende und Finanzen“, sagte Kevin Kreuzberg. Er empfinde es als großes Privileg, das Lebenswerk seiner Mutter fortführen zu können, und verstehe nun viele Dinge besser, die seine Mutter früher umgetrieben haben.

Ganz andere Erfahrungen musste Marco Werschbröcker mit seinem Krefelder Unternehmen IVT Veranstaltungstechnik machen, das er zwei Jahre nach seiner dortigen Ausbildung übernommen hat. Ein Jahr lange wurde er danach noch vom Ex-Chef begleitet. „Die Lernkurve war schon steil“, berichtete er. Im Rückblick sei das Unternehmen zu schnell gewachsen – von acht Mitarbeitenden bei der Übernahme auf 19 Mitte 2025. „Im Juli musste ich einen Insolvenzantrag stellen. Aber jetzt sind wir auf einem guten Weg, alles neu zu sortieren.“ Sein Fazit: „Am Ende hätte ich mir doch eine längere Begleitung gewünscht.“

Einig sind sich die Familien Haupts und Gewehr in Sachen „Privatleben“: „Es wird zuhause fast nichts über die Firma erzählt“, sagte Marco Haupts. Und Ulrike Gewehr ergänzte: „Man muss ganz klare Regeln festlegen. Schließlich ist man ja auch eine Familie und die möchte ich schützen.“

Die IHK begleitet Unternehmerinnen und Unternehmer in allen Phasen des Nachfolgeprozesses. Weitere Informationen gibt es auf der Website: www.mittlerer-niederrhein.ihk.de/P172

Die IHK-Regionalforen richten sich an Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich über aktuelle Entwicklungen in ihrer Region informieren und in den Austausch treten möchten. Die Teilnahme ist kostenlos. Interessierte können sich unverbindlich registrieren: www.mittlerer-niederrhein.ihk.de/P12

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