Revierbahn auch für den Güterverkehr nutzen
Sie ist ein Schlüsselprojekt des Strukturwandels im Rheinischen Revier und hat das Potenzial, die Anbindung wichtiger Wirtschaftsstandorte deutlich zu verbessern und das Schienennetzes zu stärken: die Revierbahn, die geplante neue Ost-West-Achse zwischen Rheinschiene und Städteregion Aachen. Im Vorfeld der Entscheidung über die Trassenführung des West-Teils der Revierbahn im Rahmen der Verbandsversammlung von go.Rheinland hat sich die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein mit einem Schreiben an NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer, NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur und weitere Entscheidungsträger gewandt. Darin spricht sich die IHK für die sogenannten schnellen Varianten mit einer eher geradlinigen und somit auch für den Güterverkehr geeigneten Trassenführung und gegen die sogenannten regionalen Trassen, die sich aufgrund einer kurvenreichen Führung nicht für den Güterverkehr eignen, aus.
„Eine schnelle Trasse ist für die Wirtschaft entscheidend“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. „Wir müssen jetzt die Weichen richtig stellen. Die Wirtschaft braucht eine Revierbahn, die auch als Güteverkehrsachse dient. Diese einmalige Chance muss genutzt werden.“ Im Schienengüterverkehr besteht erheblicher Handlungsbedarf: Zentrale Schienenkorridore im Rheinland stoßen bereits heute an ihre Belastungsgrenzen. „Gleichzeitig werden die Güterverkehrsmengen und die Seehafenhinterlandverkehre weiter zunehmen. Die politisch angestrebte Verlagerung von Güterverkehren auf die Schiene kann nur gelingen, wenn hierfür ausreichende, zuverlässige und miteinander verknüpfte Infrastrukturkapazitäten bereitstehen“, heißt es in dem IHK-Schreiben. Aus Sicht der Industrie- und Handelskammer könnte eine güterverkehrstaugliche Revierbahn überlastete Strecken entlasten, zusätzliche Routenoptionen eröffnen und die Anbindung des Rheinlandes an die ZARA-Häfen – insbesondere Richtung Antwerpen – über Aachen stärken.
Aus Sicht der IHK darf die Revierbahn nicht auf eine reine Nahverkehrsfunktion reduziert werden. Ziel sollte vielmehr eine leistungsfähige Schienenverbindung sein, die sowohl den Personenverkehr stärkt als auch zusätzliche Kapazitäten für den Güterverkehr schafft. Nur so kann das Projekt seinen vollen Nutzen für Wirtschaft, Beschäftigte und die gesamte Region entfalten. Die Güterverkehrstauglichkeit der Trasse müsse deshalb bereits im laufenden Planungsverfahren verbindlich gesichert werden, so die IHK. Die Variantenentscheidung sollte eine möglichst direkte Linienführung ohne betrieblich nachteilige Richtungswechsel gewährleisten und die Anforderungen des Güterverkehrs von Beginn an berücksichtigen. „Dazu gehören insbesondere ein durchgehend zweigleisiger und elektrifizierter Ausbaustandard, ausreichende Achs- und Meterlasten, geeignete Lichtraumprofile sowie hinreichende Nutzlängen und Überholmöglichkeiten“, heißt es in dem IHK-Schreiben weiter. „Abhängig von der gewählten Trassenführung könnte eine spätere Nachrüstung technisch und wirtschaftlich kaum noch möglich oder sogar dauerhaft ausgeschlossen sein.“
Zusätzliche Bedeutung bekommt das Projekt Revierbahn durch die Entscheidung der Landesregierung, das Rheinische Revier als europäisches Net Zero Valley zu entwickeln. Auf den hierfür vorgesehenen und perspektivisch hinzukommenden Wirtschaftsflächen sollen Zukunftstechnologien nicht nur erforscht, sondern auch produziert werden. Daraus ergeben sich neue Anforderungen an die Versorgung mit Rohstoffen und Vorprodukten sowie an den Abtransport fertiger Erzeugnisse. „Leistungsfähige, klimafreundliche und resiliente Logistikketten sind daher eine wesentliche Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg des Net Zero Valley. Eine güterverkehrstaugliche Revierbahn kann dafür eine wichtige infrastrukturelle Grundlage schaffen und die schienenseitige Anbindung neuer Industrie- und Gewerbestandorte ermöglichen“, so die IHK.
„Infrastruktur wird für Generationen gebaut. Die jetzt anstehenden Entscheidungen sollten deshalb nicht allein unter lokalen Gesichtspunkten betrachtet werden, sondern im Interesse des gesamten Rheinlandes“, appelliert Steinmetz. „Die Revierbahn kann wesentlich dazu beitragen, dass der Strukturwandel eine Erfolgs-Story wird, künftig mehr Verkehr auf die Schiene verlagert wird und die Region insgesamt prosperiert. Dies Chancen dürfen wir nicht verspielen.“
Ansprechpartner zum Thema
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Referent für Verkehr, Infrastruktur und Mobilität
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