Wirtschaft hofft auf Stabilität im USA-Geschäft
Nach dem deutlichen Sieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen hofft die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein, dass sich die Handelsbeziehungen mit den USA stabilisieren. Allerdings bedeutet der Gewinn beider Kammern des Kongresses durch die Demokraten noch keine Entwarnung für die exportorientierte Wirtschaft am Niederrhein. Denn US-Präsident Donald Trump hat weiterhin weitreichende Möglichkeiten, seine Handelspolitik auch ohne Zustimmung des Kongresses durchzusetzen.
„Neue Mehrheiten im Kongress bedeuten für unsere Unternehmen noch keine neue Planungssicherheit“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. „Entscheidend ist, dass die Handelsbeziehungen mit den USA wieder verlässlicher werden. Unsere Exporteure brauchen Stabilität statt immer neuer Überraschungen bei den Zöllen.“
Dass die regionale Wirtschaft bereits erheblich unter der US-Handelspolitik leidet, hatte eine Blitzumfrage der IHK im August 2025 unter rund 100 außenhandelsaktiven Unternehmen gezeigt. Knapp 84 Prozent der befragten Betriebe mit USA-Geschäft berichteten damals von negativen Auswirkungen. 42 Prozent der Unternehmen mit USA-Geschäft gingen davon aus, dass sie künftig weniger Handel mit den Vereinigten Staaten treiben würden. Für den Mittleren Niederrhein sind diese Entwicklungen besonders problematisch. Die Region ist mit einer Exportquote von mehr als 50 Prozent in der Industrie überdurchschnittlich exportorientiert. Bei der jüngsten Konjunkturumfrage nannten knapp 30 Prozent der exportierenden Industrieunternehmen in der Region Nordamerika als eines ihrer wichtigsten Exportziele. Die USA rangieren auf Platz drei der wichtigsten Exportzielländer der nordrhein-westfälischen Wirtschaft.
Ob das Ergebnis der Zwischenwahlen zu einer Veränderung der amerikanischen Handelspolitik führt, ist offen. Auch ohne die Mehrheit im Kongress kann Trump handelspolitische Maßnahmen weitgehend eigenständig durchsetzen. Hinzu kommt das Risiko politischer Blockaden, etwa bei den US-Haushaltsverhandlungen. Eine grundlegende Rückkehr der USA zum Freihandel gilt auch unter den neuen Mehrheitsverhältnissen als unwahrscheinlich.
Angesichts dieser Unsicherheiten hält es die IHK für umso wichtiger, die Handelsbeziehungen mit anderen Weltregionen auszubauen und die Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Standorts zu stärken. Neue Chancen bieten insbesondere die Handelspartnerschaften der EU mit Indien und den südamerikanischen Mercosur-Staaten.
„Wir sollten uns nicht darauf verlassen, dass sich die Rahmenbedingungen in den USA verbessern“, betont Steinmetz. „Europa muss zusätzliche Märkte erschließen. Gleichzeitig müssen wir unsere Unternehmen hierzulande von hohen Kosten und überbordender Bürokratie entlasten. Das sind Stellschrauben, die wir selbst in der Hand haben.
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