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Brüggen 2026

In dieser Studie werden die Merkmale der Burggemeinde Brüggen als Wirtschaftsstandort systematisch untersucht. Dabei werden zunächst sowohl die Branchenstrukturen als auch ihre Entwicklungen analysiert. Zudem werden verschiedene wirtschaftliche Kennzahlen herangezogen, um Brüggen mit ähnlich großen und ähnlich strukturierten Kommunen am Mittleren Niederrhein und in Nordrhein-Westfalen zu vergleichen. Dies ermöglicht es, die Position von Brüggen als Wirtschaftsstandort im Wettbewerb anhand verschiedener Indikatoren zu bewerten. Die Ergebnisse der Standortbefragung von Unternehmen in Brüggen bilden den Kern der Analyse. Knapp 160 Unternehmen mit rund 2.400 Mitarbeitenden haben verschiedene Standortfaktoren hinsichtlich ihrer Bedeutung und Qualität bewertet.

Ziel der Analyse ist es, die Stärken und Schwächen des Wirtschaftsstandorts Brüggen herauszuarbeiten, seine Position im regionalen Standortwettbewerb zu bestimmen und Ansatzpunkte für eine zukunftsorientierte Wirtschafts- und Standortpolitik zu identifizieren, um den Standort zu stärken. Die wirtschaftspolitischen Handlungsempfehlungen, die aus den Ergebnissen abgeleitet werden, bilden den Abschluss dieser Analyse.

1. Wirtschaft in Brüggen

Wirtschaft

Beschäftigungsentwicklung seit 1999

1999 bis 2025 / 1999 = 100

Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit / eigene Berechnungen, Hier zur barrierefreien Version

In der Burggemeinde Brüggen waren zum Stichtag 30.06.2025 insgesamt 5.200 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort tätig. Im Jahr 1999 lag die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten noch bei 3.155 Personen. Damit ist die Beschäftigung in Brüggen seit 1999 um 64,8 Prozent gewachsen.

Zum Vergleich: In Nordrhein-Westfalen erhöhte sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im gleichen Zeitraum von 5.789.767 auf 7.350.231 Personen, was einem Zuwachs von 27,0 Prozent entspricht. Im Kreis Viersen stieg die Beschäftigung um 18,5 Prozent.

Die langfristige Betrachtung zeigt damit, dass Brüggen über einen Zeitraum von gut 25 Jahren eine deutlich dynamischere Beschäftigungsentwicklung verzeichnet hat als das Land Nordrhein-Westfalen und der Kreis Viersen – wenngleich der starke Anstieg einem niedrigen Niveau entspringt.

Auch der mittelfristige Trend seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 bestätigt dieses Bild: Seit dem Jahr 2009 hat die Beschäftigung in Brüggen nahezu kontinuierlich zugenommen. Lediglich im Jahr 2022 ist im Zuge der multiplen Krisen (Pandemie, Beginn des Ukrainekriegs und Energiekrise) ein vorübergehender Rückgang zu beobachten, bevor die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten wieder ansteigt und im Jahr 2024 einen neuen Höchststand erreicht. Im Jahr 2025 ist allerdings eine leichte Abnahme der Beschäftigung zu beobachten. Auch in Brüggen spürt man die Belastung der Unternehmen durch die verschlechterte Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland insgesamt und die von Unsicherheiten geprägte Weltpolitik.

Wirtschaftsstrukturen

Beschäftigungsanteile 2025 in Prozent

Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit / eigene Berechnungen, Hier zur barrierefreien Version

In der Land- und Forstwirtschaft sind in Brüggen 193 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte tätig, was einem Anteil von 3,7 Prozent an der Gesamtbeschäftigung entspricht. Dieser Anteil liegt über dem Landeswert (0,5 Prozent) und dem des Kreises (2,1 Prozent).

Beschäftigungsentwicklung: Produzierendes Gewerbe

2015 bis 2025 / 2015 = 100

Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit / eigene Berechnungen, Hier zur barrierefreien Version

Die Analyse der Beschäftigtenstruktur in Brüggen zeigt eine stark industriell geprägte Wirtschaftsstruktur. Von den insgesamt 5.200 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten entfallen 2.233 Personen auf das Produzierende Gewerbe. Dies entspricht einem Anteil von 42,9 Prozent an der Gesamtbeschäftigung. Damit liegt der Anteil des Produzierenden Gewerbes in Brüggen deutlich über dem Wert für Nordrhein-Westfalen, wo im Jahr 2025 rund 24,5 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in diesem Bereich tätig waren, und auch über dem Kreis Viersen mit etwa 27,1 Prozent. Die Beschäftigtenzahl in diesem Sektor in Brüggen ist seit 2015 um 7,7 Prozent gestiegen. Das Wachstum ist höher als im Land und im Kreis. Allerdings ist das Wachstum der Baubranche zuzuschreiben. Hier lag die Zahl der Beschäftigten knapp 40 Prozent über dem Wert von 2015. Das Verarbeitende Gewerbe verzeichnet in Brüggen einen leichten Beschäftigungsrückgang, der allerdings geringer als im Land und im Kreis ausfällt.

Beschäftigungsentwicklung: Handel und Dienstleistungen

2015 bis 2025 / 2015 = 100

Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit / eigene Berechnungen, Hier zur barrierefreien Version

Der Dienstleistungssektor ist in Brüggen weniger dominant als im Landes- und Kreisvergleich. Im Bereich Handel, Gastgewerbe und Verkehr arbeiten 928 Beschäftigte, was einem Anteil von 17,8 Prozent entspricht. Auf die sonstigen Dienstleistungen – hierzu zählen insbesondere unternehmens-, personenbezogene sowie soziale und kulturelle Dienstleistungen – entfallen 1.846 Beschäftigte und damit 35,5 Prozent der Gesamtbeschäftigung. Zusammengenommen sind im Handel sowie im Dienstleistungssektor somit 2.774 Personen tätig. Der summierte Anteil der distributiven (Handel, Gastgewerbe und Verkehr) und sonstigen Dienstleistungen an der Gesamtbeschäftigung liegt bei 53,3 Prozent. Im Bundesland Nordrhein-Westfalen liegt der entsprechende Wert bei 75,0 Prozent, im Kreis bei 70,7 Prozent. Die Bedeutung der Branche in Brüggen wächst. Die Beschäftigung im Handel und im Dienstleistungssektor insgesamt ist in den vergangenen zehn Jahren in Brüggen stärker gewachsen (31,8 Prozent) als im Land Nordrhein-Westfalen (20,0 Prozent) und im Kreis Viersen (19,6 Prozent).

Detailstrukturen

Die Analyse der Detailstrukturen wird durch die Datenverfügbarkeit erschwert. Für einige Branchen liegen aus Geheimhaltungsgründen keine konkreten Beschäftigtendaten vor. Dennoch lassen sich anhand der Daten einige Merkmale des Standorts Brüggen herausarbeiten.

Land- und Forstwirtschaft in Brüggen deutlich überdurchschnittlich stark

Der Bereich Land- und Forstwirtschaft ist in Brüggen überdurchschnittlich stark vertreten. Der Lokalisationsquotient (LQ) für Brüggen beträgt 7,7 und zeigt damit an, dass der Anteil der Land- und Forstwirtschaft an der Gesamtbeschäftigung mehr als siebenmal so hoch ist wie im Landesdurchschnitt. Zwischen 2015 und 2025 ist die Beschäftigung in dieser Branche in Brüggen um 32,2 Prozent gestiegen, während sie in Nordrhein-Westfalen um 10,4 Prozent und im Kreis Viersen um 11,5 Prozent zugenommen hat.

Brüggen ist ein industriell geprägter Standort

Das Verarbeitende Gewerbe bildet einen großen Beschäftigungsanteil in Brüggen. In diesem Bereich arbeiten 1.624 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Der Lokalisationsquotient von 1,8 weist auf eine klar überdurchschnittliche industrielle Prägung des Standorts hin. Zwischen 2015 und 2025 ist die Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe in Brüggen leicht um 1,6 Prozent zurückgegangen. Damit schneidet Brüggen jedoch besser ab als Nordrhein-Westfalen, wo die Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe im gleichen Zeitraum um 4,6 Prozent sank, und auch besser als der Kreis Viersen mit einem Rückgang von 8,2 Prozent. Besonders stark vertreten ist die Herstellung von chemischen Erzeugnissen (LQ: 3,6). Nicht für alle Industriezweige stehen detaillierte Daten zur Verfügung. So existieren etwa in der Druckindustrie oder bei den Herstellern von Ziegeln einzelne mitarbeiterstarke Unternehmen.

Knapp 10 Prozent der Beschäftigten arbeiten im Baugewerbe

Das Baugewerbe hat in Brüggen eine deutlich überdurchschnittliche Bedeutung. Zum Stichtag 30.06.2025 waren hier 497 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte tätig. Das entspricht einem Anteil von 9,6 Prozent an allen Beschäftigten. In Nordrhein-Westfalen liegt der Beschäftigtenanteil des Baugewerbes bei 5,2 Prozent, im Kreis Viersen bei 7,1 Prozent. Der Lokalisationsquotient von 1,8 zeigt, dass das Baugewerbe in Brüggen einen fast doppelt so hohen Anteil hat wie im Land NRW. Zwischen 2015 und 2025 stieg die Beschäftigung im Baugewerbe in Brüggen um 39,6 Prozent und damit deutlich stärker als in Nordrhein-Westfalen mit 22,3 Prozent und im Kreis Viersen mit 30,6 Prozent. Das Baugewerbe trägt somit in besonderer Weise zum Beschäftigungswachstum in Brüggen bei. Besonders hervor stechen die vorbereitenden Baustellenarbeiten, die Bauinstallation und das sonstige Ausbaugewerbe. In dieser Branche ist der Anteil an der Gesamtbeschäftigung sogar mehr als doppelt so hoch.

Handel in Brüggen leicht überdurchschnittlich vertreten

Im Handel insgesamt – einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen – arbeiten in Brüggen 766 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Das entspricht einem Anteil von 14,7 Prozent an allen Beschäftigten. In Nordrhein-Westfalen liegt der Handelsanteil bei 13,9 Prozent. Mit einem Lokalisationsquotienten von 1,1 ist der Handel in Brüggen im Vergleich zum Landesdurchschnitt damit leicht überdurchschnittlich vertreten. Im Vergleich zum Kreis jedoch etwas schwächer ausgeprägt. Hier liegt der entsprechende Wert bei 19,1 Prozent. Zwischen 2015 und 2025 nahm die Beschäftigung im Handel in Brüggen um 23,5 Prozent zu. Damit fällt das Wachstum deutlich stärker aus als in Nordrhein-Westfalen mit 9,3 Prozent und im Kreis Viersen mit 9,0 Prozent.

Der Handel gliedert sich in drei Teilbereiche: den Handel mit Kraftfahrzeugen, den Großhandel sowie den Einzelhandel. Im Handel mit Kraftfahrzeugen und der Instandhaltung von Kraftfahrzeugen sind 68 Personen beschäftigt, das sind 1,3 Prozent aller Beschäftigten. Der Lokalisationsquotient liegt hier mit 0,7 unter dem Landesdurchschnitt. Zwischen 2015 und 2025 ist die Beschäftigung in diesem Bereich in Brüggen um 9,7 Prozent gestiegen und liegt damit unter dem Wachstum in Nordrhein-Westfalen (12,5 Prozent) und im Kreis Viersen (19,5 Prozent).

Im Großhandel sind 276 Beschäftigte tätig, was einem Anteil von 5,3 Prozent entspricht. Der Lokalisationsquotient beträgt 1,1 und weist damit auf eine leicht überdurchschnittliche Bedeutung des Großhandels im Vergleich zum Land hin. Zwischen 2015 und 2025 ist die Beschäftigung in diesem Bereich in Brüggen um 6,4 Prozent zurückgegangen, während sie in Nordrhein-Westfalen um 8,8 Prozent gestiegen ist und im Kreis Viersen um 0,9 Prozent zurückgegangen ist.

Der Einzelhandel stellt mit 422 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und einem Anteil von 8,1 Prozent den größten Teilbereich des Handels in Brüggen dar. Der Lokalisationsquotient von 1,1 zeigt, dass der Einzelhandel in Brüggen stärker vertreten ist als im Landesdurchschnitt. Besonders auffällig ist die Beschäftigungsentwicklung: Zwischen 2015 und 2025 stieg die Zahl der Beschäftigten im Einzelhandel in Brüggen um 60,5 Prozent. Damit liegt das Wachstum deutlich über dem Plus in Nordrhein-Westfalen (8,9 Prozent) und im Kreis Viersen (17,9 Prozent). Dies hängt auch mit der attraktiven Innenstadt der Burggemeinde zusammen, die viele Touristen anzieht.

Verkehrs- und Lagereiwirtschaft mit unterdurchschnittlicher Bedeutung

Im Bereich Verkehr und Lagerei arbeiten in Brüggen 1,4 Prozent aller Beschäftigten. Damit ist die Branche im Vergleich zu Nordrhein-Westfalen mit einem Beschäftigtenanteil von 5,7 Prozent und zum Kreis Viersen mit 5,2 Prozent deutlich unterrepräsentiert. Andere Standorte am Mittleren Niederrhein sind aufgrund ihrer Autobahnnähe prädestinierter für die Logistikbranche als der Wirtschaftsstandort Brüggen. Der Lokalisationsquotient liegt bei 0,2. Zwischen 2015 und 2025 ist die Beschäftigung in der Verkehrs- und Lagerwirtschaft in Brüggen um 31,8 Prozent zurückgegangen, während sie in Nordrhein-Westfalen und im Kreis Viersen zugenommen hat.

Gastgewerbe mit rückläufiger Beschäftigung

Im Gastgewerbe sind am Arbeitsort Brüggen 1,7 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten tätig. In Nordrhein-Westfalen liegt der Anteil des Gastgewerbes bei 2,6 Prozent, im Kreis Viersen bei 2,2 Prozent. Mit einem Lokalisationsquotienten von 0,7 ist das Gastgewerbe in Brüggen unterdurchschnittlich vertreten. Zwischen 2015 und 2025 ging die Beschäftigung im Gastgewerbe in Brüggen um 10,1 Prozent zurück. Im gleichen Zeitraum stieg sie in Nordrhein-Westfalen um 16,7 Prozent und im Kreis Viersen um 9,2 Prozent. Die touristische Bedeutung der Burggemeinde spiegelt sich derzeit also nicht in einem überdurchschnittlichen Beschäftigungsniveau im Gastgewerbe wider.

Unternehmensnahe und sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen

Die unternehmensnahen und sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen sind in Brüggen insgesamt schwächer vertreten als im Landesdurchschnitt, weisen aber zum Teil hohe Wachstumsraten auf. Die Lokalisationsquotienten der Branchen liegen bei maximal 0,6. Den größten Beschäftigungsanteil macht in Brüggen die Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen mit 3,4 Prozent aus. Das Wachstum dieser Branche seit 2015 beträgt 71,6 Prozent. Dies hängt auch mit Neuansiedlungen – etwa aus der Architekturbranche – zusammen. 

Leicht unterdurchschnittliche Bedeutung des Gesundheits- und Sozialwesens

Im Gesundheits- und Sozialwesen arbeiten in Brüggen 823 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Dies entspricht einem Anteil von 15,8 Prozent an der Gesamtbeschäftigung. In Nordrhein-Westfalen liegt der Anteil des Gesundheits- und Sozialwesens bei 17,5 Prozent, im Kreis Viersen bei 18,3 Prozent. Mit einem Lokalisationsquotienten von 0,9 ist das Gesundheits- und Sozialwesen in Brüggen somit leicht unterdurchschnittlich vertreten. Gleichzeitig weist die Branche eine sehr dynamische Entwicklung auf: Zwischen 2015 und 2025 ist die Beschäftigung in diesem Bereich in Brüggen um 54,4 Prozent gestiegen und damit stärker als im Kreis und im Land. Das Gesundheits- und Sozialwesen gewinnt damit trotz des geringeren Ausgangsniveaus zunehmend an Bedeutung für den Arbeitsmarkt in Brüggen.

Volkswirtschaftliche Kennzahlen im Vergleich

Die einzelnen Wirtschaftsstandorte stehen in einem stetigen Wettbewerb um Investoren, Unternehmen und damit auch um Arbeitsplätze. Anhand von regionalwirtschaftlich relevanten Indikatoren wird im folgenden Kapitel überprüft, welche Position Brüggen im Vergleich mit anderen Standorten einnimmt. Dabei wird Brüggen zunächst mit Städten der Region Mittlerer Niederrhein verglichen, die eine ähnliche Größe aufweisen – dies sind die Kommunen Grefrath, Jüchen, Niederkrüchten, Rommerskirchen und Schwalmtal. Diese Kommunen haben zwischen 14.000 und 24.000 Einwohner. Zusätzlich werden die Durchschnittswerte des Kreises Viersen und des Landes NRW für die Einordnung der Brüggener Werte herangezogen.

Arbeitslosenzahlen und Entwicklung

Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit / eigene Berechnungen, Hier zur barrierefreien Version

Die langfristige Entwicklung der Arbeitslosenzahlen zeigt für Brüggen insgesamt ein positives Bild. Im Jahr 2015 waren 527 Personen arbeitslos, im Jahr 2020 reduzierte sich diese Zahl auf 447. Für das Jahr 2025 liegt der Wert bei rund 463 Personen. Der Anteil der Arbeitslosen an der erwerbsfähigen Bevölkerung beträgt 4,6 Prozent und bewegt sich damit im Schnitt der Vergleichskommunen. Im Kreisgebiet und in NRW liegt der vergleichbare Wert darüber.

Kaufkraft und Zentralität

Kaufkraftkennziffer je Einwohner 2025 und Zentralitätskennziffer 2025 / Deutschland = 100

Quelle: MB-Research, Hier zur barrierefreien Version

Mit einem Wert von 101,8 Punkten liegt die einzelhandelsrelevante Kaufkraft in Brüggen leicht über dem bundesdeutschen Durchschnitt von 100 Punkten und ebenso über dem Durchschnitt des Landes Nordrhein-Westfalen mit 98,4 Punkten sowie dem Durchschnitt des Kreises Viersen mit 100,9 Punkten. Von den Vergleichskommunen erreichen Jüchen (102,2), Niederkrüchten (102,1) und Rommerskirchen (106,9) höhere Werte. Grefrath (99,7) und Schwalmtal (101,7) liegen dagegen unter beziehungsweise knapp unter dem Brüggener Niveau. In Brüggen entspricht die Kaufkraft damit weitgehend dem Durchschnitt der Vergleichskommunen.

Die Zentralitätskennziffer zeigt an, welcher Anteil der vorhandenen Kaufkraft tatsächlich am Ort gebunden wird. Ein Wert von über 100 Punkten signalisiert einen Zufluss fremder Kaufkraft, ein Wert unter 100 Punkten weist auf einen Abfluss in andere Kommunen hin. Brüggen erreicht eine Zentralität von 98,1 Punkten. Dies bedeutet zwar, dass ein Teil der Kaufkraft in umliegende Zentren abfließt, zugleich liegt die Bindung der Kaufkraft jedoch deutlich über dem Durchschnitt des Kreises Viersen mit 92,5 Punkten und nur leicht unter dem Wert Nordrhein-Westfalens mit 101,3 Punkten. Im Vergleich mit den übrigen betrachteten Kommunen sticht Brüggen besonders hervor: Grefrath (77,2), Jüchen (75,4), Niederkrüchten (76,6), Rommerskirchen (75,6) und Schwalmtal (86,8) weisen allesamt geringere Zentralitätswerte auf. Zu berücksichtigen ist dabei, dass der örtliche Einzelhandel in Brüggen sonntags geöffnet hat und die Gemeinde als Tourismusstandort über zusätzliche Besucherströme verfügt, was die Zentralität verglichen zu den Nachbarkommunen verbessert. Insgesamt deutet der verbleibende leichte Kaufkraftabfluss jedoch darauf hin, dass aus der guten Lage Brüggens als Einkaufs- und Tourismusstandort noch weiteres Potenzial für den lokalen Einzelhandel erschlossen werden kann.

Da im Hinblick auf eine Beurteilung der Steuereinnahmen und der Verschuldung weitere strukturelle Faktoren wichtig sind, um Brüggen mit anderen Kommunen zu vergleichen, werden bei diesem Vergleich zusätzlich noch entsprechende Vergleichskommunen hinzugezogen, die durch eine Analyse des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung als Vergleichskommunen identifiziert worden sind. Diese ähneln Brüggen zum Beispiel in Bezug auf ihre Größe und die Aufgabengebiete, die die Kommune erfüllen muss.

Steuereinnahmekraft und Realsteueraufbringungskraft

Die Steuereinnahmekraft in Brüggen lag im Jahr 2024 bei 1.663,76 Euro je Einwohner. Sie liegt damit über dem Wert des Kreises Viersen und deutlich über dem Durchschnitt der Vergleichskommunen am Mittleren Niederrhein, bleibt jedoch sowohl hinter dem Landesdurchschnitt in Nordrhein-Westfalen als auch leicht hinter dem Mittelwert der Vergleichskommunen aus Nordrhein-Westfalen zurück.

Die Realsteueraufbringungskraft der Gewerbesteuer je Einwohner lag in Brüggen im Jahr 2024 bei 841,41 Euro je Einwohner. Der Wert ist damit geringer als im Land Nordrhein-Westfalen mit 941,62 Euro je Einwohner und liegt auch leicht unter dem Durchschnitt der Vergleichskommunen in Nordrhein-Westfalen von 863,00 Euro je Einwohner. Gleichzeitig ist die Realsteueraufbringungskraft in Brüggen jedoch höher als im Kreis Viersen mit 764,78 Euro je Einwohner und deutlich höher als der Durchschnitt der vergleichbaren Kommunen am Mittleren Niederrhein, der bei 415,02 Euro je Einwohner liegt. Das zeigt, dass Brüggen innerhalb der kleineren Kommunen in der Region die steuerstärksten Betriebe hat. Dies hängt sicherlich auch mit der Standortqualität zusammen.

Die Steuereinnahmekraft hat sich in Brüggen zwischen 2019 und 2024 um 35,8 Prozent gesteigert. Im Kreis Viersen, im Land Nordrhein-Westfalen, in den Vergleichskommunen am Mittleren Niederrhein und den Vergleichskommunen im Land fielen die Zuwächse insgesamt geringer aus und lagen bei 9,6 bis 25,9 Prozent.
Die Steuereinnahmekraft zeigt bereits seit 2016 einen klaren Aufwärtstrend. Ausgehend von 991,51 Euro je Einwohner im Jahr 2016 steigt sie bis 2019 nahezu kontinuierlich auf 1.225,42 Euro je Einwohner an. In den Jahren 2020 und 2021 kommt es zu einer leichten Abschwächung auf 1.161,84 Euro beziehungsweise 1.153,33 Euro je Einwohner, was mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie zusammenhängen dürfte. Ab 2022 setzt dann wieder ein kräftiger Zuwachs ein: Die Steuereinnahmekraft steigt auf 1.376,15 Euro im Jahr 2022, 1.496,02 Euro im Jahr 2023 und erreicht 2024 mit 1.663,76 Euro je Einwohner ihren bisherigen Höchststand. Insgesamt hat sich die Steuereinnahmekraft zwischen 2016 und 2024 um rund 68 Prozent erhöht.
Die Realsteueraufbringungskraft der Gewerbesteuer je Einwohner ist in Brüggen im gleichen Zeitraum sogar um 67,3 Prozent gewachsen. Auch hier übertrifft Brüggen die Entwicklung in Nordrhein-Westfalen, im Kreis Viersen und im Durchschnitt der Vergleichskommunen deutlich. Die Veränderungen lagen bei -5,1 bis 32,3 Prozent.
Die Entwicklung der Realsteueraufbringungskraft der Gewerbesteuer für Brüggen ist seit 2016 positiv – ausgenommen die Jahre 2020 und 2021 bedingt durch die Corona Pandemie. Gegenüber 2016 hat sich die Realsteueraufbringungskraft damit um rund 130 Prozent erhöht.

Verschuldung

Die öffentliche Verschuldung lag in Brüggen am 31.12.2024 mit 2.105,00 Euro je Einwohner in etwa auf dem Niveau des Kreises Viersen, der einen Wert von 2.101,33 Euro je Einwohner aufweist. Sie liegt damit unter dem Durchschnitt der Vergleichskommunen am Mittleren Niederrhein, die im Mittel 2.320,91 Euro je Einwohner erreichen, aber deutlich über dem Durchschnitt der vergleichbaren Kommunen aus Nordrhein-Westfalen mit 1.232,53 Euro je Einwohner. Die Bruttoverschuldung des Landes Nordrhein-Westfalen ist mit 4.118,19 Euro je Einwohner deutlich höher.

Die Kassenkredite im Kernhaushalt betragen in Brüggen 10,99 Euro je Einwohner. Damit liegt die Gemeinde deutlich unter dem Durchschnitt in Nordrhein-Westfalen (1.208,96 Euro je Einwohner), unter dem Durchschnitt des Kreises Viersen (212,82 Euro je Einwohner) sowie klar unter den Durchschnitten der Vergleichskommunen am Mittleren Niederrhein (618,09 Euro je Einwohner) und der vergleichbaren Kommunen aus Nordrhein-Westfalen (115,38 Euro je Einwohner).

Gewerbesteuerhebesatz

Der Gewerbesteuerhebesatz lag im Jahr 2025 in Brüggen mit 416 Punkten unter dem Durchschnitt in Nordrhein-Westfalen (472 Punkte) sowie unter dem Durchschnitt im Mittleren Niederrhein (465 Punkte), im Kreis Viersen (445 Punkte) und dem gewichteten Durchschnitt der Vergleichskommunen am Mittleren Niederrhein (444 Punkte) und in Nordrhein-Westfalen (435 Punkte). Zu berücksichtigen ist dabei, dass die Hebesätze in Nordrhein-Westfalen im Vergleich zu den übrigen Flächenländern insgesamt überdurchschnittlich hoch sind. Außerdem werden hier die Hebesätze von 2025 betrachtet, allerdings hat die Burggemeinde Brüggen ihren Gewerbesteuerhebesatz 2026 auf 421 Punkte erhöht. Mit dieser Erhöhung verändert die Burggemeinde nicht ihre Position im regionalen Vergleich. Jedoch sollte die Gemeinde bedenken, dass die bislang niedrigen Hebesätze ein entscheidender Vorteil im regionalen Standortwettbewerb sind und deshalb von weiteren Erhöhungen absehen.

Hebesatz Grundsteuer (B)

Die Burggemeinde Brüggen hat von der Möglichkeit einer Differenzierung des Hebesatzes für Wohn- und Nichtwohngrundstücke bei der Grundsteuer B Gebrauch gemacht. Der Grundsteuerhebesatz B für Nichtwohngrundstücke beträgt in Brüggen 701 Punkte. Er liegt damit deutlich unter dem Landesdurchschnitt von Nordrhein-Westfalen (909 Punkte) und etwas unter dem Durchschnitt im Mittleren Niederrhein (727 Punkte), aber über dem Durchschnitt im Kreis Viersen (667 Punkte) sowie über den gewichteten Durchschnitten der vergleichbaren Kommunen sowohl am Mittleren Niederrhein (610 Punkte) als auch in Nordrhein-Westfalen insgesamt (678 Punkte). Wie bereits im Vorjahr publiziert, bekräftigen wir weiterhin unsere Ablehnung differenzierter Grundsteuerhebesätze für Wohn- und Nichtwohngebäude. Ein aktuelles Urteil des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen bestätigt unsere Rechtsauffassung, dass dies mit der Steuergerechtigkeit nicht vereinbar sei. Hinzu kommt die für 2026 beschlossene deutliche Erhöhung des Grundsteuerhebesatzes B für Nichtwohngrundstücke auf 751 Punkte und für Wohngebäude auf 572 Punkte. Insbesondere der Einzelhandel wäre stark betroffen. Brüggen verfügt über einen funktionierenden Handel und einen attraktiven Ortskern – beides Standortstärken der Gemeinde. Da viele Händlerinnen und Händler ihre Geschäftsräume gemietet haben, werden höhere Grundsteuerbeträge in der Regel über die Miete an sie weitergegeben. Eine höhere Grundsteuer trifft den Einzelhandel gleich doppelt, denn steigende Mieten erhöhen zusätzlich die gewerbesteuerliche Hinzurechnung. Wir raten der Burggemeinde Brüggen weiterhin ihre Entscheidung zu überdenken und zu einem einheitlichen Hebesatz zurückzukehren.

2. Ergebnisse der Unternehmensbefragung

Befragung

Um die Stärken und Potenziale des Wirtschaftsstandorts Brüggen zu ermitteln, haben wir Ende 2025 / Anfang 2026 eine Unternehmensbefragung durchgeführt, bei der knapp 160 Betriebe geantwortet haben. Die antwortenden Unternehmen repräsentieren dabei mit mehr als 2.400 Angestellten etwa 45 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort Brüggen. Vertreten sind dabei Unternehmen aller Wirtschaftsbereiche.

Bei der Befragung bewerteten die Betriebe rund 40 Standortfaktoren unter zwei Gesichtspunkten: einmal hinsichtlich der Bedeutung (Wichtigkeit) für den eigenen Betrieb und einmal ihre Zufriedenheit mit dem jeweiligen Faktor. Die Bewertung wurde auf einer Schulnotenskala von 1 bis 6 vorgenommen, wobei 1 eine Bewertung von „sehr wichtig“ beziehungsweise „sehr zufrieden“ darstellt und 6 für „vollkommen unwichtig“ beziehungsweise „sehr unzufrieden“ steht.

Die Ergebnisse werden im Folgenden aufgegliedert in Kategorien:

  1. Harte Standortfaktoren
  2. Innerörtliche Standortfaktoren
  3. Kommunale Kosten und Leistungen
  4. Arbeitsmarktrelevante Standortfaktoren

Zur Einordnung der Ergebnisse werden die Zufriedenheitsbewertungen zusätzlich mit den Ergebnissen der vorherigen Standortbefragungen am Mittleren Niederrhein seit 2021 sowie mit den Ergebnissen der letzten Brüggener Befragung im Jahr 2021 verglichen.

Brüggen als Wirtschaftsstandort

Gesamtnote

  • 2026

    2,66

    Gesamtnote für Brüggen bei der aktuellen Befragung

  • 2,69

    Durchschnittsnote am Mittleren Niederrhein seit 2021

  • 2021

    2,51

    Gesamtnote für Brüggen bei der vergangenen Befragung

In der Befragung bewerteten die Unternehmerinnen und Unternehmer zunächst Brüggen allgemein als Wirtschaftsstandort. Hierbei erhielt Brüggen die Gesamtnote 2,66. Bei den bisherigen IHK-Standortanalysen am Mittleren Niederrhein seit 2021 lag die Durchschnittsnote bei 2,69. Brüggen schneidet damit geringfügig besser ab als der durchschnittliche Wirtschaftsstandort am Mittleren Niederrhein, jedoch schlechter als bei der letzten Standortanalyse im Jahr 2021, als eine Gesamtnote von 2,51 erreicht wurde.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich der Wirtschaftsstandort Deutschland insgesamt in einer strukturellen Krise befindet. Während konjunkturelle Schwankungen die kommunale Standortqualität nur begrenzt beeinflussen, kann sich auch Brüggen der sinkenden internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland nicht vollständig entziehen. Dies hängt unter anderem mit der Wirtschaftsstruktur zusammen: Die Analyse der Branchenstruktur zeigt, dass das Verarbeitende Gewerbe in Brüggen überdurchschnittlich stark vertreten ist. Gerade die Industrie ist in besonderem Maße auf stabile Rahmenbedingungen und internationale Wettbewerbsfähigkeit angewiesen.

Zufriedenheit nach Themenfeldern

auf einer Skala von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend)
Brüggen im Vergleich zum Durchschnitt im IHK-Bezirk Mittlerer Niederrhein

Quelle: IHK Mittlerer Niederrhein, Hier zur barrierefreien Version

Schaut man auf die Bewertungen der Themenfelder, zeigt sich, dass sich die insgesamt zufriedenstellende Bewertung der Unternehmen mit dem Standort Brüggen auch dort widerspiegelt. Die verschiedenen Standortfaktoren werden im Durchschnitt mit der Note 3,01 bewertet und damit besser als der Mittlere Niederrhein insgesamt, der auf eine Durchschnittsnote von 3,21 kommt.

Der Blick in die einzelnen Themenfelder zeigt, dass Brüggen aus Sicht der antwortenden Unternehmen nur bei den harten Faktoren leicht schlechter als der Mittlere Niederrhein (MNR) beurteilt wird (Brüggen: 3,23, MNR: 3,18). In allen anderen Bereichen schneidet Brüggen hingegen besser ab. Besonders deutlich fällt der Vorsprung bei den Innenstadtfaktoren aus, die mit 2,57 bewertet werden und damit fast eine halbe Note besser als der Mittlere Niederrhein (3,04) ausfallen. Auch im Themenfeld kommunale Kosten und Leistungen (Brüggen: 3,19, MNR: 3,44) sowie bei den Arbeitsmarktfaktoren (Brüggen: 2,89, MNR: 3,16) liegt Brüggen spürbar vor dem regionalen Durchschnitt.

Nichtsdestotrotz lohnt ein Blick in die Einzelbewertungen, um zu erkennen, welche konkreten Standortfaktoren innerhalb der Themenbereiche für gute oder schwächere Bewertungen verantwortlich sind und in welchen Feldern sich in Brüggen weitere Entwicklungspotenziale ergeben.

Die folgende Aufzählung gibt zunächst einen Überblick über die zehn insgesamt wichtigsten Standortfaktoren aller Themenfelder aus Sicht der Unternehmerinnen und Unternehmer in Brüggen. Der insgesamt wichtigste Faktor ist die Verkehrsanbindung an das Straßen- und Autobahnnetz. Zusammen mit der Höhe des Gewerbesteuerhebesatzes und der Informations- und Kommunikationsinfrastruktur gehört er zu den drei bedeutendsten Standortfaktoren. Darüber hinaus spielen auch der Zustand der überörtlichen Straßeninfrastruktur, die Höhe öffentlicher Gebühren und des Grundsteuerhebesatzes, die Sicherheit in den Ortszentren, die Möglichkeiten für nachhaltiges Wirtschaften, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Kommunikation mit der Kommunalverwaltung eine wichtige Rolle für die Brüggener Unternehmerinnen und Unternehmer.

Die 10 wichtigsten Standortfaktoren

  1. Verkehrsanbindung an das Straßen- und Autobahnnetz
  2. Höhe des Gewerbesteuerhebesatzes
  3. Informations- und Kommunikationsinfrastruktur (Internet etc.)
  4. Zustand der überörtlichen Straßeninfrastruktur (Landstraßen, Autobahnen)
  5. Höhe öffentlicher Gebühren
  6. Höhe des Grundsteuerhebesatzes
  7. Sicherheit in den Ortszentren
  8. Möglichkeiten für nachhaltiges Wirtschaften am Standort
  9. Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf (Angebot Kinderbetreuung in Kitas, OGS, Pflege von Angehörigen etc.)
  10. Kommunikation mit der Kommunalverwaltung

Bewertungen im Detail

Im Folgenden werden die einzelnen Standortfaktoren in den Themenfeldern im Hinblick auf ihre Bedeutung und die durch die Unternehmen gegebene Zufriedenheitsbewertung untersucht.

Da ein besonderes Augenmerk all jenen Faktoren gelten sollte, die von den Brüggener Unternehmerinnen und Unternehmern als wichtig angesehen werden, werden die Faktoren in den Abbildungen absteigend nach ihrer Wertigkeit sortiert.

Die Abweichung der Zufriedenheitsbewertung zum Mittleren Niederrhein wird anhand der Bewertungslücke dargestellt. Diese ergibt sich aus der Differenz zwischen der Note in Brüggen und dem Durchschnittswert für den Mittleren Niederrhein seit 2021. Um auch die individuelle Entwicklung des Standorts zu berücksichtigen, werden die Zufriedenheitsbewertungen der aktuellen Umfrage in Brüggen mit den Ergebnissen aus der letzten Befragung im Jahr 2021 verglichen.

Harte Standortfaktoren

Bewertung der harten Standortfaktoren*

  • 1,98

    Verkehrsanbindung an das Straßen- und Autobahnnetz

  • 3,19

    Informations- und Kommunikationsinfrastruktur (Internet etc.)

  • 2,56

    Zustand der überörtlichen Straßeninfrastruktur (Landstraßen, Autobahnen)

  • 2,99

    Möglichkeiten für nachhaltiges Wirtschaften am Standort

  • 3,59

    Energiekosten

  • 2,68

    Image- und Bekanntheitsgrad des Standortes

  • 3,07

    Angebot an unternehmensnahen Dienstleistern

  • 3,66

    Miet- und Pachtpreise

  • 2,69

    Nähe zu wichtigen Kunden

  • 3,61

    Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge

  • 3,67

    Grundstückspreise

  • 3,85

    Wohnungsangebot

  • 3,80

    Verkehrsanbindung an den ÖPNV

  • 3,99

    Verkehrsanbindung an die Schienenwege

  • 3,17

    Verkehrsanbindung an den Luftverkehr

*Die Note stellt den Durchschnitt aus allen Zufriedenheitsbewertungen der Unternehmen dar. Die Bewertung wurde auf einer Schulnotenskala von 1 bis 6 vorgenommen, wobei 1 eine Bewertung von „sehr gut“ darstellt und 6 für „ungenügend“ steht. 

Quelle: IHK Mittlerer Niederrhein, Hier zur barrierefreien Version
Quelle: IHK Mittlerer Niederrhein, Hier zur barrierefreien Version

**2021 nicht abgefragt

Gute Note für die Verkehrsinfrastruktur

Der wichtigste Faktor in diesem Themenfeld ist die Verkehrsanbindung an das Straßen- und Autobahnnetz. Mit der sehr guten Note 1,98 handelt es sich gleichzeitig um einen der am besten bewerteten Faktoren der gesamten Befragung. Brüggen schneidet hier etwas besser ab als der Mittlere Niederrhein insgesamt (2,05) und auch besser als bei der letzten Umfrage im Jahr 2021 (2,09). Ebenfalls positiv bewerten die Unternehmen den Zustand der überörtlichen Straßeninfrastruktur. Mit einer Note von 2,56 liegt Brüggen auch hier vor dem IHK-Schnitt (2,71), gegenüber 2021 ist die Bewertung nahezu stabil geblieben.

Informations- und Kommunikationsinfrastruktur (IuK) leicht unterdurchschnittlich bewertet

Die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur gehört in Brüggen zu den wichtigsten Standortfaktoren im Bereich der harten Faktoren. Sie umfasst sowohl die Breitbandinfrastruktur als auch den Mobilfunkempfang und erhält von den Unternehmen die Note 3,19. Damit wird dieser Faktor etwas schlechter bewertet als im Durchschnitt am Mittleren Niederrhein, der bei 3,05 liegt. Gegenüber der letzten Standortanalyse im Jahr 2021 hat sich die Bewertung leicht um 0,06 Prozentpunkte verschlechtert. Insgesamt signalisiert dies, dass die digitale Infrastruktur in Brüggen zwar auf einem akzeptablen, aber noch nicht zufriedenstellenden Niveau liegt und aus Sicht der Unternehmen weiter verbessert werden sollte. Die nähere Betrachtung der negativen Bewertungen der IuK zeigt, dass die Kritik in Brüggen eher dem Mobilfunknetz als der Breitbandversorgung gilt.

Nachhaltiges Wirtschaften und Ladeinfrastruktur

Der Faktor Möglichkeiten für nachhaltiges Wirtschaften am Standort gehört in Brüggen zu den wichtigeren harten Standortfaktoren. Er wird mit 2,99 bewertet und damit besser als der Mittlere Niederrhein im Durchschnitt (3,11). Im Vergleich zur Umfrage 2021 hat sich die Bewertung allerdings um 0,22 Prozentpunkte verschlechtert. Das zeigt, dass der Standort grundsätzlich eine gute Ausgangslage hat, aber mit den zunehmend höheren Erwartungen der Unternehmen an nachhaltige Rahmenbedingungen Schritt halten muss. Die Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge wird mit 3,61 beurteilt und damit besser als im restlichen IHK-Bezirk, wo der Mittelwert bei 3,86 liegt.

Energiekosten werden kritisch bewertet

Die Energiekosten werden mit 3,59 bewertet. Damit liegt Brüggen zwar leicht besser als der Durchschnitt am Mittleren Niederrhein (3,70), insgesamt bleibt die Bewertung aber kritisch. Besonders deutlich ist die Verschlechterung gegenüber 2021: Damals lag die Note noch bei 3,19. Dies spiegelt die gestiegenen Energiepreise aufgrund des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine und die damit verbundene Belastung der Unternehmen wider.

Image des Standorts und Nähe zu wichtigen Kunden

Der Faktor Image und Bekanntheitsgrad des Standortes schneidet positiv ab: Mit einer Note von 2,68 wird Brüggen deutlich besser bewertet als der Mittlere Niederrhein (3,16). Das Angebot an unternehmensnahen Dienstleistern erhält die Note 3,07 und liegt damit exakt auf dem Durchschnittswert des Mittleren Niederrheins. Gegenüber 2021 ist die Bewertung etwa gleichgeblieben. Die Nähe zu wichtigen Kunden wird mit 2,69 benotet und hat sich im Vergleich zur Vorumfrage 2021 um 0,10 Prozentpunkte verbessert.

Wohnungsangebot kritisch bewertet

Die Miet- und Pachtpreise schneiden unterdurchschnittlich ab. Mit einer Note von 3,66 liegen sie schlechter als der regionale Durchschnitt (3,52). 2021 erhielt der Faktor eine 3,68. Die Grundstückspreise werden mit 3,67 bewertet und liegen damit Schnitt des IHK-Bezirks. Gegenüber 2021 (3,78) hat sich die Bewertung um 0,11 Prozentpunkte verbessert. Das Wohnungsangebot erhält mit 3,85 die schwächste Bewertung dieser drei Faktoren und wird damit schlechter beurteilt als im Durchschnitt am Mittleren Niederrhein (3,74).

Verkehrsanbindung an ÖPNV, Schiene und Luftverkehr deutlich schlechter als in der Region

Die Verkehrsanbindung an den ÖPNV wird in Brüggen mit 3,80 bewertet und damit deutlich schlechter als im Durchschnitt am Mittleren Niederrhein (3,32). Angesichts der Bedeutung des ÖPNV für die Erreichbarkeit von Arbeits- und Ausbildungsplätzen deutet dies auf Handlungsbedarf hin. Die Verkehrsanbindung an die Schienenwege erhält eine Note von 3,99, die Verkehrsanbindung an den Luftverkehr erhält die Note 3,17. Beide Faktoren werden über eine halbe Note schlechter bewertet als am Mittleren Niederrhein im Schnitt. Die genannten Faktoren haben im Vergleich zu anderen Standortfaktoren zwar eine geringere Bedeutung, sind aber für einzelne, stärker überregional oder international ausgerichtete Unternehmen weiterhin wichtig und sollten daher bei der weiteren Standortentwicklung berücksichtigt werden.

Innerörtliche Standortfaktoren

Bewertung der innerörtlichen Standortfaktoren*

  • 2,32

    Sicherheit in den Ortszentren

  • 2,81

    Zustand des innerörtlichen Straßennetzes

  • 2,68

    Innerörtliche Verkehrsverhältnisse / Mobilität

  • 2,54

    Stadtbild / Ortsbild

  • 2,32

    Naherholungs- und Freizeitangebot

  • 3,03

    Parkplatzangebot

  • 2,80

    Einkaufsmöglichkeiten / Branchenmix

  • 2,02

    Höhe der Parkgebühren

  • 2,64

    Kulturelles Angebot

* Die Note stellt den Durchschnitt aus allen Zufriedenheitsbewertungen der Unternehmen dar. Die Bewertung wurde auf einer Schulnotenskala von 1 bis 6 vorgenommen, wobei 1 eine Bewertung von „sehr gut“ darstellt und 6 für „ungenügend“ steht. 

Quelle: IHK Mittlerer Niederrhein, Hier zur barrierefreien Version

Sicherheit in den Ortszentren als wichtigster Innenstadtfaktor

Die Bewertung der innerörtlichen Standortfaktoren fällt in Brüggen im Vergleich zur Region insgesamt sehr positiv aus. Die Ortszentren werden von den Unternehmen als wichtige Visitenkarte des Wirtschaftsstandorts wahrgenommen. Der aus Sicht der Betriebe wichtigste Innenstadtfaktor ist die Sicherheit in den Ortszentren. Sie wird mit der guten Note 2,32 beurteilt und damit deutlich besser als im Durchschnitt am Mittleren Niederrhein, wo der Wert bei 2,82 liegt. Insbesondere da das Ortszentrum für die Burggemeinde als Tourismusstandort von immenser Bedeutung ist, ist diese Bewertung ein echter Standortvorteil. Gegenüber der letzten Befragung im Jahr 2021 hat sich die Bewertung spürbar um 0,23 Prozentpunkte verbessert.

Innerörtliche Verkehrsinfrastruktur positiv bewertet

Die innerstädtische Verkehrsinfrastruktur wird von den Unternehmen in Brüggen insgesamt positiv beurteilt. Der Zustand des innerstädtischen Straßennetzes wird mit 2,81 bewertet und damit deutlich besser als im IHK-Schnitt (3,12). Gegenüber der Umfrage 2021 hat sich die Bewertung leicht verbessert (0,12 Prozentpunkte). Die innerstädtischen Verkehrsverhältnisse und die Mobilität schneiden mit 2,68 gegenüber 3,03 am Mittleren Niederrhein ebenfalls deutlich besser ab. Im Vergleich zu 2021 ergibt sich hier sogar eine deutliche Verbesserung um 0,33 Prozentpunkte. Dies spricht für eine insgesamt gut funktionierende verkehrliche Erschließung der Ortszentren.

Parkraumsituation ebenfalls positiv bewertet

Beim Parken zeigen die Ergebnisse ein überwiegend positives Bild. Die Höhe der Parkgebühren wird mit 2,02 ausgesprochen gut bewertet. Die Unternehmen und vor allem die Einzelhändler schätzen also sehr, dass keine Parkgebühren erhoben werden. Es wird dringend empfohlen, dies beizubehalten. Gegenüber 2021 hat sich die Bewertung um 0,26 Prozentpunkte verbessert. Das Parkplatzangebot erhält mit 3,03 zwar nur eine befriedigende Note, schneidet aber ebenfalls besser ab als der Mittlere Niederrhein insgesamt – so wie ausnahmslos alle Faktoren in diesem Themenfeld. Der Faktor hat sich seit 2021 deutlich verbessert (0,43 Prozentpunkte).

Einkaufsmöglichkeiten und Ortsbild als Standortvorteil

Auch das Stadtbild / Ortsbild erhält mit 2,54 eine gute Note und bestätigt, dass das Erscheinungsbild der Ortszentren als Standortvorteil wahrgenommen wird. Gegenüber 2021 ist die Bewertung nahezu unverändert. Insgesamt profitiert Brüggen von einer ansprechenden und funktionierenden Innenstadtstruktur. Die Einkaufsmöglichkeiten und der Branchenmix werden mit 2,80 bewertet. Im Vergleich zu 2021 hat sich die Bewertung um 0,13 Prozentpunkte verbessert.

Freizeit- und Kulturangebot gut bewertet

Das Naherholungs- und Freizeitangebot wird in Brüggen mit 2,32 bewertet und damit klar besser als im regionalen Durchschnitt (2,92). Im Vergleich zur Vorbefragung 2021 ist die Bewertung nahezu stabil. Das kulturelle Angebot erhält mit 2,64 ebenfalls eine gute Note. Gegenüber 2021 hat sich dieser Faktor sogar merklich verbessert (0,19 Prozentpunkte). Die Freizeit- und Kulturangebote leisten einen wichtigen Beitrag zur Attraktivität des Standorts aus Sicht der Unternehmen.

Kommunale Kosten und Leistungen

Bewertung der kommunalen Kosten und Leistungen*

  • 3,42

    Höhe des Gewerbesteuerhebesatzes

  • 3,36

    Höhe öffentlicher Gebühren

  • 3,50

    Höhe des Grundsteuerhebesatzes

  • 2,67

    Kommunikation mit der Kommunalverwaltung

  • 2,89

    Behördliche Reaktionszeiten

  • 3,39

    Bestandspflege ortsansässiger Betriebe

  • 3,27

    Digitalisierungsgrad der Kommunalverwaltung

  • 2,80

    Erreichbarkeit / Öffnungszeiten der Behörden

  • 3,56

    Dauer von Plan- und Genehmigungsverfahren

  • 3,00

    Service und (Netzwerk-)Angebote der Wirtschaftsförderung

* Die Note stellt den Durchschnitt aus allen Zufriedenheitsbewertungen der Unternehmen dar. Die Bewertung wurde auf einer Schulnotenskala von 1 bis 6 vorgenommen, wobei 1 eine Bewertung von „sehr gut“ darstellt und 6 für „ungenügend“ steht. 

Quelle: IHK Mittlerer Niederrhein, Hier zur barrierefreien Version

**2021 nicht abgefragt

Verschlechterung der Bewertung der Hebesätze

Der wichtigste Faktor in diesem Themenfeld ist die Höhe des Gewerbesteuerhebesatzes. Mit der Note 3,42 wird dieser Faktor besser bewertet als im Durchschnitt am Mittleren Niederrhein (3,72). Brüggen orientiert sich an den fiktiven Hebesätzen des Landes und gehört damit zu den Kommunen mit dem günstigsten Hebesatz am Mittleren Niederrhein. Gegenüber der letzten Befragung im Jahr 2021 hat sich die Einschätzung allerdings leicht verschlechtert, da der fiktive Gewerbesteuerhebesatz seit 2021 sukzessive gestiegen ist. Die Höhe der öffentlichen Gebühren wird mit der Note 3,36 etwas besser bewertet und schneidet damit auch etwas besser ab als der regionale Durchschnitt mit 3,59. Die Höhe des Grundsteuerhebesatzes wird mit 3,50 kritisch bewertet. Zwar schneidet Brüggen damit ebenfalls leicht besser ab als der Mittlere Niederrhein (3,72), im Vergleich zu 2021 (3,37) hat sich die Einschätzung jedoch spürbar verschlechtert. Das zeigt, dass auch die Unternehmen die Entscheidung der Burggemeinde für differenzierte Hebesätze bei der Grundsteuer B kritisch betrachten.

Kommunale Leistungen besser bewertet als in der Region

Bei den kommunalen Leistungen zeigt sich ein differenziertes, insgesamt aber vergleichsweise positives Bild. Die behördlichen Reaktionszeiten werden mit 2,89 bewertet und damit deutlich besser als im Durchschnitt am Mittleren Niederrhein (3,48). Gegenüber 2021 (3,04) hat sich dieser Faktor spürbar verbessert. Ähnliches gilt für die Dauer von Plan- und Genehmigungsverfahren: Mit einer Note von 3,56 liegt Brüggen besser als der regionale Schnitt (3,86); gegenüber der Vorbefragung (3,61) ist eine leichte Verbesserung erkennbar. Der Digitalisierungsgrad der Kommunalverwaltung wird mit 3,27 bewertet und damit besser als im IHK-Bezirk insgesamt (3,63). Positiv sticht die Kommunikation mit der Kommunalverwaltung hervor. Sie erhält in Brüggen die Note 2,67 und schneidet damit deutlich besser ab als der Mittlere Niederrhein mit 3,23. Gegenüber 2021 (2,83) hat sich die Bewertung merklich verbessert. Die Erreichbarkeit und Öffnungszeiten der Behörden werden mit 2,80 ebenfalls günstiger beurteilt als im regionalen Durchschnitt (3,35). Trotz der Tatsache, dass Brüggen im regionalen Vergleich gut abschneidet, liegen bei den Faktoren auch noch einzelne Verbesserungspotenziale.

Wirtschaftsförderung liegt über regionalem Schnitt

Die Bestandspflege ortsansässiger Betriebe beziehungsweise die Nähe der Wirtschaftsförderung zu den Unternehmen wird mit 3,39 bewertet und ist somit 0,21 Prozentpunkte besser als im Schnitt im IHK-Bezirk. 2021 wurde dieser Faktor noch etwas besser bewertet (3,04). Zu berücksichtigen ist, dass in einem Zeitraum befragt wurde, in dem die Wirtschaftsförderung wegen ihrer umfangreichen Corona-Soforthilfen in einem engen Austausch mit den Unternehmen in Brüggen stand. Die Bewertung ist dennoch 0,21 Prozentpunkte besser als im Schnitt im IHK-Bezirk. Der Service und die (Netzwerk-)Angebote der Wirtschaftsförderung erhalten die Note 3,00 und werden damit etwas besser bewertet als im regionalen Durchschnitt (3,25). Im Vergleich zu 2021 ist die Bewertung stabil.

Arbeitsmarktrelevante Standortfaktoren

Bewertung der arbeitsmarktrelevanten Standortfaktoren*

  • 2,67

    Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf

  • 2,45

    Gutes Wohnumfeld für Mitarbeitende

  • 2,84

    Lernqualität an den allgemeinbildenden Schulen

  • 2,95

    Lernqualität an den Berufsschulen

  • 3,24

    Qualifikation der lokalen Arbeitskräfte

  • 3,48

    Lokale Verfügbarkeit von Arbeitskräften

  • 2,94

    Weiterbildungsangebot

  • 2,62

    Angebot an (Fach-)Hochschulen im Umkreis (z. B. Fontys, HS Niederrhein, etc.)

  • 2,84

    Zusammenarbeit: Betriebe – Schulen

* Die Note stellt den Durchschnitt aus allen Zufriedenheitsbewertungen der Unternehmen dar. Die Bewertung wurde auf einer Schulnotenskala von 1 bis 6 vorgenommen, wobei 1 eine Bewertung von „sehr gut“ darstellt und 6 für „ungenügend“ steht. 

Arbeitsmarktrelevante Standortfaktoren und deren Entwicklung

Quelle: IHK Mittlerer Niederrhein, Hier zur barrierefreien Version

**2021 nicht abgefragt

Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf für die Mitarbeitenden besonders wichtig

Im Themenfeld der arbeitsmarktrelevanten Standortfaktoren geht es um jene Rahmenbedingungen, die die Gewinnung, Bindung und Qualifizierung von Fachkräften beeinflussen. Aus Sicht der Brüggener Unternehmen sind die Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf der wichtigste Faktor. Dieser erhält in Brüggen die gute Note 2,67 und wird damit spürbar besser beurteilt als im regionalen Durchschnitt (3,02) und auch besser als noch 2021 (2,97). Ein gutes Wohnumfeld für die Mitarbeitenden ist ebenfalls ein wichtiger Faktor. Dieser Standortfaktor wird mit der Note 2,45 positiv bewertet und schneidet ebenfalls deutlich besser ab als der Durchschnitt am Mittleren Niederrhein mit 2,75.

Gute Noten für Bildung und Weiterbildung

Auch die Lernqualität an Schulen und Weiterbildungsangebote besitzen für die Unternehmen einen hohen Stellenwert. Die Lernqualität an den allgemeinbildenden Schulen wird mit 2,84 besser beurteilt als im regionalen Durchschnitt (3,26). Gegenüber 2021 hat sich die Bewertung um 0,16 Prozentpunkte verbessert. Die Lernqualität an den Berufsschulen erhält die Note 2,95. Das Weiterbildungsangebot wird mit 2,94 bewertet und seit der Umfrage 2021 ist eine deutliche Verbesserung um 0,23 Prozentpunkte zu erkennen. Das Angebot an (Fach-)Hochschulen im Umkreis wird mit 2,62 leicht besser eingeschätzt als im regionalen Schnitt (2,70) und hat sich gegenüber 2021 (2,75) etwas verbessert. Positiv fällt die Zusammenarbeit zwischen Betrieben und Schulen ins Gewicht. Sie wird mit 2,84 bewertet und damit deutlich besser als am Mittleren Niederrhein insgesamt (3,22). Gleichzeitig hat sich dieser Faktor seit 2020 (3,14) merklich um 0,30 Prozentpunkte verbessert.

Qualifikation und Verfügbarkeit der Arbeitskräfte

Die Qualifikation der lokalen Arbeitskräfte wird in Brüggen mit 3,24 bewertet. Damit liegt der Standort leicht besser als der Mittlere Niederrhein, der im Durchschnitt auf 3,53 kommt. Gegenüber 2021 hat sich die Bewertung um 0,21 Prozentpunkte verbessert. Die lokale Verfügbarkeit von Arbeitskräften wird mit 3,48 bewertet und bleibt auf dem Niveau von 2021 und ist etwas besser als der regionale Durchschnitt von 3,67.

3. Handlungsempfehlungen

Fazit

Wettbewerbsfähige Grund- und Gewerbesteuerhebesätze

Die Erhöhung des Gewerbesteuerhebesatzes um 5 Punkte auf 421 Punkte sowie die Anhebung des Grundsteuer-B-Hebesatzes für Nichtwohngrundstücke um 50 Punkte auf 751 Punkte und für Wohngebäude um 25 Punkte auf 572 Punkte ist aus Sicht der IHK – insbesondere in der aktuellen wirtschaftlichen Lage – problematisch. Die Unternehmensbefragung zeigt, dass die Hebesätze für Betriebe zentrale Standortfaktoren darstellen. Die Betriebe benötigen jetzt Entlastung und keine zusätzlichen Belastungen. Der Gewerbesteuerhebesatz Brüggens liegt nach der moderaten geplanten Anhebung weiterhin auf dem vom Land Nordrhein-Westfalen veröffentlichten fiktiven Hebesatzniveau. Bundesweit liegt der durchschnittliche Gewerbesteuerhebesatz in Kommunen mit 10.000 bis 20.000 Einwohnern jedoch bei lediglich 370 Punkten. Hinzu kommt die Belastung, dass Nichtwohngebäude höher besteuert werden als Wohngebäude. Damit muss die Wirtschaft – gemessen am Grundstückswert – höhere Grundsteuern zahlen. Zudem stellt die Rechtsunsicherheit der differenzierten Hebesätze bei der Grundsteuer B weiterhin ein Risiko dar. Deshalb sollte Brüggen den Grundsteuerhebesatz einheitlich gestalten.

Ausgaben reduzieren und Gewerbesteuererträge mit zuverlässiger Gewerbeflächenpolitik generieren

Die Haushaltslage der Gemeinde Brüggen bleibt herausfordernd. Die Probleme der Kommunen werden in den kommenden Jahren zunehmen. Mit Blick auf die zu erwartenden Finanzierungsprobleme müssen Städte und Gemeinden insbesondere ihre Ausgaben reduzieren. So sollten sie weiterhin eine Aufgabenkritik betreiben und bei ihren Pflichtausgaben die Standards überprüfen. Dies sollte allerdings nicht zu einem undifferenzierten Personalabbau führen. Ausreichend personelle Ressourcen sollten vor allem auch in den Bereichen der Stadtverwaltung vorhanden sein, die für die Standortqualität des Wirtschaftsstandorts wichtig sind. Dadurch lassen sich Gewerbesteuererträge generieren. Wird die Wirtschaft vor Ort gestärkt, lassen sich langfristig auch freiwillige Ausgaben besser finanzieren. Klar ist auch: Die Ausweisung von weiteren Gewerbeflächen ist perspektivisch die beste Haushaltspolitik. Im vergangenen Jahr wurde das verbindliche Baurecht für die noch freien Gewerbeflächen im Bereich Holtweg Süd geschaffen. Damit stehen der Wirtschaft 9 Hektar bebaubare Flächen zur Verfügung.  Allerdings unterliegen die Flächen zu einem großen Teil aufgrund der Nähe zur Wohnbebauung immissionsschutzrechtlichen Einschränkungen. Um auch die Flächennachfrage von emittierenden Unternehmen bedienen zu können, sollten weitere Potenzialflächen aus dem Regionalplan Düsseldorf im Anschluss an das Gewerbegebiet Christenfeld zeitnah in verbindliches Baurecht umgesetzt und Flächen perspektivisch angekauft werden. Dies ist eine gute Möglichkeit, um ansiedlungswilligen Unternehmen Angebote machen zu können. Steuerstarke Betriebe könnten so langfristig einen positiven Beitrag zum Gemeindehaushalt leisten.

RAL Gütezeichen Mittelstandsorientierte Kommunalverwaltung – Zertifizierung erwerben

Wir bedauern, dass der Beschlussvorschlag zur Einführung des RAL Gütezeichens Mittelstandsorientierte Kommunalverwaltung in der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Strategie am 5. Februar einstimmig abgelehnt wurde. Natürlich stehen gerade bei der aktuellen Haushaltslage freiwillige Leistungen unter Kritik aufgrund der Kosten, jedoch ist das Zertifikat auch ein wichtiges Signal nach außen. Der Zertifizierungsprozess zeigt auf, an welchen Stellen möglicherweise noch Verbesserungsbedarf bei den wichtigsten Prozessen mit Unternehmern besteht und zeigt, dass die Kommune wirtschaftsfreundlich arbeitet. Und es sind insbesondere die Unternehmen, die durch Gewerbesteuerzahlungen und Arbeitsplätze für die finanzielle Stabilität einer Kommune sorgen. Deshalb sollte die Gemeinde ihre Entscheidung kritisch hinterfragen und die Mitgliedschaft bei der Gütegemeinschaft Mittelstandsorientierte Kommunalverwaltungen e. V. weiterhin in Betracht ziehen.

Starke Wirtschaftsförderung notwendig

Auch die Wirtschaftsförderung wird in Brüggen hochgeschätzt. Der Bereich sollte über ausreichende finanzielle und personelle Ressourcen verfügen. Die Wirtschaftsförderung ist zwar haushaltstechnisch eine freiwillige Leistung, aber es sind insbesondere die Unternehmen, die durch Gewerbesteuerzahlungen und Arbeitsplätze für die finanzielle Stabilität einer Kommune sorgen. Dabei sollte eine Hauptaufgabe immer sein, dass die Mitarbeitenden die Brücke zwischen der Wirtschaft und weiteren Einheiten der Kommunalverwaltung sind. Die Wirtschaftsförderung sollte das Angebot vorhalten, Unternehmen mit einem Anliegen, das auch andere Ämter betrifft, innerhalb der Verwaltung zu vermitteln – im Sinne einer One-Stop-Agency. Das führt dazu, dass der Unternehmer nur einen Ansprechpartner hat. Die Wirtschaftsförderung sollte die Unternehmen auf dieses Angebot aufmerksam machen (beispielsweise durch ihre Homepage, Unternehmensbesuche, Unternehmerfrühstücke). Die ak­tuellen Formate der Bestandspflege sollten ausgebaut werden.

Leistungsfähiger ÖPNV

Ein leistungsfähiges ÖPNV-Angebot kann den Druck auf die Infrastruktur grundsätzlich entlasten, wenn dieses bezüglich Taktung, Sicherheit, Sauberkeit und auch bezogen auf die Anbindung zwischen Stadt und ländlichem Umland eine attraktive Alternative darstellt. Für Brüggen als Standort ohne eigenen Bahnhof ist es wichtig, dass die Verbindung zu den nahen Bahnhöfen – etwa durch Schnellbuslinien – verbessert wird.

Flächendeckender Breitbandausbau und leistungsfähige Mobilfunknetze

Eine leistungsstarke digitale Infrastruktur ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung der digitalen Transformation sowie für die Entwicklung KI-gestützter Geschäftsmodelle. Für Unternehmen ist sie Grundlage für eine reibungslose Abwicklung ihrer Geschäfte. Eine bedeutende Voraussetzung für Zukunftstechnologien ist das leistungsfähige Mobilfunknetz. Gewerbe- und Industriestandorte sollten beim Ausbau mit Priorität behandelt werden. Die Rückmeldungen aus Brüggen zum Glasfaserausbau waren zuletzt positiv. Dennoch sollte dieses Thema weiterhin vorangetrieben werden.

Grenznähe leben

Die aktuellen Grenzkontrollen zeigen, dass die Idee der europäischen Integration (und damit auch die offenen Grenzen und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit) keineswegs selbstverständlich ist, sondern durch Kooperationen stetig aufrechterhalten werden muss. Diese Kooperationen beginnen bei den Kommunen. Deshalb ermuntern wir die Städte und Gemeinden am Mittleren Niederrhein weiterhin, wirtschaftsbezogen Kooperationen – insbesondere mit niederländischen Nachbarn – einzugehen.

Tourismus weiter stärken

Die Aktivitäten zur Gewinnung von Touristen sollten fortgesetzt werden. Das Naherholungs- und Freizeitangebot und das Image werden sehr gut bewertet. Brüggen hat daher mit seinem attraktiven Ortskern und der attraktiven Umgebung das Potenzial, (Tages-)Touristen zu gewinnen. Die Gemeinde sollte deshalb ihre Aktivitäten zur Gewinnung von Touristen fortsetzen. Durch weitere Maßnahmen zur Attraktivierung der Innenstadt kann Kaufkraft angezogen und die Aufenthaltsqualität Brüggens noch weiter gesteigert werden. Zudem sollte die Zahl an Campingstellplätzen erhöht werden.

Parkmöglichkeiten bereitstellen – weiter ohne Parkgebühren auskommen

Für das Hauptverkehrsmittel Auto müssen ausreichende und intelligente Parkraumkonzepte entwickelt werden. Die Innenstadtakteure sind darauf angewiesen, dass die Kunden mit dem Auto in den Ortskern kommen können. Brüggen erhebt keine Parkgebühren. Dieser Standortvorteil sollte beibehalten werden.

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