Korschenbroich 2026
In der vorliegenden Analyse werden die Bedingungen der Stadt Korschenbroich als Wirtschaftsstandort detailliert untersucht. Dabei werden sowohl die Branchenstrukturen als auch deren Entwicklung im Zeitverlauf betrachtet. Zusätzlich werden verschiedene volkswirtschaftliche Indikatoren herangezogen, bei denen Korschenbroich mit anderen Kommunen einer ähnlichen Größe und Struktur vom Mittleren Niederrhein und aus Nordrhein-Westfalen verglichen wird. So kann überprüft werden, wie Korschenbroich als Wirtschaftsstandort hinsichtlich verschiedener Kennzahlen im Standortwettbewerb positioniert ist.
Das Zentrum der Analyse bilden die Ergebnisse der Standortbefragung unter Unternehmen aus Korschenbroich. Dabei haben etwa 160 Unternehmen verschiedene Standortfaktoren hinsichtlich ihrer Bedeutung und Qualität bewertet.
Ziel der Analyse ist es, die Verbesserungsmöglichkeiten für die Stadt Korschenbroich als Wirtschaftsstandort zu identifizieren. So zieht die Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein aus den Ergebnissen wirtschaftspolitische Handlungsempfehlungen, die den Abschluss dieser Analyse bilden.
Inhaltsverzeichnis
Wirtschaft in Korschenbroich
WirtschaftBeschäftigungsentwicklung seit 1999
1999 bis 2025 / 1999 = 100
In Korschenbroich arbeiteten zum 30. Juni 2025 insgesamt rund 8.500 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Seit 1999 ist die Beschäftigung damit um 46,0 Prozent gestiegen. Dies ist deutlich stärker als im Land Nordrhein-Westfalen oder im Rhein-Kreis Neuss, wo das Wachstum bei 27,0 beziehungsweise 29,9 Prozent lag.
Mit Blick auf den Zeitverlauf zeigt sich ein differenziertes Bild: Während die Beschäftigung in Korschenbroich von 1999 bis 2008 im Bereich des Kreis- und Landesdurchschnitts lag und sogar leicht rückläufig war, beschleunigte sich das Wachstum nach 2009. Besonders dynamisch war die Entwicklung nach 2016. Auch während der Corona-Pandemie wuchs die Beschäftigung am Arbeitsort Korschenbroich stetig.
Wirtschaftsstrukturen
Beschäftigungsanteile 2025 in Prozent
Betrachtet man die Verteilung der Beschäftigten in Korschenbroich auf die verschiedenen Wirtschaftszweige, ergibt sich ein klares Profil: Korschenbroich ist ein Dienstleistungsstandort mit Handels- und Gastgewerbeschwerpunkt. Mit 74,0 Prozent der Gesamtbeschäftigung entfällt der überwiegende Teil der Beschäftigung auf Handel, Gastgewerbe und Verkehr (31,3 Prozent) und den sonstigen Dienstleistungsbereich (42,7 Prozent). Vor allem in Handel, Verkehr und Gastgewerbe arbeiten damit im Verhältnis deutlich mehr Menschen als in Land (22,2 Prozent) oder im Kreis (28,3 Prozent).
Das Produzierende Gewerbe trägt mit 24,3 Prozent zu den Gesamtbeschäftigten bei, was etwas über dem Kreisdurchschnitt (23,3 Prozent) liegt, aber nahezu dem Landesniveau (24,5 Prozent) entspricht. Die Land- und Forstwirtschaft hat einen Anteil von 1,7 Prozent und ist damit stärker vertreten als im Land NRW (0,5 Prozent) oder im Kreis (1,0 Prozent), was Korschenbroichs ländliche Struktur widerspiegelt.
Beschäftigungsentwicklung: Produzierendes Gewerbe
2015 bis 2025 / 2015 = 100
Das Produzierende Gewerbe in Korschenbroich zeigt eine differenzierte Entwicklung. Zwischen 2015 und 2019 schrumpfte die Beschäftigung. Nach 2019 wuchs die Beschäftigung wieder, sodass sie 2025 wieder das Niveau von 2015 erreicht hat und damit auch ein insgesamt ähnliches Wachstumsniveau wie NRW erreicht. Im Rhein-Kreis Neuss war die Entwicklung im vergangenen Jahr dagegen rückläufig.
Beschäftigungsentwicklung: Handel und Dienstleistungen
2015 bis 2025 / 2015 = 100
Auch beim Wachstum im Dienstleistungsbereich zeigt sich die Prägung Korschenbroichs. Das Wachstum bei den Dienstleistungen betrug zwischen 2015 und 2025 46,5 Prozent – deutlich stärker als im Kreis (23,0 Prozent) und im Land (20,0 Prozent).
Detailstrukturen
Die Analyse der Wirtschaftszweige offenbart die Spezialisierungen Korschenbroichs. Der Lokalisationsquotient (LQ) zeigt dabei, inwiefern eine Branche in Korschenbroich stärker oder schwächer vertreten ist als im Landesdurchschnitt Nordrhein-Westfalen. Ein LQ-Wert über 1 bedeutet Überrepräsentation, unter 1 Unterrepräsentation.
Korschenbroich zeigt zunächst einige ausgeprägte Schwerpunkte, die es von anderen Standorten unterscheiden. Gebäudebetreuung und Gartenbau (LQ 3,7) ist die Branche mit der stärksten lokalen Spezialisierung. Mit 788 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist dies ein bedeutsamer Wirtschaftszweig. Die Branche hat sich dabei stark entwickelt: Seit 2015 wuchs die Beschäftigung um 515,6 Prozent – von 152 auf 788 Beschäftigte. Dies ist ein deutliches Wachstum, dessen hoher Wert aber nicht überinterpretiert werden sollte, da bei einem Ausgangswert von 152 Beschäftigten schon der Zuzug eines größeren Unternehmens ausreicht, um diese prozentuale Steigerung zu erreichen. Insbesondere Betriebe aus dem Bereich der Reinigungsbranchen sind oftmals sehr personalintensiv. In diesem Segment hat es einen Umzug aus einer Nachbarkommune gegeben.
Der Handel mit Kraftfahrzeugen (LQ 3,6) ist die zweite starke Spezialisierung mit 578 Beschäftigten. Das Wachstum seit 2015 betrug 61,0 Prozent (von 359 auf 578 Beschäftigte), was deutlich über dem Kreiswert (13,6 Prozent) und Landesniveau (12,5 Prozent) liegt. Die Kombination aus Großhandels- und Reparaturbetrieben, Autoteilehandel, Autowerkstätten und Autohäusern bestimmt das Ortsbild und trägt wesentlich zur wirtschaftlichen Prägung bei. Diese Unternehmen profitieren von der guten Verkehrsanbindung des Standorts.
Die Landwirtschaft (LQ 3,4) ist mit 140 Beschäftigten ebenfalls überrepräsentiert. Das Wachstum seit 2015 betrug 28,4 Prozent. Dies spiegelt die ländlichen Strukturen, allerdings auf deutlich niedrigerem absolutem Niveau als die anderen Spezialisierungen.
Das Baugewerbe (LQ 1,3) beschäftigt 582 Personen. Seit 2015 ist die Beschäftigung um 13,7 Prozent gewachsen, deutlich unter dem Kreiswert (25,4 Prozent) und dem Landesniveau (22,3 Prozent). Dies zeigt allerdings, dass das Baugewerbe in Korschenbroich zuletzt schwächer gewachsen ist als regional.
Der Großhandel (LQ 1,5) mit 609 Beschäftigten zeigt dynamisches Wachstum: Seit 2015 ist die Beschäftigung um beachtliche 70,6 Prozent angestiegen – deutlich über dem Kreiswert (-1,4 Prozent) und dem NRW-Niveau (8,8 Prozent). Der Großhandel ist damit ein Wachstumsbereich, der stark von der zentralen Lage Korschenbroichs profitiert. Hier gab es im vergangenen Jahrzehnt auch immer wieder Ansiedlungserfolge. Der Einzelhandel (LQ 1,4) mit 810 Beschäftigten wuchs dagegen moderat um 6,6 Prozent seit 2015, etwas unter dem NRW-Wert (8,9 Prozent) und über dem Kreis-Wert (1,1 Prozent).
Das Gastgewerbe (LQ 1,4) mit 305 Beschäftigten hat sich gut entwickelt. Das Wachstum seit 2015 betrug 76,3 Prozent – weitaus höher als im Kreis (19,7 Prozent) oder in NRW (16,7 Prozent). Dies deutet auf eine starke Entwicklung trotz der Pandemie hin. Insbesondere der Beschäftigtenanteil von Restaurants in Korschenbroich ist überdurchschnittlich.
Das Verarbeitende Gewerbe (LQ 1,0) hat einen Anteil von 16,9 Prozent – nahezu gleich mit dem Landesniveau. Jedoch war die Entwicklung seit 2015 negativ: minus 4,9 Prozent. Dies ist konsistent mit bundesweiten Trends, aber nicht kritischer als regional (-7,2 Prozent im Kreis, -4,6 Prozent in NRW). Innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes können die Daten der meisten Branchen aus Datenschutzgründen nicht ausgewertet werden, sodass sich aufgrund der geringen Anzahl der Betriebe in diesem Wirtschaftszweig keine detaillierten Aussagen treffen lassen. Insbesondere im Maschinenbau existieren jedoch einige größere Betriebe in Korschenbroich.
Das Gesundheits- und Sozialwesen (LQ 0,7) mit 1.011 Beschäftigten ist unterdurchschnittlich vertreten, mit 12,0 Prozent der Beschäftigten in Korschenbroich jedoch wichtig für die Wirtschaft der Stadt (17,5 Prozent in NRW). Die Wachstumsdynamik der Branche war deutlich: Seit 2015 stieg die Beschäftigung um 59,2 Prozent.
Die Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (LQ 0,5) mit 314 Beschäftigten ist im Gegensatz zu den anderen Dienstleistungen in Korschenbroich unterrepräsentiert. Seit 2015 ist die Beschäftigung um 1,9 Prozent gewachsen – minimal. Beratung, Ingenieure, Architekten, Forschung und Entwicklung sind weniger vertreten als im Land – ein Indiz für geringere Innovation und Wissensintensität des Standorts. Dies ist typisch für einen Mittelstandsstandort ohne Hochschulen, aber mit starker Handwerks- und Handelspräsenz.
Volkswirtschaftliche Kennzahlen im Vergleich
Die einzelnen Wirtschaftsstandorte stehen in einem stetigen Wettbewerb um Investoren, Unternehmen und damit auch um Arbeitsplätze. Anhand von regionalwirtschaftlich relevanten Indikatoren wird im folgenden Kapitel überprüft, welche Position Korschenbroich im Vergleich mit anderen Standorten einnimmt. Dabei wird Korschenbroich zunächst mit Städten der Region Mittlerer Niederrhein verglichen, die eine ähnliche Größe aufweisen – dies sind die Kommunen Kaarst, Kempen, Nettetal und Tönisvorst, die alle eine Einwohnerzahl zwischen 25.000 und 45.000 aufweisen. Zusätzlich werden die Durchschnittswerte des Rhein-Kreises Neuss und des Landes NRW für die Einordnung der Korschenbroicher Werte herangezogen.
Mit 3,9 Prozent liegt die Arbeitslosenquote in Korschenbroich im Jahr 2025 deutlich unter dem Kreis- (6,4 Prozent) und Landesniveau (7,8 Prozent). Damit hat Korschenbroich unter den Vergleichskommunen der Region den niedrigsten Wert, der sich in den letzten zehn Jahren außerdem trotz des niedrigen Ausgangsniveaus kaum erhöht hat.
Kaufkraft und Zentralität
Kaufkraftkennziffer je Einwohner 2025 und Zentralitätskennziffer 2025 / Deutschland = 100
Korschenbroich zeigt ein klares Ungleichgewicht zwischen Kaufkraft und Zentralität. Die Kaufkraft der Korschenbroicher Bevölkerung ist überdurchschnittlich (114,4), deutet also auf wohlhabende Einwohner hin. Allerdings beträgt die Zentralitätskennziffer nur 70,1 – dies ist ein deutliches Signal. Die Zentralität misst, in welchem Umfang die lokale Kaufkraft im lokalen Einzelhandel gebunden wird. Ein Wert von 70,1 zeigt, dass Korschenbroich nur 70,1 Prozent dessen anzieht, was man bei durchschnittlicher Kaufkraftbindung erwarten würde, und somit ein deutlicher Kaufkraftabfluss in umliegende Regionen stattfindet. Für kleinere Städte mit großer Nähe zu größeren Oberzentren ist dies erst einmal nicht ungewöhnlich, ein sehr niedriger Wert wie in Korschenbroich deutet dennoch auf Verbesserungspotenziale hin.
Da im Hinblick auf eine Beurteilung der Steuereinnahmen und Verschuldung weitere strukturelle Faktoren zum Vergleich mit anderen Kommunen wichtig sind – wie zum Beispiel die Aufgabengebiete der Kommune –, werden bei diesem Vergleich zusätzlich noch entsprechende Vergleichskommunen hinzugezogen, die durch eine Analyse des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung als solche identifiziert worden sind. Dies sind die Städte Dülmen, Erftstadt, Goch, Kamen, Overath, Pulheim, Sankt Augustin, Waltrop und Wegberg.
Steuereinnahmekraft und Realsteueraufbringungskraft
Korschenbroich verfügt über eine Steuereinnahmekraft von 1.742,73 Euro je Einwohner (Stand 2024, aktuellste vorliegende Werte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Standortanalyse im Frühjahr 2026). Dies ist überdurchschnittlich im Verhältnis zu den Vergleichskommunen in der Region und in NRW. Nur die Kommunen Kempen (1.900 Euro) und Kaarst (1.791 Euro) haben eine höhere Steuereinnahmekraft je Einwohner. Dies spiegelt vor allem auch die vergleichsweise wohlhabende Bevölkerung in Korschenbroich wider. Im Vergleich zum Schnitt des Rhein-Kreis Neuss (1.952 Euro je Einwohner) und NRW (1.791 Euro je Einwohner) ist der Wert in Korschenbroich jedoch etwas geringer. Die Entwicklung der Steuereinnahmekraft zwischen 2019 und 2024 zeigt dabei ein kräftiges Wachstum: 32,5 Prozent insgesamt, deutlich über dem Kreis (19,9 Prozent) und NRW (25,1 Prozent).
Die Realsteueraufbringungskraft der Gewerbesteuer (734,67 Euro je Einwohner) ist, gemessen an den Vergleichskommunen aus NRW, überdurchschnittlich. Schaut man die vergleichbaren Kommunen der Region an, liegt Korschenbroich etwa im Durchschnitt, im Vergleich zum Kreis (988 Euro je Einwohner) und NRW (942 Euro je Einwohner) hingegen sind die Unternehmen in Korschenbroich weniger steuerstark. Zum Durchschnitt des Rhein-Kreises Neuss muss allerdings relativierend angemerkt werden, dass dieser vom hohen Wert der Stadt Neuss geprägt ist. Die Realsteueraufbringungskraft der Gewerbesteuer stieg in den letzten fünf Jahren um 90,1 Prozent – von 386,37 Euro auf 734,67 Euro. Dieses Wachstum spiegelt eine deutliche Verbesserung der wirtschaftlichen Basis der Stadt und zeigt, wie sehr sich die Steuerbasis in Korschenbroich in den letzten Jahren entwickelt hat. Die Zahlen zeigen zudem, dass es sich nicht um einen Einmaleffekt handelt, sondern dass zuletzt eine Verbreiterung der Steuerbasis stattgefunden hat. Dennoch wird deutlich, dass die Stadt weiterhin durch mehr steuerstärkere Betriebe und eine weitere Verbreiterung der Steuerbasis dazugewinnen könnte.
Öffentliche Verschuldung
Die öffentliche Verschuldung ist ein kritischer Indikator für die finanzielle Handlungsfähigkeit einer Kommune. Sie wird hier durch zwei Kennzahlen gemessen: Bruttoverschuldung und Kassenkredite. Korschenbroich weist eine Bruttoverschuldung von 3.033,41 Euro je Einwohner auf. Diese liegt über dem Schnitt der vergleichbaren Kommunen der Region und leicht unter dem Schnitt der NRW-Vergleichskommunen. Die Verschuldung anderer Kommunen im Kreis ist ähnlich hoch, in NRW insgesamt ist sie noch höher. Korschenbroich liegt also insgesamt betrachtet im Mittelfeld.
Anders die Kassenkredite: Hier zeigt sich eine kritischere Situation. Mit Kassenkrediten von 1.325,46 Euro je Einwohner rangiert Korschenbroich über dem Schnitt der vergleichbaren Kommunen der Region und der NRW-Vergleichskommunen. Ebenso im Kreis- (769 Euro je Einwohner) und Landesschnitt (1.209 Euro je Einwohner) sind die Werte geringer. Die Kassenkreditlast in Korschenbroich ist damit als problematisch einzustufen.
Realsteuerhebesätze (2025)
Die Realsteuerhebesätze sind ein wichtiger Standortfaktor, da sie einen Teil der finanziellen Belastungen für Unternehmen bestimmen. Korschenbroich verfügt über einen Gewerbesteuerhebesatz von 450, der im mittleren Bereich der Vergleichskommunen liegt. In den NRW-Vergleichskommunen ist der Schnitt höher, im direkten Umfeld Korschenbroichs finden sich einige Kommunen mit niedrigeren Sätzen. Allerdings: Nordrhein-Westfalen weist das höchste Gewerbesteuerhebesatzniveau aller bundesdeutschen Flächenländer auf. Kommunen mit 30.000 bis 50.000 Einwohnern haben bundesweit im Durchschnitt einen Gewerbesteuerhebesatz von 415 Punkten. Insbesondere in Randlagen von Metropolstädten haben Kommunen häufig einen niedrigen Hebesatz. Zu berücksichtigen ist dabei, dass hier die Hebesätze des Jahres 2025 betrachtet werden und sich die Hebesätze in den Städten des IHK-Bezirks derzeit sehr dynamisch entwickeln. Die Einordnung stellt daher eine Momentaufnahme dar.
Beim Grundsteuerhebesatz von 690 Punkten zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Korschenbroich liegt hier vor allem im Vergleich mit dem direkten Umfeld im Kreis und den Vergleichskommunen der Region über dem Durchschnitt. Bei den Vergleichskommunen aus NRW liegt man im Durchschnitt.
Ergebnisse der Unternehmensbefragung
BefragungUm die Stärken und Potenziale des Wirtschaftsstandorts Korschenbroich zu ermitteln, hat die Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein zum Jahreswechsel 2025/2026 eine Unternehmensbefragung durchgeführt. Teilgenommen haben rund 160 Unternehmen mit insgesamt rund 2.000 Beschäftigten. Sie repräsentieren dadurch mit rund 23 Prozent einen bedeutenden Anteil der Beschäftigten am Arbeitsort Korschenbroich. Vertreten sind dabei Unternehmen aller Wirtschaftsbereiche.
Bei der Befragung bewerteten die Betriebe rund 40 Standortfaktoren unter zwei Gesichtspunkten: einmal hinsichtlich der Bedeutung (Wichtigkeit) für den eigenen Betrieb und einmal ihre Zufriedenheit mit dem jeweiligen Faktor. Die Bewertung wurde auf einer Schulnotenskala von 1 bis 6 vorgenommen, wobei eine 1 eine Bewertung von sehr wichtig beziehungsweise sehr zufrieden / sehr gut darstellt und eine 6 für vollkommen unwichtig beziehungsweise sehr unzufrieden / ungenügend steht.
Die Ergebnisse werden im Folgenden aufgegliedert in Kategorien:
- Harte Standortfaktoren
- Innerstädtische Standortfaktoren
- Kommunale Kosten und Leistungen
- Arbeitsmarktrelevante Standortfaktoren
Zur Einordnung der Ergebnisse werden die Zufriedenheitsbewertungen in Korschenbroich zusätzlich mit den Ergebnissen der vorherigen Standortbefragungen am Mittleren Niederrhein in den letzten fünf Jahren sowie mit den Ergebnissen in Korschenbroich in der letzten Befragung im Jahr 2021 verglichen.
Korschenbroich als Wirtschaftsstandort
Gesamtnote
-
2026
2,62
Gesamtnote für Korschenbroich bei der aktuellen Befragung
-
2,69
Durchschnittsnote am Mittleren Niederrhein seit 2021
-
2021
2,41
Gesamtnote für Korschenbroich bei der vergangenen Befragung
In der Befragung bewerteten die Unternehmerinnen und Unternehmer zunächst Korschenbroich allgemein als Wirtschaftsstandort. Hierbei erhielt Korschenbroich die Note 2,62. Bei den vergangenen Standortanalysen der IHK Mittlerer Niederrhein in den letzten fünf Jahren lag die Durchschnittsnote bei 2,69. Korschenbroich schneidet also leicht besser ab als der Durchschnitt der Wirtschaftsstandorte am Mittleren Niederrhein in den vergangenen Jahren. Gegenüber der Umfrage im Jahr 2021, bei der Korschenbroich die Note 2,41 erhielt, hat sich die Bewertung allerdings etwas verschlechtert. Diese negative Entwicklung der Standortqualität zeigt sich derzeit in der gesamten Region: So hat sich die Durchschnittsnote für die Region in den vergangenen Jahren sukzessive verschlechtert. Insgesamt befindet sich der Wirtschaftsstandort Deutschland in einer tiefgreifenden Strukturkrise.
Zufriedenheit nach Themenfeldern
auf einer Skala von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend)
Brüggen im Vergleich zum Durchschnitt im IHK-Bezirk Mittlerer Niederrhein
Schaut man auf die Bewertungen der Themenfelder, zeigt sich zunächst ein klares Bild. Die Zufriedenheit mit den verschiedenen Standortfaktoren wird insgesamt im Durchschnitt in Korschenbroich mit der Note 3,11 bewertet und liegt damit etwas besser als der Schnitt der Bewertung am Mittleren Niederrhein in den vergangenen Jahren (3,23). Der Blick in die einzelnen Themenfelder zeigt ebenfalls, dass Korschenbroich aus der Sicht der antwortenden Unternehmen in allen Themenfeldern etwas besser abschneidet als der Schnitt der Bewertung am Mittleren Niederrhein in den vergangenen Jahren.
Nichtsdestotrotz lohnt ein Blick in die Einzelbewertungen, um zu sehen, wo in Korschenbroich Entwicklungspotenziale zu finden sind. Die folgende Aufzählung gibt zunächst einen Überblick über die zehn insgesamt wichtigsten Standortfaktoren aller Themenfelder aus Sicht der Unternehmerinnen und Unternehmer in Korschenbroich:
- Informations- und Kommunikationsinfrastruktur (Zufriedenheit: 2,86)
- Verkehrsanbindung an das Straßen- und Autobahnnetz (Zufriedenheit: 2,01)
- Höhe des Gewerbesteuerhebesatzes (Zufriedenheit: 3,91)
- Höhe öffentlicher Gebühren (Zufriedenheit: 3,58)
- Höhe des Grundsteuerhebesatzes (Zufriedenheit: 3,92)
- Gutes Wohnumfeld für Mitarbeitende (Zufriedenheit: 2,61)
- Sicherheit im Stadtzentrum / in den Ortszentren (Zufriedenheit: 2,46)
- Zustand der überörtlichen Straßeninfrastruktur (Zufriedenheit: 2,63)
- Energiekosten (Zufriedenheit: 3,79)
- Behördliche Reaktionszeiten (Zufriedenheit: 3,06)
Der insgesamt wichtigste Faktor ist die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur. Die Verkehrsanbindung an das Straßen- und Autobahnnetz ist der zweitwichtigste Faktor. Des Weiteren spielen auch die kommunalen Kostenaspekte wie Gewerbesteuer, öffentliche Gebühren und Grundsteuer eine wichtige Rolle für die Korschenbroicher Unternehmerinnen und Unternehmer. Auch weiche Faktoren wie das Wohnumfeld für Mitarbeitende und die Sicherheit im Stadtzentrum sind den Betrieben besonders wichtig.
Bewertungen im Detail
Im Folgenden werden die einzelnen Standortfaktoren in den Themenfeldern im Hinblick auf ihre Bedeutung und die durch die Unternehmen gegebene Zufriedenheitsbewertung untersucht. Die Abweichung der Zufriedenheitsbewertung zum Mittleren Niederrhein wird anhand der Bewertungslücke (Differenz zwischen der Note in Korschenbroich und dem Schnitt des Mittleren Niederrheins in den vergangenen fünf Jahren) gekennzeichnet. Eine große negative Lücke zeigt dabei an, dass die Bewertung in Korschenbroich schlechter ist als am Mittleren Niederrhein.
Da ein besonderes Augenmerk all jenen Faktoren gelten sollte, die von den Korschenbroicher Unternehmen als wichtig angesehen werden, werden die Faktoren in den folgenden Abschnitten absteigend nach ihrer Wertigkeit dargestellt. Um auch die individuelle Entwicklung des Standorts zu berücksichtigen, werden die Zufriedenheitsbewertungen der aktuellen Umfrage in Korschenbroich mit den Ergebnissen aus der letzten Befragung im Jahr 2021 verglichen.
Harte Standortfaktoren
Bewertung der harten Standortfaktoren*
-
2,86
Informations- und Kommunikationsinfrastruktur (Internet etc.)
-
2,01
Verkehrsanbindung an das Straßen- und Autobahnnetz
-
2,63
Zustand der überörtlichen Straßeninfrastruktur (Landstraßen, Autobahnen)
-
3,79
Energiekosten
-
3,08
Angebot an unternehmensnahen Dienstleistern
-
2,60
Nähe zu wichtigen Kunden
-
3,00
Möglichkeiten für nachhaltiges Wirtschaften am Standort
-
3,64
Miet- und Pachtpreise
*Die Note stellt den Durchschnitt aus allen Zufriedenheitsbewertungen der Unternehmen dar. Die Bewertung wurde auf einer Schulnotenskala von 1 bis 6 vorgenommen, wobei 1 eine Bewertung von „sehr gut“ darstellt und 6 für „ungenügend“ steht.
Bewertung der harten Standortfaktoren*
-
3,01
Verkehrsanbindung an den ÖPNV
-
3,16
Image und Bekanntheitsgrad des Standorts
-
3,88
Wohnungsangebot
-
3,82
Grundstückspreise
-
3,45
Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge
-
2,36
Verkehrsanbindung an den Luftverkehr
-
3,38
Verkehrsanbindung an die Schienenwege
*Die Note stellt den Durchschnitt aus allen Zufriedenheitsbewertungen der Unternehmen dar. Die Bewertung wurde auf einer Schulnotenskala von 1 bis 6 vorgenommen, wobei 1 eine Bewertung von „sehr gut“ darstellt und 6 für „ungenügend“ steht.
**2021 nicht abgefragt
Die harten Standortfaktoren erhielten in Korschenbroich eine durchschnittliche Zufriedenheitsnote von 3,11 und liegen damit leicht über dem regionalen Durchschnitt von 3,19.
Erfreuliche Entwicklung bei der digitalen Infrastruktur
Der mit Abstand wichtigste Standortfaktor für die Korschenbroicher Unternehmen ist die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur (Internet, Breitband, Mobilfunk etc.; Wichtigkeit: 1,93). Hier zeigt sich eine besonders positive Dynamik: Mit einer Note von 2,86 hat sich die Zufriedenheit im Vergleich zu 2021 (3,11) spürbar um 0,25 Notenpunkte verbessert. Damit bewerten die lokalen Unternehmen ihre digitale Anbindung auch spürbar besser als der Durchschnitt am Mittleren Niederrhein (3,07). Insbesondere in einer Zeit gestiegener Anforderungen an die Netzanbindung ist dies erfreulich.
Verkehrsanbindung: Straße stabil, Schiene verliert
Als zweitwichtigster Faktor folgt die Verkehrsanbindung an das Straßen- und Autobahnnetz (Wichtigkeit: 2,17). Diese wird mit der Note 2,01 weiterhin gut bewertet, wenngleich sich im Vergleich zu 2021 (1,94) eine minimale Verschlechterung um 0,07 Punkte zeigt. Der Zustand der überörtlichen Straßeninfrastruktur (Wichtigkeit: 2,45) wird mit 2,63 beurteilt, was einer Verschlechterung um 0,22 Notenpunkte gegenüber der letzten Umfrage entspricht. Hier spiegeln sich die vielen Baustellen und der verschlechterte Zustand des Straßennetzes in den Bewertungen wider.
Während die Verkehrsanbindung an den ÖPNV (Wichtigkeit: 3,01) mit einer Note von 3,01 stabil auf dem Niveau von 2021 blieb und sich die Anbindung an den Luftverkehr (Wichtigkeit: 3,93) sogar auf 2,36 verbesserte, sehen die Unternehmen die Schienenanbindung (Wichtigkeit: 4,42) zunehmend kritisch. Hier verschlechterte sich die Note um 0,85 Punkte auf 3,38. Hier dürfte insbesondere die Zuverlässigkeit der Bahnanbindungen für die Bewertungen eine wesentliche Rolle spielen.
Belastung durch Energiekosten steigt
Die Energiekosten zählen zu den Top-3 der wichtigsten harten Faktoren (Wichtigkeit: 2,45) und die Zufriedenheit sank hier deutlich von 3,18 im Jahr 2021 auf aktuell 3,79 (Verschlechterung um 0,61 Punkte). Dies ist insbesondere auf die erhöhten Energiekosten infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine zurückzuführen. Auch wenn dieser Standortfaktor kommunal kaum beeinflussbar ist, zeigt dies, wie bedeutend die Energiekosten für die Korschenbroicher Unternehmen sind.
Positivere Entwicklungen gibt es hingegen im Immobilienbereich: Die Miet- und Pachtpreise (Wichtigkeit: 2,95) werden mit 3,64 bewertet, was einer Verbesserung um 0,16 Punkte gegenüber 2021 entspricht. Auch bei den Grundstückspreisen (Wichtigkeit: 3,38) verbesserte sich die Bewertung spürbar um 0,23 Punkte auf die Note 3,82. Dies zeigt zumindest eine leichte Entspannung in diesem Segment, wenngleich die Bewertungen immer noch schlechter bleiben als im gesamten IHK-Bezirk im Schnitt, was auch mit der Lage und Beliebtheit der Stadt als Wohnort zu tun hat. Das Wohnungsangebot (Wichtigkeit: 3,17) blieb mit 3,88 weitgehend stabil auf dem Niveau von 2021. Dies ist insgesamt keine gute Note und spiegelt den Druck auf dem Wohnungsmarkt wider, der im gesamten Ballungsgebiet um die regionalen Großstädte zu finden ist. Vor allem für die Gewinnung und Bindung von Fachkräften ist dieser Aspekt für Unternehmen jedoch relevant.
Das Angebot an unternehmensnahen Dienstleistern (Wichtigkeit: 2,77) wird mit 3,08 bewertet (Verschlechterung um 0,12 Punkte). Die Möglichkeiten für nachhaltiges Wirtschaften am Standort (Wichtigkeit: 2,87) werden mit der Note 3,00 beurteilt, was einer Verschlechterung um 0,23 Punkte im Vergleich zu 2021 entspricht. Die Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge wird hingegen als weniger wichtig, jedoch im Vergleich zum restlichen IHK-Bezirk positiver bewertet. Das Image und der Bekanntheitsgrad des Standortes (Wichtigkeit: 3,07) verschlechterten sich leicht um 0,19 Punkte auf die Note 3,16.
Innerstädtische Standortfaktoren
Bewertung der innerstädtischen Standortfaktoren*
-
2,46
Sicherheit im Stadtzentrum
-
2,71
Stadtbild / Ortsbild
-
2,68
Einkaufsmöglichkeiten / Branchenmix
-
3,48
Parkplatzangebot
-
3,25
Zustand des innerstädtischen Straßennetzes
-
2,94
Innerstädtische Verkehrsverhältnisse / Mobilität
-
2,57
Höhe der Parkgebühren
-
2,86
Naherholungs- und Freizeitangebot
-
3,08
Kulturelles Angebot
* Die Note stellt den Durchschnitt aus allen Zufriedenheitsbewertungen der Unternehmen dar. Die Bewertung wurde auf einer Schulnotenskala von 1 bis 6 vorgenommen, wobei 1 eine Bewertung von „sehr gut“ darstellt und 6 für „ungenügend“ steht.
Die innerörtlichen Faktoren erreichen eine Durchschnittsnote von 2,89 und schneiden damit besser ab als der regionale Durchschnitt (3,01).
Sicherheit als wichtigster Aspekt – Stadtbild mit Einbußen
Der wichtigste Faktor in diesem Themenfeld ist die Sicherheit im Stadtzentrum / in den Ortszentren (Wichtigkeit: 2,42). Mit einer Note von 2,46 ist die Zufriedenheit deutlich besser als im restlichen IHK-Bezirk, was einen klaren Vorteil Korschenbroichs als ruhiger Stadt zeigt. Die Bewertung hat sich jedoch gegenüber 2021 (2,25) um 0,21 Punkte verschlechtert. Auch das zweitwichtigste Kriterium, das Stadtbild / Ortsbild (Wichtigkeit: 2,62), verzeichnet mit der Note 2,71 einen Rückgang der Zufriedenheit um 0,26 Punkte im Vergleich zur Vorumfrage (2,45). Als Ursache hierfür können vor allem verschiedene bauliche Maßnahmen aus den vergangenen Jahren gesehen werden.
Parkplatzsituation in der Innenstadt in deutlicher Kritik
Die Einkaufsmöglichkeiten und der Branchenmix (Wichtigkeit: 2,72) werden mit 2,68 bewertet und bleiben damit fast auf dem Niveau von 2021 (2,60). Deutlicher fallen die Veränderungen im Verkehrsbereich aus, insbesondere beim ruhenden Verkehr: Das Parkplatzangebot (Wichtigkeit: 2,76) wird mit 3,48 spürbar kritisch bewertet – dies ist eine starke Verschlechterung um 0,83 Punkte gegenüber 2021 (2,65). Unternehmen und besonders der Einzelhandel kritisieren hier insbesondere den zeitgleichen Wegfall verschiedener Parkmöglichkeiten in Korschenbroichs Innenstadt. Der nach dem Befragungszeitraum eröffnete Parkplatz mit 76 kostenfreien, zeitlich nicht befristet nutzbaren Parkflächen für Mitarbeiter, Kunden und Besucher in Zentrumsnähe ist ein Schritt zur Verbesserung. Auch der Zustand des innerstädtischen Straßennetzes (Wichtigkeit: 2,77) verschlechterte sich um 0,54 Punkte auf die Note 3,25. Die innerstädtischen Verkehrsverhältnisse (Wichtigkeit: 2,77) sanken um 0,29 Punkte auf 2,94. Die Höhe der Parkgebühren (Wichtigkeit: 2,84) wird mit 2,57 beurteilt (Verschlechterung um 0,32 Punkte), was insbesondere auch auf im Zeitraum der Umfrage eingeführte Parkscheiben-Regelungen in der Innenstadt zurückzuführen ist, die allerdings außerhalb des städtischen Regelungsbereichs liegen.
Freizeit- und Kulturangebote im regionalen Durchschnitt
Das Naherholungs- und Freizeitangebot (Wichtigkeit: 3,34) erhält die Note 2,86 (Verschlechterung um 0,19 Punkte). Das kulturelle Angebot (Wichtigkeit: 3,53) blieb mit einer Note von 3,08 nahezu konstant (2021: 3,03).
Kommunale Kosten und Leistungen
Bewertung der kommunalen Kosten und Leistungen*
-
3,91
Höhe des Gewerbesteuerhebesatzes
-
3,58
Höhe öffentlicher Gebühren
-
3,92
Höhe des Grundsteuerhebesatzes
-
3,06
Behördliche Reaktionszeiten
-
3,37
Digitalisierungsgrad der Kommunalverwaltung
-
2,98
Kommunikation mit der Kommunalverwaltung
-
2,88
Erreichbarkeit / Öffnungszeiten der Behörden
-
3,57
Bestandspflege ortsansässiger Betriebe
-
3,32
Service und (Netzwerk-)Angebote der Wirtschaftsförderung
-
3,57
Dauer von Plan- und Genehmigungsverfahren
* Die Note stellt den Durchschnitt aus allen Zufriedenheitsbewertungen der Unternehmen dar. Die Bewertung wurde auf einer Schulnotenskala von 1 bis 6 vorgenommen, wobei 1 eine Bewertung von „sehr gut“ darstellt und 6 für „ungenügend“ steht.
**2021 nicht abgefragt
In diesem Bereich liegt die Durchschnittsnote bei 3,41 (MNR-Durchschnitt: 3,53).
Steuerliche Belastung drückt auf die Stimmung
Die drei wichtigsten Faktoren in diesem Segment betreffen die Kostenbelastung. Am wichtigsten ist den Unternehmen die Höhe des Gewerbesteuerhebesatzes (Wichtigkeit: 2,21). Die Zufriedenheit sank auf 3,91, was einer Verschlechterung um 0,32 Punkte gegenüber 2021 entspricht. An zweiter Stelle folgt die Höhe öffentlicher Gebühren (Wichtigkeit: 2,34) mit einer Bewertung von 3,58 (kein Vergleichswert vorhanden, da Werte 2021 in anderer Form erhoben wurden). Die Höhe des Grundsteuerhebesatzes (Wichtigkeit: 2,35) wird mit 3,92 bewertet – auch hier eine Verschlechterung um 0,33 Punkte im Vergleich zu 2021 (3,58). Diese Bewertungen spiegeln die insgesamt gestiegenen Belastungen in den letzten Jahren und zeigen auch, dass die Unternehmen sehr wohl wahrnehmen, dass die Hebesätze in Korschenbroich zwar nicht im Verhältnis zu den Kommunen im Rhein-Kreis, aber vor allem im regionalen und insbesondere im Bundesvergleich bereits hoch sind.
Verwaltungshandeln und Erreichbarkeit positiv bewertet
Bei den Verwaltungsleistungen steht für die Unternehmen die behördliche Reaktionszeit (Wichtigkeit: 2,47) im Vordergrund. Diese wird aktuell mit 3,06 bewertet, was erheblich besser ist als der Durchschnitt im IHK-Bezirk (3,47). Der Wert entspricht einer Verschlechterung um 0,23 Punkte gegenüber 2021 (2,83), eine Tendenz, die seit der Corona-Pandemie jedoch in den Bewertungen aller Kommunen der Region zu finden ist. Der Digitalisierungsgrad der Kommunalverwaltung (Wichtigkeit: 2,56) erhält die Note 3,37. Die Kommunikation mit der Kommunalverwaltung (Wichtigkeit: 2,58) verschlechterte sich leicht um 0,17 Punkte auf 2,98. Die Erreichbarkeit der Behörden (Wichtigkeit: 2,61) wird mit 2,88 bewertet (2021: 2,71), die Dauer von Plan- und Genehmigungsverfahren (Wichtigkeit: 2,84) mit 3,57. Auffällig und positiv zu betonen ist an dieser Stelle, dass Korschenbroichs Verwaltung damit in fast allen Leistungsbereichen besser abschneidet als der IHK-Bezirksdurchschnitt.
Nur die Wahrnehmung der Wirtschaftsförderung hat sich verschlechtert: Die Bestandspflege ortsansässiger Betriebe (Wichtigkeit: 2,67) verschlechterte sich auf aktuell 3,57. Der Service und die (Netzwerk-)Angebote der Wirtschaftsförderung (Wichtigkeit: 2,70) wurden mit 3,32 ebenfalls kritischer gesehen als noch 2021. Aber: Angesichts der geringeren Personalausstattung als viele andere Kommunen im IHK-Bezirk ist es weiterhin als Erfolg zu sehen, dass die Durchschnittsbewertung nur leicht schwächer ist als im IHK-Bezirk.
Arbeitsmarktrelevante Faktoren
Bewertung der arbeitsmarktrelevanten Standortfaktoren*
-
2,61
Gutes Wohnumfeld für Mitarbeitende
-
2,78
Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf
-
3,21
Lernqualität an den allgemeinbildenden Schulen
-
3,05
Lernqualität an den Berufsschulen
-
2,91
Weiterbildungsangebot
-
2,61
Angebot an (Fach-)Hochschulen im Umkreis (z. B. Fontys, HS Niederrhein, etc.)
-
3,20
Qualifikation der lokalen Arbeitskräfte
-
3,56
Lokale Verfügbarkeit von Arbeitskräften
-
3,10
Zusammenarbeit: Betriebe – Schulen
* Die Note stellt den Durchschnitt aus allen Zufriedenheitsbewertungen der Unternehmen dar. Die Bewertung wurde auf einer Schulnotenskala von 1 bis 6 vorgenommen, wobei 1 eine Bewertung von „sehr gut“ darstellt und 6 für „ungenügend“ steht.
**2021 nicht abgefragt
Die arbeitsmarktrelevanten Faktoren schneiden mit 3,00 besser ab als der regionale Durchschnitt (3,16). Erfreulicherweise werden alle Faktoren dieses Themenfeldes besser bewertet als im IHK-Bezirk im Durchschnitt.
Wohnumfeld als Stärke
Der wichtigste Faktor in diesem Themenfeld ist ein gutes Wohnumfeld für Mitarbeitende (Wichtigkeit: 2,40). Dieser Aspekt wird von den Unternehmen mit einer guten Note von 2,61 bewertet. An zweiter Stelle steht die Vereinbarkeit von Familie und Beruf (Kita, OGS etc.; Wichtigkeit: 2,50). Die Bewertung verbesserte sich geringfügig von 2,89 im Jahr 2021 auf aktuell 2,78.
Die Lernqualität an den allgemeinbildenden Schulen (Wichtigkeit: 2,53) wird mit 3,21 bewertet – eine Verschlechterung um 0,32 Punkte gegenüber 2021. Die Lernqualität an den Berufsschulen (Wichtigkeit: 2,57) verschlechterte sich ebenfalls leicht auf 3,05. Das Weiterbildungsangebot (Wichtigkeit: 2,63) erhielt die Note 2,91 und blieb damit weitgehend stabil.
Fachkräftemangel auch in Korschenbroich
Die Wahrnehmung der Qualifikation der lokalen Arbeitskräfte (Wichtigkeit: 2,71) wird mit 3,20 bewertet. Die lokale Verfügbarkeit von Arbeitskräften (Wichtigkeit: 2,87) wird hingegen seit 2021 etwas kritischer gesehen und verschlechterte sich um 0,23 Punkte auf 3,56, was vor allem den allgemeinen Fachkräftemangel widerspiegelt.
Das Angebot an (Fach-)Hochschulen im Umkreis (Wichtigkeit: 2,69) verbesserte sich in der Wahrnehmung der Unternehmen auf 2,61. Die Zusammenarbeit zwischen Betrieben und Schulen (Wichtigkeit: 3,11) blieb mit einer Note von 3,10 auf dem Niveau der letzten Umfrage.
Fazit und Handlungsempfehlungen
Die Ergebnisse der Standortanalyse 2026 zeichnen das Bild eines wirtschaftlich robusten, aber vor Herausforderungen stehenden Standorts. Mit einer Gesamtnote von 2,62 bewerten die Unternehmen Korschenbroich weiterhin positiv und besser als den Durchschnitt des Mittleren Niederrheins (2,69). Dennoch ist der Trend im Vergleich zur letzten Erhebung im Jahr 2021 (Note 2,41) rückläufig.
Zu den klaren Stärken Korschenbroichs zählen die hohe Wohn- und Lebensqualität, die überdurchschnittliche Kaufkraft sowie eine Verwaltung, die in puncto Erreichbarkeit und Reaktionsschnelligkeit im regionalen Vergleich punktet. Besonders erfreulich ist der deutliche Fortschritt bei der digitalen Infrastruktur, der zeigt, dass Investitionen in diesem Bereich bei den Betrieben ankommen.
Demgegenüber stehen jedoch wachsende Unzufriedenheiten: Die hohe Steuerbelastung (Gewerbe- und Grundsteuer) drückt auf die Stimmung. Auch die Verkehrssituation – insbesondere das Parkplatzangebot in den Zentren und der Zustand der Straßen – wird zunehmend kritisch gesehen.
Um die Wettbewerbsfähigkeit Korschenbroichs langfristig zu sichern und den negativen Trends entgegenzuwirken, leitet die IHK Mittlerer Niederrhein aus den Umfrageergebnissen folgende Handlungsempfehlungen ab:
1. Steuerbelastung begrenzen – Wettbewerbsfähigkeit nicht gefährden
Die Unzufriedenheit mit den Hebesätzen der Gewerbe- und Grundsteuer hat signifikant zugenommen. Korschenbroich bewegt sich hier mittlerweile auf einem Niveau, das von den Unternehmen im regionalen Vergleich und auch im Vergleich zum Niveau in anderen Bundesländern als Standortnachteil wahrgenommen wird. Politik und Verwaltung sollten bei künftigen Haushaltsplanungen weitere Steuererhöhungen vermeiden. Um im Standortwettbewerb mit den umliegenden Kommunen attraktiv zu bleiben, muss die fiskalische Belastungsgrenze der Unternehmen respektiert werden. Ziel muss eine Konsolidierung der Finanzen durch Ausgabendisziplin oder die Verbreiterung der Steuerbasis durch neue Ansiedlungen sein.
2. Steuerbasis verbreitern – Gewerbeflächen ausweisen
Die aktuellen Diskussionen um Steuererhöhungen in Korschenbroich zeigen, dass vor allem neue Ansiedlungen zu einer Verbesserung der Finanzlage der Kommune führen dürften. Positiv bewerten wir, dass die Verwaltung die Entwicklung des Gewerbegebiets „Glehner Heide II“ zeitnah vorantreiben möchte und bereits kurzfristig mit einem zusätzlichen Gewerbesteueraufkommen von rund einer Million Euro rechnet. In den Regionalplan sollte ein Gewerbe- und Industrieansiedlungsgebiet im Bereich Hasseldamm aufgenommen werden. Dieser Standort ist aufgrund seiner großen Entfernung zu Wohngebieten für emittierende Unternehmen prädestiniert. Zudem verfügt er über eine gute Verkehrsanbindung an das überörtliche Straßennetz. Der Flughafen Mönchengladbach ist einer der größten General Aviation Airports in Deutschland und bietet ein erhebliches Potenzial, um innovative Ansätze in der Luftfahrt voranzutreiben. Der Standort ist strukturwandelrelevant und soll als Ankerprojekt der Landesregierung im Bereich Aviation über das regionale Umfeld hinaus Strahlkraft entwickeln. Hierfür müssen sowohl auf dem Gelände selbst als auch im weiteren Umfeld Gewerbeflächen zur Verfügung stehen. Wir befürworten eine interkommunale Zusammenarbeit der Städte Mönchengladbach, Willich und Korschenbroich.
3. Erreichbarkeit sichern – Parkraum- und Verkehrskonzepte optimieren
Die drastische Verschlechterung der Zufriedenheit mit dem Parkplatzangebot (-0,83 Notenpunkte) und den innerstädtischen Verkehrsverhältnissen ist ein Alarmsignal, insbesondere für den Einzelhandel und die frequenzabhängigen Dienstleister. Die IHK regt an, das Parkraumkonzept in den Ortszentren unter Einbeziehung der Händlerschaft und Gewerbetreibenden erneut zu evaluieren. Es gilt, eine Balance zwischen baustellenbedingten Belastungen und der notwendigen Erreichbarkeit für Kunden und Lieferanten zu finden
4. Innenstadt stärken – Kaufkraft binden
Die Diskrepanz zwischen hoher Kaufkraft und niedriger Einzelhandelszentralität (70,1) verdeutlicht das ungenutzte Potenzial am Standort. Kaufkraft fließt in hohem Maße in die Umlandkommunen ab. Um die Ortskerne lebendig zu halten, müssen die Rahmenbedingungen für Einzelhandel und Gastronomie attraktiv bleiben. Neben der bereits genannten Erreichbarkeit zählen dazu eine hohe Aufenthaltsqualität und ein aktives Citymanagement. Bauliche Maßnahmen sollten stets auch ihre Verträglichkeit mit den gewerblichen Interessen berücksichtigen.
5. Dialog intensivieren – Wirtschaftsförderung als Kümmerer stärken
Die Bewertung der Bestandspflege ortsansässiger Betriebe hat sich verschlechtert. In wirtschaftlich herausfordernden Zeiten erwarten Unternehmen eine proaktive Ansprache und Unterstützung durch die Verwaltung. Die Wirtschaftsförderung sollte ihre Rolle als zentraler Ansprechpartner und „Kümmerer“ wieder stärker in den Fokus rücken. Dazu gehören regelmäßige Unternehmensbesuche, ein aktives Flächenmanagement für expandierende Betriebe sowie Formate zum Austausch und Netzwerken. Eine sichtbare und ansprechbare Wirtschaftsförderung ist ein effektives Instrument zur Unternehmensbindung. Die personelle Stärkung der Wirtschaftsförderung ist dafür eine echte Chance.
6. RAL Gütezeichen Mittelstandsorientierte Kommunalverwaltung angehen
Viele Standortfaktoren aus dem Bereich der Kommunalen Leistungen bewerten die Betriebe besser als im Durchschnitt am Mittleren Niederrhein. In einer Zeit schwindender Wettbewerbsfähigkeit können Kommunen mit einer wirtschaftsfreundlichen Verwaltung den Unterschied ausmachen. Eine effiziente, serviceorientierte und wirtschaftsfreundliche Kommunalverwaltung ist für die Unternehmen in Zeiten von Überregulierung und langwierigen Planungs- und Genehmigungsverfahren enorm wichtig. Gleichzeitig können sich Kommunalverwaltungen im Wettbewerb um Unternehmensansiedlung profilieren und sich Vorteile verschaffen, wenn sie auf Wirtschaftsfreundlichkeit setzen. Das RAL Gütezeichen Mittelstandsorientierte Kommunalverwaltung ist das ideale Instrument, um diese Win-win-Situation zu schaffen. Wir empfehlen der Stadt Korschenbroich, dem Verein Gütegemeinschaft Mittelstandsorientierte Kommunalverwaltung beizutreten und sich als mittelstandsorientierte Kommunalverwaltung zu zertifizieren. Die Ergebnisse zeigen, dass Korschenbroich gute Chancen hat, das Siegel zu erlangen.
7. Standortvorteile für Fachkräftegewinnung nutzen
Der Fachkräftemangel ist auch in Korschenbroich das dominierende Risiko für die geschäftliche Entwicklung. Hier kann die Stadt mit ihren weichen Standortfaktoren punkten. Die gute Bewertung des Wohnumfeldes (Note 2,61) ist ein Pluspunkt im Wettbewerb um Talente. Die Stadt sollte dies fördern, indem sie weiterhin attraktiven Wohnraum schafft und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf (Kita/OGS) weiter verbessert. Eine enge Verzahnung von Schulen und lokaler Wirtschaft kann zudem helfen, Ausbildungspotenziale vor Ort zu heben.
Sie haben Fragen zu dieser Standortanalyse? Wir helfen Ihnen gerne weiter!
Kontakt-
Gregor Werkle
Bereichsleiter Wirtschaftspolitik
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Dr. Anna Kindsmüller
Referentin Wirtschaftspolitik
Webcode: P883