Gewerbeflächenentwicklung in Neuss
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein geht nicht davon aus, dass die von der Neusser Stadtverwaltung vorgestellten Ansätze zur Gewerbeflächenentwicklung ausreichen werden, um den großen Bedarf der Unternehmen zu decken. Der Einstieg in eine konkrete Strategie zur Entwicklung und Bereitstellung von Gewerbeflächen wird von der IHK ausdrücklich begrüßt. Allerdings bleibe der Umfang der vorgeschlagenen Flächenentwicklung hinter den selbst gesetzten Zielen der Stadt zurück und könne nur „ein erster Schritt“ sein. Das sind die wesentlichen Aussagen einer IHK-Stellungnahme zu einer entsprechenden Beschlussvorlage der Verwaltung. IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz hat die Analyse nun der Stadtverwaltung und den Ratsfraktionen zukommen lassen, bevor die Beschlussvorlage in der kommenden Woche im Wirtschaftsausschuss vorgestellt wird.
„Wenn in Neuss die Gewerbesteuer auf stabil hohem Niveau bleiben soll, wenn die Arbeits-losenquote weiter reduziert und damit die Transferzahlungen niedrig gehalten werden sol-len, wenn die Angebote im Bereich der Daseinsvorsorge erhalten und die starke Position der Stadt Neuss als Gewerbe- und Industriestandort an der Rheinschiene gesichert werden soll, dann zieht dies auch ein klares Bekenntnis der Neusser Politik für Gewerbe- und Industrieflächen nach sich“, heißt es in dem IHK-Papier. Steinmetz verweist darauf, dass Gewerbe- und Industrieflächen rund 7 Prozent der Gesamtflächen Neuss in Anspruch nehmen – das ist weniger als für Sport, Freizeit und Erholung. „Produktionsunternehmen aus Neuss suchen seit Jahren vergeblich nach Gewerbeflächen“, so der IHK-Hauptgeschäftsführer.
Die IHK unterstütze die Zielsetzung einer flächensparenden und nachhaltigen Gewerbeflächenentwicklung, heißt es in der Stellungnahme weiter. Dazu gehöre insbesondere die Reaktivierung von Brachflächen, die Nachverdichtung bestehender Standorte und die Nutzung von Flächenpotenzialen im Bestand. „Gleichzeitig muss anerkannt werden, dass diese Ansätze allein den nachgewiesenen Flächenbedarf der Wirt-schaft nicht decken können und in der Praxis nicht immer kurzfristig umsetzbar sind“, so die IHK. Daher gelte der Grundsatz: „Ansiedlung braucht Flächen.“
Vor diesem Hintergrund seien die vorgeschlagenen Flächen „ein guter Anfang, um eine Gewerbeflächenpolitik in Neuss zu starten, bleiben aber in ihrer Dimension hinter den selbst gesteckten Zielen der Neusser Politik aus der Absichtserklärung von 2023 zurück“, betont die IHK. „Von den im Gutachten genannten vier Suchräumen werden lediglich drei zur Beschlussfassung vorgeschlagen. Von diesen drei Flächen sollen zudem nur die ersten Abschnitte beschlossen werden.“ Insgesamt sollen von 126 Hektar Potenzialflächen nur 37 Hektar neue Gewerbe- und Industrieflächen entwickelt werden. Diese stehen zudem unter Restriktionen, und es sei ungewiss, ob die vorgeschlagenen 37 Hektar in echte Flächenausweisungen münden.
Daher plädiert die IHK dafür, die in dem Gutachten vorgeschlagenen vier Suchräume für Gewerbe und Industrie sowie die Option im Hammfeld II politisch zu beschließen. Dies betrifft konkret folgende Potenzialflächen: Grefrath Ost II (ca. 20 Hektar), Hoisten-Süd (ca. 44 Hektar), Erweiterung Gewerbegebiet Kreitzweg (ca. 32 Hektar), Erweiterung Gewerbegebiet Derikum (ca. 25 Hektar) und Gebietsumwandlung Hammfeld II (ca. 5 Hektar). „Das würde die Stadt in die Lage versetzen, bei Hindernissen in der Umsetzung flexibel agieren zu können“, bemerkt Steinmetz.
Gleichzeitig wirbt die IHK dafür, vorhandene Gewerbe- und Industriestandorte langfristig zu erhalten, damit neue Flächeninanspruchnahmen auf ein notwendiges Maß begrenzt bleiben. Insbesondere das Gebiet des Neusser Hafens gelte es, dauerhaft zu sichern und diesem landesbedeutsamen Standort für trimodale Logistik neue Entwicklungsperspektiven zu ermöglichen.
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