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Zukunftsfähigkeit von Gewerbegebieten

Eine „gute Adresse“ ist ein wichtiger Standortfaktor für ein Unternehmen: Gewerbegebiete mit modernem Umfeld, schnellem Internet, guter Verkehrsanbindung und nachbarschaftlichen Unternehmernetzwerken locken sowohl Kunden als auch potenzielle Mitarbeitende an. Dagegen sorgen Leerstände, mangelnde städtebauliche Qualität oder schlechte ÖPNV-Anbindung häufig für schlechte Noten bei Folgenutzern, Beschäftigten und Kunden.

In diesem Beitrag geben wir Hinweise darauf, wie Sie erkennen können, ob Ihr Unternehmensstandort zukunftsfähig ist, und Tipps, für eine erfolgreiche Modernisierung und Weiterentwicklung von Gewerbegebieten.

Welche Nutzungs- und Entwicklungshemmnisse können in den Gewerbegebieten auftreten?

Die Funktionstüchtigkeit von Gewerbegebieten ist für die wirtschaftliche Entwicklung der ansässigen Unternehmen, aber auch für Kommunen von zentraler Bedeutung. Dennoch gibt es Gewerbestandorte, die aufgrund verschiedener Ursachen einen Funktionsverlust erfahren oder zumindest gefährdet sind. Unternehmensbefragungen und Befragungen kommunaler Entscheider und Stadtplaner zeigen, dass bestimmte Faktoren an verschiedensten Orten immer wieder als besonders bedeutend hervorgehoben werden.

Ein silberfarbenes Elektroauto wird an einer öffentlichen Ladestation aufgeladen. Ein orangefarbenes Ladekabel verbindet das Fahrzeug mit der Station. Im Hintergrund sind grüne Bäume, Büsche und Sonnenschein zu sehen, was eine umweltfreundliche und moderne Mobilitätsszene vermittelt.
E-Ladesäulen sind heute in modernen Gewerbegebieten unverzichtbar.

Verkehr

Die verkehrliche Erschließung von Gewerbegebieten ist ein zentraler Aspekt für die Standortqualität. In diesem Punkt können bestehende Gewerbegebiete häufig nicht mehr die heutigen Anforderungen erfüllen. Mängel treten dabei häufig in der Erreichbarkeit des Gewerbegebiets mit Pkw und Lkw auf, aber auch beim Stellplatzangebot im öffentlichen Raum, der Anbindung an das ÖPNV-Netz und dem Angebot an Bausteinen für die Elektromobilität.

Flächenverfügbarkeit und Flächenknappheit

Flächenpotenziale in Form von Freiflächen, Leerständen oder mindergenutzten Grundstücken erweisen sich häufig als nur eingeschränkt verfügbar. Zudem bedarf es vor dem Hintergrund der Flächenknappheit eines Umdenkens: Firmenparkplätze können durch Parkdecks intensiver genutzt werden; die Aufstockung vorhandener Gebäude kann eine andere Lösung zur Bewältigung von fehlenden Erweiterungsflächen darstellen.

Nutzungskonkurrenz

Häufig konkurriert die Gewerbenutzung in gewachsenen Gewerbe- und Industriegebieten mit anderen Nutzungen, wie beispielsweise einer benachbarten Wohnbebauung. Die Risiken und Konsequenzen sind offensichtlich: Reduzierung der Flächen für gewerbliche Nutzungen, Konfliktpotenzial durch unterschiedliche Ansprüche an das Umfeld, Verdrängung des produzierenden Gewerbes, des Handwerks und der produktionsnahen Dienstleister.

Fehlende Attraktivität für Beschäftigte, Unternehmerinnen und Unternehmer

Ein entscheidender Faktor für Unternehmen ist die Gewinnung von Fachkräften. Dabei spielt die Attraktivität des Arbeitsortes eine zunehmend bedeutendere Rolle. Die Ansprüche, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an ihren Arbeitsort stellen, sind gestiegen und vielseitiger geworden. Im Fokus steht die Vereinbarkeit des Berufs mit Familie und Freizeitgestaltung. Dabei ist unter anderem das Vorhandensein von Kinderbetreuungsangeboten, Gastronomiebetrieben und Kiosken, aber auch von begrünten Aufenthalts- und Pausenbereichen von Bedeutung.

Für Unternehmen sind zudem eine gute Breitbandverfügbarkeit und neue Mobilitätskonzepte für den Waren-, Kunden- und Mitarbeiterverkehr wichtig. In diesem Punkt besteht oftmals in älteren Gewerbegebieten Nachholbedarf.

Mangelhaftes Erscheinungsbild und Image-Defizit

Gewerbestandorte mit Funktionsschwächen sind oft an ihrem wenig attraktiven Erscheinungsbild zu erkennen, das mit einem Image-Defizit einhergeht. Dies betrifft sowohl Betriebsgrundstücke als auch den öffentlichen Raum. Ungeordnete und wenig gepflegte Betriebe wirken sich dabei negativ auf das gesamte Gebiet aus. Auch leerstehende oder mindergenutzte Grundstücke lassen einen negativen Eindruck bei Kunden und interessierten Unternehmerinnen und Unternehmern zurück.

Im öffentlichen Raum wurde in den älteren Gewerbegebieten zudem wenig Wert auf die städtebauliche Qualität gelegt. Dabei kann das gute äußeres Erscheinungsbild eines Gewerbegebietes dazu beitragen, die Wahrnehmung des Standortes zu verbessern und identitätsstiftend zu sein.

Hinweis

Checkliste

Wir empfehlen Ihnen, in einem ersten Schritt die Nutzungs- und Entwicklungshemmnissezu identifizieren. Dabei kann Ihnen die Checkliste in der IHK-Broschüre „Zukunftsfähigkeit von Gewerbegebieten“ helfen. Damit können Sie prüfen, ob an Ihrem Standort Handlungsbedarf besteht.

Hinweis

Welche Lösungsansätze gibt es?

Sofern Sie für Ihren Unternehmensstandort Nutzungs- und Entwicklungshemmnisse identifiziert haben, raten wir Ihnen, diese mit konkreten Maßnahmen anzugehen. Maßnahmenbeispiele haben wir für Sie in unserer IHK-Broschüre  „Zukunftsfähigkeit von Gewerbegebieten“ (PDF, nicht barrierefrei, 4 MB) zusammengefasst. Die Maßnahmen betreffen vier wesentliche Themenschwerpunkte.

Wie sehen die ersten Schritte auf dem Weg zu einem zukunftsfähigen Gewerbegebiet aus?

Nachdem Sie sich über mögliche Lösungsansätze informiert haben, stellt sich nun die Frage, wie Sie diese strukturiert umsetzen können.

1. Netzwerkbildung

Der erste und gleichzeitig wichtigste Schritt zur Durchführung erfolgsversprechender Maßnahmen in Ihrem Gewerbegebiet ist die Netzwerkbildung. Ohne die Kooperation von ansässigen Unternehmen und städtischen Vertretern verringern sich die Erfolgsaussichten. In der Broschüre „Zukunftsfähigkeit von Gewerbegebieten“ (PDF, nicht barrierefrei, 4 MB) wird der Ablauf zur Bildung einer Netzwerkinitiative aufgezeigt.

2. IST-Analyse

Um einen ersten Überblick über die Nutzungs- und Entwicklungshemmnisse in Ihrem Gewerbegebiet zu erhalten, eignen sich Befragungen und Gespräche mit relevanten Akteuren. Dies können benachbarte Unternehmen, deren Mitarbeitende oder regionale Wirtschaftsexpertinnen und -experten (z. B. von der Wirtschaftsförderung oder Ihrer örtlichen IHK) sein. Auf Grundlage der Befragungen lassen sich Handlungsbedarfe ermitteln und Maßnahmen entwickeln.

3. Konzeptbearbeitung

Vor allem in Gebieten, in denen eine Vielzahl an Projekten durchgeführt werden, ist eine konzeptionelle Grundlage in Form eines Masterplans oder ähnlichem eine unabdingbare Voraussetzung. Solche informellen Konzepte identifizieren durch eine Aufnahme des IST-Zustandes vorhandene Probleme des Gewerbegebietes. Darauf aufbauend, enthalten sie einen Katalog an konkreten Maßnahmen, die zu einer zukunftsfähigen Entwicklung des Gebietes beitragen. Das Konzept sollte gemeinsam von Unternehmen, Stadtplanern und Wirtschaftsförderern erarbeitet werden. Klären Sie vorab, ob und in welcher Höhe die Kommune die Kosten hierfür übernimmt. Sprechen Sie auch Ihre örtliche IHK an.

4. Immobilien- und Standortgemeinschaft

Informieren Sie sich bei Ihrer IHK über die Möglichkeit zur Gründung einer Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG). Eine ISG ist ein Zusammenschluss von Immobilieneigentümern und Gewerbetreibenden, mit dem gemeinsamen Ziel einer Aufwertung des Gebietes durch private Projekte. Eine ISG kann sowohl freiwillig als auch auf gesetzlicher Grundlage bestehen. Der Vorteil einer gesetzlichen ISG: Die Finanzierung der Maßnahmen erfolgt durch eine Umlage unter allen Eigentümern im Gebiet.

Immobilien- und Standortgemeinschaften gibt es in NRW bisher vor allem in Innenstädten, obwohl der Gesetzgeber Gewerbezentren ausdrücklich als Ort für eine ISG hervorhebt. Seien Sie mutig! Bei einer aktiven und kooperativen Unternehmerschaft und engagierten Immobilieneigentümern kann das Instrument der Immobilien- und Standortgemeinschaften einen maßgeblichen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit Ihres Gewerbegebietes liefern.

Gemeinsam mit den Kommunen in unserem IHK-Bezirk setzen wir uns für zukunftsfähige Gewerbegebiete ein. Gerne nehmen wir Ihre Anregungen entgegen. Sprechen Sie uns bei Bedarf an!

Kontakt

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