IHK-Campus Zukunft vorgestellt
Für die Berufliche Bildung wird er Strahlkraft weit über die Grenze der Region hinaus haben, für die Stadt Neuss wird er als städtebauliche Landmark eine enorme Bereicherung sein, und für das Rheinische Revier wird er der sichtbare Beleg, dass die Region den Wandel engagiert gestaltet: der IHK-Campus Zukunft auf dem Wendersplatz. Wer das Projekt der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein im Schulterschluss mit der Stadt Neuss umsetzen wird, ist nun entschieden. Den Zuschlag hat die Thomas Müller Ivan Reimann Architekten GmbH in Berlin bekommen. Vier Architekturbüros hatten Angebote eingereicht. Eine sechsköpfige Jury mit jeweils drei Vertreterinnen und Vertretern der IHK und der Stadt Neuss hat die Entwürfe bewertet. Das Verfahren war an Qualität, Leistungsfähigkeit und objektiven Kriterien ausgerichtet. „Der Entwurf der Thomas Müller Ivan Reimann Architekten GmbH überzeugt durch einen besonders innovativen Ansatz und die gelungene Einbindung in das Umfeld am Wendersplatz. Der Entwurf gibt unserem Anspruch an einen offenen und zukunftsgerichteten Campus eine starke architektonische Form“, erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. Bürgermeister Reiner Breuer ergänzte: „Der Wendersplatz wird künftig eine besondere Scharnierfunktion übernehmen: Er bildet den Übergang vom Markt und der Innenstadt zum neuen Bürgerpark. Genau an dieser wichtigen Verbindung wird der IHK-Campus dauerhaft für Begegnung, Austausch und Belebung sorgen. Damit gewinnt nicht nur der Wendersplatz, sondern die gesamte Neusser Innenstadt einen attraktiven neuen Anziehungspunkt.“
Wodurch zeichnet sich der Siegerentwurf aus? Das Konzept basiert auf den Leitideen Offenheit, Kommunikation, Flexibilität und Nachhaltigkeit. „Wir schaffen eine offene Bildungswerkstatt mitten in der Stadt. Das Gebäude ist kein abgeschlossenes, unveränderliches Haus, sondern vielmehr ein flexibles Werkzeug, das sich unterschiedlichen Nutzungen und zukünftigen Anforderungen anpassen kann“, erläuterte Ivan Reimann, Gesellschafter der Thomas Müller Ivan Reimann Architekten GmbH. „Die transparente Fassade, die sichtbaren Aktivitäten im Inneren und offene Begegnungsräume schaffen eine direkte Verbindung zwischen Lernen, Arbeiten und Stadt. Zugleich verbindet sich in dem architektonischen Ausdruck eine robuste, industrielle Materialität mit einem nachhaltigen Energiekonzept.“
Herzstück des Hauses ist ein über drei Geschosse reichendes Foyer mit offener Treppe, das als zentraler Begegnungsort die verschiedenen Nutzungen räumlich miteinander verknüpft. Großzügige, flexibel teilbare Flächen ermöglichen eine langfristige Anpassung an künftige Anforderungen. Die Architektur verbindet ein transparentes Tragwerk mit Holz-, Stahl- und begrünten Fassadenelementen. Die rötlich-braune Fassadengestaltung nimmt Bezüge zum Hafen auf. Begrünte Dachterrassen und ein Dachgarten schaffen zusätzliche Aufenthaltsqualität mit Ausblick über Stadt und Hafen.
Nachhaltigkeit prägt den Entwurf in allen Bereichen: CO₂-reduzierte und recycelbare Baustoffe, eine Holz-Hybridbauweise, modulare Konstruktionen, Regenwasserrückhaltung und Photovoltaik minimieren den Ressourcenverbrauch. Ergänzt wird dies durch ein energieeffizientes Heiz-, Kühl- und Lüftungskonzept mit Wärmepumpen, möglicher Grundwassernutzung und Speicherlösungen. Die technische Infrastruktur ist zudem so angelegt, dass künftig Synergien mit weiteren Gebäuden des Campus’ genutzt werden können.
Auf rund 4.000 Quadratmetern Fläche sollen ab 2029 junge Menschen Berufe entdecken und ihre Stärken kennenlernen, Auszubildende Zukunftskompetenzen entwickeln, Fachkräfte neue Technologien kennenlernen und Unternehmen innovative Bildungs- und Weiterbildungsformate nutzen. Vier XR-Werkstätten ermöglichen das Training an virtuellen Maschinen und Anlagen. Komplexe oder gefährliche Arbeitsschritte können so realitätsnah und ohne Risiko geübt werden. In drei Games Learn Labs werden technische und betriebswirtschaftliche Prozesse simuliert. Die Teilnehmenden steuern digitale Lieferketten, reagieren auf Cyber-Angriffe oder erproben Entscheidungen in Transformationsprozessen. Ein Art Thinking Showroom macht zukünftige Berufsbilder und Transformationsszenarien sichtbar. Er dient als inspirierender Ausgangspunkt für die strategischen Dialogformate mit Unternehmen, in denen die Zukunft von Ausbildungsberufen in den kommenden zehn Jahren und darüber hinaus gemeinsam gestaltet werden. Drei digitale Studios werden Podcasts, Lernvideos, Tutorials und hybride Bildungsangebote ermöglichen. Auszubildende können dort selbst zu Botschafterinnen und Botschaftern ihrer Berufe werden. Hinzu kommen Räume für kreative und agile Arbeitsformen, ein Veranstaltungsbereich sowie ein Community-Bereich für Beratung, Austausch und Vernetzung.
Zu den unmittelbaren Zielgruppen für den Campus zählen rund 35.000 Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 bis 13, etwa 11.600 Auszubildende sowie rund 300.000 Beschäftigte im Bezirk der IHK Mittlerer Niederrhein (Krefeld, Mönchengladbach, Rhein-Kreis Neuss und Kreis Viersen). Das Investitionsvolumen beträgt rund 55 Millionen Euro. Nach einem entsprechenden Beschluss ihrer Vollversammlung zum Ankauf des Grundstücks der Stadt Neuss und entsprechendem Beschluss des Neusser Stadtrates hatte sich die IHK für die Errichtung des IHK-Campus Zukunft auf den Förderaufruf REVIER.GESTALTEN beworben. Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen sowie die Bezirksregierung Köln und die Zukunftsagentur Rheinisches Revier hatten die grundsätzliche Förderwürdigkeit des Campus-Projekts bestätigt und eine Förderung in Aussicht gestellt.
„Der geplante Campus Bildung und Innovation der IHK Mittlerer Niederrhein leistet aus Sicht des nordrhein-westfälischen Arbeitsministeriums wertvolle, strukturpolitische Beiträge: Er wird die regionale Wirtschaft aktiv bei der Fachkräftesicherung unterstützen und Lernenden den Zugang zu Kompetenzen eröffnen, die für einen transformativen Arbeitsmarkt essenziell sind. Der Campus unterstreicht die Bedeutung der beruflichen Bildung für die Zukunft unseres Landes. Modernste und innovative Bildungszentren helfen dabei, junge Menschen für die Chancen der dualen Ausbildung zu begeistern“, erklärte Matthias Heidmeier, Staatssekretär im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales.
Bodo Middeldorf, Geschäftsführer der Zukunftsagentur Rheinisches Revier, fügte hinzu: „Mit dem Campus für Bildung und Innovation entsteht in Neuss eines der bedeutsamsten Projekte zur Stärkung der Bildungslandschaft im gesamten Rheinischen Revier. Die IHK Mittlerer Niederrhein setzt damit einen Meilenstein für die Vorbereitung der Region auf die Herausforderungen einer sich wandelnden Arbeitswelt und übernimmt Verantwortung für das Gelingen des Strukturwandels. Der Standort inmitten der Innenstadt von Neuss und der architektonische Anspruch unterstreichen die Bedeutung und die überregionale Strahlkraft des Vorhabens.“
Ansprechpartner zum Thema
Kontakte-
Wolfgang Schmitz
Architekt für den IHK-Campus Zukunft
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Lutz Mäurer
Bereichsleiter Öffentlichkeitsarbeit
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