Zum Hauptinhalt springen

Stellungnahme der Stadt geht an IHK-Kritik vorbei

12.08.2026

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein weist darauf hin, dass in der Stellungnahme des Krefelder Stadtdirektors Markus Schön zu den Investitionen in die Berufskollegs der eigentliche Kern der Debatte nicht thematisiert wird. Entgegen der Darstellung des Stadtdirektors geht es der IHK nicht um bereits erfolgte Ausgaben für Schulen und Berufskollegs. Die IHK kritisiert vielmehr, dass bei der Priorisierung der zusätzlichen Mittel aus dem Sondervermögen die Berufskollegs zu kurz kommen. „Die Investitionen der vergangenen Jahre in die Krefelder Schulen und Berufskollegs waren notwendig und richtig“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. „Unsere Frage lautet jedoch nicht, was in der Vergangenheit getan wurde. Entscheidend ist, welche Prioritäten heute gesetzt werden, um die Zukunft Krefelds und die Fachkräftesicherung von morgen zu stärken.“

Laut dem Stadtdirektor wurden in Krefeld innerhalb von fünf Jahren rund 26 Millionen Euro in die Berufskollegs investiert. Bei 8.650 Schülerinnen und Schülern entspricht dies einem Investitionsvolumen von knapp 610 Euro pro Schüler und Jahr. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes wurden zuletzt deutschlandweit über alle Schulformen hinweg durchschnittlich rund 1.000 Euro pro Schüler und Jahr investiert. „Mir geht es ausdrücklich nicht darum, die Investitionen der Vergangenheit zu bewerten“, betont Steinmetz. „Wir möchten, dass die Berufskollegs in Krefeld eine Top-Priorität bleiben. Der aktuelle Haushaltsplanentwurf und die vorgesehene Verwendung der Mittel aus dem Sondervermögen deuten jedoch darauf hin, dass dies derzeit nicht der Fall ist.“

Nach Auffassung der IHK kommt den Berufskollegs eine Schlüsselrolle bei der Sicherung von Fachkräften zu. Sie seien ein zentraler Baustein des dualen Ausbildungssystems und müssten kontinuierlich weiterentwickelt werden. Die Anforderungen an moderne berufliche Bildung veränderten sich fortlaufend, weshalb Gebäude, technische Ausstattung und Lernumgebungen regelmäßig an neue Entwicklungen angepasst werden müssten.

Dass hier weiterer Handlungsbedarf besteht, zeigen nach Ansicht der IHK auch die Rückmeldungen von Auszubildenden und Ausbildungsbetrieben. In einer IHK-Untersuchung aus dem Jahr 2024 kritisierten Auszubildende insbesondere die Ausstattung mit digitalen Lernmedien. Gleichzeitig sprachen sich Ausbildungsunternehmen für zusätzliche Investitionen in die IT-Infrastruktur und die technische Ausstattung der Berufskollegs aus.

Bezüglich der Modernisierung der Glockenspitzhalle verweist Steinmetz darauf, dass es sich dabei in erster Linie um eine Investition in die Sportinfrastruktur handelt und eben nicht um eine Investition in die Bildungsinfrastruktur der Berufskollegs. „In Zeiten knapper Kassen müssen Investitionen dort eingesetzt werden, wo sie den größten volkswirtschaftlichen Nutzen bringen“, erklärt Steinmetz. „Dazu gehören aus Sicht der regionalen Wirtschaft ausdrücklich die Berufskollegs.“ Moderne berufliche Bildung sei eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Unternehmen auch künftig ausreichend qualifizierte Fachkräfte finden. „Wenn zusätzliche Mittel zur Verfügung stehen, müssen wir uns fragen, welche Investitionen den größten Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung und zur Fachkräftesicherung leisten“, sagt Steinmetz. „Bei den Berufskollegs sehen wir weiterhin einen erheblichen Handlungsbedarf. Deshalb sollten sie bei den künftigen Investitionsentscheidungen wieder eine deutlich stärkere Rolle spielen.“

Die IHK appelliert daher an Politik und Verwaltung, die anstehenden Entscheidungen über den Einsatz zusätzlicher Investitionsmittel konsequent an den langfristigen Anforderungen von Wirtschaft, Arbeitsmarkt und beruflicher Bildung auszurichten.

Ansprechpartner zum Thema

Kontakte

Webcode: N429