Nadine Hennig und Christian Breker von der IHK (r.) haben Zardasht Issa (2.v.r.) gemeinsam mit seinem Mentor Boris Zimfer (2.v.l.) bei seinem Berufsanerkennungsverfahren unterstützt – mit Erfolg! Zardasht Issa hat einen langen Weg hinter sich – geografisch wie beruflich. Der gebürtige Syrer kam 2013 nach Deutschland. In Saudi-Arabien hatte er zuvor eine Ausbildung im Versicherungsmanagement absolviert und als Marketing-Manager in einem Versicherungsunternehmen gearbeitet. Über Bekannte lernte er später Boris Zimfer kennen, Unternehmer bei der Deutschen Vermögensberatung. Dort fand Issa nicht nur eine berufliche Perspektive, sondern auch Unterstützung auf seinem Weg zur Anerkennung seiner Qualifikation in Deutschland. Im Jahr 2022 wandte sich Issa an die Anerkennungsberatung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein, genauer: an die Fachberaterin Nadine Hennig. Ziel war es, seine im Ausland erworbene Ausbildung offiziell anerkennen zu lassen. „Ich wollte, dass meine Ausbildung und Erfahrung aus dem Ausland auch in Deutschland anerkannt werden. Das ist wichtig für meine Arbeit und meine Zukunft hier“, erklärt Issa. Nach einem komplexen Verfahren, das sich über drei Jahre hinzog, erhielt er im September 2025 schließlich den Anerkennungsbescheid der IHK FOSA – die volle Gleichwertigkeit im Berufsbild „Kaufmann für Versicherungen und Finanzanlagen“. Unterstützt wurde Issa dabei von seinem Mentor. „Ich bin selbst Unternehmer mit Migrationshintergrund und weiß, wie schwierig es ist, mit nicht anerkannten Abschlüssen in Deutschland Fuß zu fassen“, sagt Boris Zimfer. „Darum war für mich klar: Wir geben nicht auf.“ Trotz zwischenzeitlicher Rückschläge und eines Ablehnungsbescheids hielten beide an ihrem Ziel fest. „Es war nicht einfach, und wir hatten die Hoffnung schon fast verloren. Erst mit rechtlichem Beistand und viel Geduld kam schließlich Bewegung in den Prozess“, berichtet Zimfer. Für den Unternehmer ist die Anerkennung ausländischer Abschlüsse ein klarer Gewinn – sowohl für Betriebe als auch für die Gesellschaft: „Gute, qualifizierte Fachkräfte zu finden, ist heute eine große Herausforderung. Menschen wie Herr Issa bringen wertvolle Erfahrung und Engagement mit. Es wäre schade, wenn diese Potenziale ungenutzt blieben. Als Vermögensberater der DVAG profitiert er zudem von dem umfassenden Aus- und Weiterbildungsprogramm des Unternehmens, das die Fachkompetenz unter Berücksichtigung der aktuellen Markterfordernisse weiter schult.“ Auch für Zardasht Issa hat sich der Einsatz gelohnt: „Jetzt habe ich mehr Vertrauen in meine Zukunft hier. Die Anerkennung hilft mir, meinen beruflichen Weg klarer zu planen.“ Beide sind sich einig, dass der Erfolg ohne die Unterstützung der IHK Mittlerer Niederrhein und der dortigen Anerkennungsberatung nicht möglich gewesen wäre. „Der Fall von Zardasht Issa zeigt exemplarisch, wie wichtig Durchhaltevermögen, gute Zusammenarbeit und individuelle Beratung im Anerkennungsprozess sind“, fasst Nadine Hennig zusammen. „Und er macht deutlich: Anerkennung schafft Chancen – für Menschen und für Unternehmen.“ Weitere Informationen rund um die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse gibt es online unter: mittlerer-niederrhein.ihk.de/P181 Ansprechpartner zum Thema Kontakt
Initiiert von der IHK, haben der FC Hellas Krefeld und LANXESS eine Kooperation vereinbart (v.l.): Jugendspieler Kjell, Jugendleiter Christos Delidimitris und Geschäftsführer Alexandros Ouzounis sowie Nathalie Jager, Manuela Schmied und Kai Burger (alle LANXESS), IHK-Fachberater Dimitri van der Wal und Jugendspieler Utku. Um dem Fachkräftemangel aktiv zu begegnen und Jugendliche frühzeitig für eine Ausbildung zu gewinnen, setzen Unternehmen und Sportvereine im Projekt „Wirtschaft.Sport.Ausbildung“ auf Zusammenarbeit. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein bringt dabei gemeinsam mit den Stadt- und Kreissportbünden gezielt Betriebe und Vereine zusammen, um neue Wege der Nachwuchsgewinnung zu eröffnen. Ein aktuelles Beispiel für diese erfolgreiche Vernetzung ist die neue Kooperation zwischen dem FC Hellas Krefeld und dem Spezialchemiekonzern LANXESS. Ziel ist es, Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren frühzeitig anzusprechen und für eine Ausbildung zu begeistern. Geplant sind zum Beispiel Informationsangebote bei Vereinsveranstaltungen sowie spezielle Elternabende, um den direkten Austausch zu fördern und junge Talente für die Chemiebranche zu gewinnen. Hellas Krefeld, mit rund 400 Mitgliedern einer der großen Fußballvereine der Stadt, möchte nicht nur sportliche Erfolge feiern, sondern auch gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. „Neben Bewegung und Teamgeist steht der Verein dafür, Kindern und Jugendlichen Perspektiven zu eröffnen – auch über den Sport hinaus“, sagt Hellas-Geschäftsführer Alexandros Ouzounis. „Mit der Kooperation mit LANXESS und seinem großen Produktions- und Ausbildungsstandort in Krefeld werden sportliche und berufliche Zukunftswege eng miteinander verknüpft.“ Dank der neu sanierten Bezirkssportanlage an der Gladbacher Straße verfüge Hellas Krefeld zudem über eines der modernsten Sportgelände der Stadt – „ideale Bedingungen, um sportliche Leidenschaft und berufliche Perspektiven zu verbinden“, so der Geschäftsführer. Auch seitens des Unternehmens wird die Partnerschaft positiv bewertet. „Wir freuen uns, mit Hellas Krefeld einen Partner zu haben, bei dem wir unsere Ausbildungsberufe gezielt bei Jugendlichen präsentieren können. Ein Sportverein bietet aus unserer Sicht die ideale Plattform, um zukünftige Auszubildende zu gewinnen. Hellas Krefeld überzeugt als familiär geführter Verein, der seine jungen Mitglieder engagiert betreut und sich wirklich für ihre Zukunft einsetzt“, sagt Ausbildungskoordinator Kai Burger. Und Manuela Schmied, zuständig für das Schülermarketing, ergänzt: „Wir sind davon überzeugt, dass es neue Ansätze braucht, um das Interesse potenzieller Auszubildender zu wecken. Viele Schülerinnen und Schüler wissen am Ende ihrer Schulzeit noch nicht, welchen beruflichen Weg sie einschlagen möchten. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, sie zu beraten und gleichzeitig für die vielseitige Welt der Chemie zu begeistern.“. Lanxess sucht regelmäßig motivierte Nachwuchskräfte für Ausbildungsberufe wie Chemikant/in, Industriemechaniker/in, Anlagenmechaniker/in oder Elektroniker/in für Automatisierungstechnik. Auch Praktikumsplätze werden angeboten, um jungen Menschen frühzeitig Einblicke in technische und industrielle naturwissenschaftliche Berufsfelder zu ermöglichen. Großes Potenzial sehen auch die Projektverantwortlichen. „Auszubildende, die sich im Sport engagieren, bringen wertvolle Eigenschaften mit: Teamgeist, Disziplin und Belastbarkeit“, betont Dimitri van der Wal, Fachberater der IHK-Initiative. „Unser Ziel ist es, Sportvereine als moderne Plattformen für Berufsorientierung und Talentrekrutierung zu etablieren.“ Das Projekt „Wirtschaft.Sport.Ausbildung“ läuft seit mehr als drei Jahren erfolgreich und hat bereits zahlreiche Unternehmen mit passenden Auszubildenden aus dem Vereinsumfeld zusammengebracht. Die IHK begleitet alle Kooperationen, stellt Materialien zur Verfügung und berät die Beteiligten. „Kooperationen wie diese sind ein Beispiel dafür, wie regionale Netzwerke innovative Lösungen für drängende Herausforderungen wie den Fachkräftemangel schaffen können“, so van der Wal abschließend. „Unser Wunsch ist, dass möglichst viele junge Menschen in unserer Region durch solche Partnerschaften ihren beruflichen Weg finden.“ Weitere Informationen zum Projekt „Wirtschaft.Sport.Ausbildung“: mittlerer-niederrhein.ihk.de/P265 Ansprechpartner zum Thema Kontakt
Was treibt Menschen wirklich an? Und wie können Unternehmen diesen Antrieb im Recruiting gezielt nutzen? Um diese und weitere Fragen geht es beim Webinar „Wo geht’s denn hier zum Sinn? – Motivorientiertes Recruiting“, zu dem die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein für Dienstag, 2. Dezember, 11.30 Uhr, einlädt. Teilnehmende erfahren, wie sich unterschiedliche Generationen in ihren Werten, Lebenskonzepten und Motiven unterscheiden – und zugleich, was sie verbindet. Keynote-Speaker Sascha Burghaus wird gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern beleuchten, wie sie diese Erkenntnisse in ihrem Recruiting-Alltag gewinnbringend einsetzen und wie sie mit einer motivorientierten Ansprache die passenden Talente finden und binden können. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung erforderlich unter: veranstaltung.mittlerer-niederrhein.ihk.de/FP125 Ansprechpartner zum Thema Kontakt
Die Wirtschaft im Rheinland kommt nicht in Schwung. Schließungen, Stellenabbau und fehlende Investitionen betreffen die ganze Region. Das zeigt das Konjunkturbarometer der Industrie- und Handelskammern im Rheinland. Die Analyse liefert aktuelle regionale Daten zu 17 Leitbranchen des Rheinlands. Besonders die wichtige Grundstoffindustrie leidet: Die Nachfrage nach Stahl- und Chemieprodukten aus Deutschland ist eingebrochen. „Auch weitere vor allem für Krefeld, Mönchengladbach, den Rhein-Kreis Neuss und den Kreis Viersen wichtige Branchen haben derzeit mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, beispielsweise die konsumorientierten und produktionsnahen Großhandelsbetriebe sowie die Logistikbranche“, erklärt Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein. Bürokratie, Energiepreise und marode Straßen bremsen die Wirtschaft. Die Wettbewerbsfähigkeit vieler Unternehmen sinkt. Steinmetz: „Das neue Konjunkturbarometer ist eine deutliche Mahnung an die Bundesregierung.“ Zu wenig, zu verzagt – so urteilen die Unternehmen über die neue Bundesregierung. Viele Betriebe haben sich mehr erhofft. Von den bisherigen Reformen kommt bei der Wirtschaft zu wenig an. Der Mittelstand ist durch Berichtspflichten, endlose Verfahren und eine entrückte Verwaltung gefesselt. Die Industrie kann die Standortnachteile nicht mehr durch Produktivität ausgleichen. „Jeder vierte Betrieb will Beschäftigte entlassen. Jeder Dritte will weniger investieren. Das zieht andere mit in den Abwärtsstrudel“, warnt Dr. Stefan Dietzfelbinger, Hauptgeschäftsführer der Niederrheinischen IHK Duisburg-Wesel-Kleve, bei der Vorstellung der Ergebnisse. Und auch für viele bedeutende Branchen am Mittleren Niederrhein fallen die Ergebnisse derzeit nicht positiv aus – betroffen sind insbesondere die energieintensiven Industrien. In der Metallindustrie bewerten lediglich 11 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Lage als gut, während 43 Prozent sie als schlecht einstufen. Auch in der Chemie- und Kunststoffindustrie bleibt die Stimmung verhalten: 37 Prozent der Betriebe sprechen von einer schlechten Lage, nur 16 Prozent von einer guten. „Hohe Energiekosten, ein massiver bürokratischer Aufwand und der demografische Wandel mit seinen Auswirkungen auf Fachkräfte sind aktuell deutliche Standortnachteile, ebenso die Subventionspolitik. Wir vernehmen die guten Absichten der Bundesregierung und ermutigen diese zur schnellen Umsetzung“, betont Lars Friedrich, Leiter des CHEMPARKs Krefeld-Uerdingen. Im Maschinenbau und in der Ernährungsindustrie überwiegen ebenfalls die negativen Lageeinschätzungen gegenüber den positiven. Allerdings könnte hier der Tiefpunkt erreicht sein: Für das kommende Jahr zeigen sich mehr Unternehmen optimistisch als pessimistisch. Große Sorgen macht sich Steinmetz um die distributiven Dienstleister: „Sowohl bei konsumorientierten als auch bei produktionsnahen Großhändlern sowie in der Logistikbranche überwiegen die negativen Lagebeurteilungen deutlich gegenüber den positiven. Diese Branchen erwarten zudem auch im kommenden Jahr keine positive Entwicklung.“ Die Konsequenz: Ein spürbarer Beschäftigungsabbau kann nicht mehr ausgeschlossen werden. „Wir sind eine Großhandels- und Logistikregion und diese Werte erfüllen mich mit großer Sorge“, betont Steinmetz. „Die schlechte Lage dieser Branchen hängt mit der schwachen Industrieproduktion und der fehlenden Konsumneigung der Bevölkerung zusammen.“ Vorschriften, Formulare und Genehmigungen sind für knapp 60 Prozent der Unternehmen die größte Bremse. Aktuell ist es nur der Staat der mehr investiert. Für den dringend notwendigen Aufschwung reicht das nicht. Wichtig ist, dass die privaten Investitionen anspringen. „Unser Konjunkturklimaindex zeigt, wie zurückhaltend die Wirtschaft ist. Er tritt mit 91 Punkten auf der Stelle. Seit mehr als drei Jahren gibt es kaum positive Impulse. Auch, weil die Bürokratie uns im Weg steht. Wir brauchen grundlegende Reformen. Ankündigungen alleine reichen nicht. Wenn unsere Verwaltungen nicht umdenken, wird es nicht gehen. Sie sollten digitaler und kundenfreundlicher werden“, so Dietzfelbinger. Gleichzeitig bleibt der Fachkräftemangel ein Risiko – fast jedes zweite Unternehmen sieht darin eine Gefahr. Zudem machen die gestiegenen Arbeitskosten den Betrieben zu schaffen. Und auch bei der Infrastruktur zeigt sich ein alarmierendes Bild: Marode Verkehrswege, schleppende Genehmigungen und fehlende Digitalisierung gefährden den Standort. All das führt laut den IHKs zu einer gefährlichen Mischung: Unternehmen verlieren Vertrauen – in die Zukunft, in die Politik, in die Planbarkeit. „Das Rheinland ist stark. Unsere Unternehmen sind innovativ, anpassungsfähig, bereit für Wandel. Aber sie brauchen endlich die Freiheit, wieder unternehmerisch handeln zu können. Wer Wachstum will, muss Verlässlichkeit schaffen. Wer Transformation will, muss Investitionen ermöglichen. Und wer Wohlstand sichern will, muss die Wirtschaft endlich ernst nehmen“, betont Dietzfelbinger. Konjunkturbarometer Rheinland Die IHK-Initiative Rheinland veröffentlicht halbjährlich ein Konjunkturbarometer. Mehr als 2000 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen haben im Herbst 2025 teilgenommen. Teil der Initiative sind die IHKs Aachen, Bonn/Rhein-Sieg, Düsseldorf, Mittlerer Niederrhein, die Bergische sowie die Niederrheinische IHK. Zum Download Konjunkturbarometer Rheinland (Herbst 2025) (PDF, 2 MB, nicht barrierefrei) Ansprechpartner zum Thema Kontakt
Unternehmen stehen heute mehr denn je vor der Herausforderung, engagierte und verantwortungsbewusste Mitarbeitende zu gewinnen und zu halten. Reservistinnen und Reservisten der Bundeswehr bringen dafür wertvolle Erfahrungen mit: Sie sind belastbar, entscheidungsfreudig, teamorientiert und es gewohnt, Verantwortung zu übernehmen. Um Unternehmen darüber zu informieren, wie sie das Engagement von Reservistinnen und Reservisten als Gewinn für ihren Betrieb nutzen können, lädt die IHK-Initiative Rheinland (IIR) – zu der auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein gehört – für den 1. Dezember, 14.30 bis 16 Uhr, zur Online-Veranstaltung „Reservisten im Unternehmen – Win-win für Betriebe und Gesellschaft“ ein. Das Kompetenzzentrum für Reservistenangelegenheiten der Bundeswehr wird aufzeigen, welchen staatlichen Auftrag die Reserve erfüllt, welche Kompetenzen Reservistinnen und Reservisten in ihren Einsätzen erwerben und wie relevant diese Kompetenzen – von Führungserfahrung und Krisenfestigkeit bis hin zu Verantwortungsbewusstsein und Teamfähigkeit – für Unternehmen sind. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber erfahren außerdem, welche rechtlichen Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr gelten. Anschließend wird Henner Pasch, Präsident der Bergischen IHK, seine Perspektive als Unternehmer einbringen und darlegen, wie sich gesellschaftliche Verantwortung und betrieblicher Nutzen sinnvoll verbinden lassen. Die Veranstaltung richtet sich an Unternehmerinnen und Unternehmer, Personalverantwortliche und Führungskräfte. Die Teilnahme ist kostenlos. Ein Online-Anmeldung ist erforderlich unter: events.bergische.ihk.de/reservistenimunternehmen Ansprechpartner zum Thema Kontakt
Wo liegen die Stärken und Schwächen des Wirtschaftsstandorts Brüggen? Wie beurteilen die Unternehmerinnen und Unternehmer ihre Gemeinde als Wirtschaftsstandort? Diese und weitere Fragen möchte die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein gemeinsam mit der Burggemeinde Brüggen beantworten. Deshalb wurden knapp 1.000 Unternehmen aus Brüggen um ihre Bewertung gebeten. „In der Umfrage können die Unternehmen die Bedeutung und die Qualität verschiedener Standortfaktoren für ihr Unternehmen in Brüggen bewerten“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. „Anhand der Ergebnisse können wir die Stärken und Handlungspotenziale des Wirtschaftsstandorts besser einschätzen.“ Steinmetz freut sich, dass die Gemeinde das Projekt begleitet. „Gerade als frisch gewählter Bürgermeister bin ich sehr darauf gespannt, mehr über die Bedürfnisse der Brüggener Unternehmen zu erfahren. Dabei können die Ergebnisse der IHK-Umfrage ein wichtiger Indikator sein“, erklärt Marcel Johnen, Bürgermeister der Burggemeinde Brüggen. Die IHK wird die Ergebnisse gemeinsam mit der Burggemeinde Brüggen in der ersten Jahreshälfte 2026 vorstellen. „Dabei werden wir werden die Resultate der Analyse mit Unternehmen, Verwaltung und Politik diskutieren“, kündigt Steinmetz an. Ansprechpartner zum Thema Kontakt
Oleksii Makeiev (l.), Botschafter der Ukraine in Deutschland, hat Jürgen Steinmetz zum Honorarkonsul der Ukraine ernannt. Nun ist es auch amtlich und im Namen des Außenministers der Ukraine, Andij Sybiha, besiegelt: Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein, ist Honorarkonsul der Ukraine. Oleksii Makeiev, Botschafter der Ukraine in Deutschland, nahm nun die Ernennung des neuen Honorarkonsuls vor. „Es sind nun mehr drei Jahre vergangen, seit Russland die Ukraine angegriffen hat. Seitdem erreichen uns immer wieder erschütternde Nachrichten und Bilder, die uns tief berühren“, sagte IHK-Präsident Elmar te Neues zur Begrüßung der Gäste. „Die Ereignisse zeigen uns, wie wichtig Solidarität und gegenseitige Unterstützung sind. Als Vertretung der regionalen Wirtschaft trägt auch die IHK Verantwortung. Es ist uns ein zentrales Anliegen, die Ukraine in dieser schwierigen Zeit zu stärken, aber auch auf die Chancen der Zusammenarbeit hinzuweisen. Dieser Verantwortung haben wir uns, hat sich Jürgen Steinmetz, gestellt.“ Das neue Honorarkonsulat stehe für die Verbundenheit von Nordrhein-Westfalen und der Ukraine, betonte Mona Neubaur, Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie sowie stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes NRW. „Die Ukraine hat in NRW nicht nur politische Unterstützung, sondern echte Partner und Freunde an ihrer Seite. Unsere Solidarität ist ungebrochen – gegenüber den Menschen, die jeden Tag für Frieden und Freiheit kämpfen, und gegenüber einem Land, das mutig seinen europäischen Weg geht.“ Der Wiederaufbau der Ukraine sei eine gewaltige Aufgabe, aber auch eine große Chance – für nachhaltige Entwicklung, für wirtschaftliche Zusammenarbeit und für eine gemeinsame europäische Zukunft, so Neubaur. „Nordrhein-Westfalen wird die Ukraine auf diesem Weg tatkräftig begleiten.“ Der Botschafter zeigte sich dankbar für diese Partnerschaft und den Einsatz des neuen Honorarkonsuls. „Wir wissen das große Engagement von Jürgen Steinmetz für die Ukraine zu schätzen“, sagte Makeiev. „Er hat sich viel vorgenommen und konkrete Pläne, die zur weiteren Entwicklung der wirtschaftlichen und menschlichen Beziehungen zwischen der Ukraine und Deutschland beitragen werden.” Für das in ihn gesetzte Vertrauen bedankte sich Steinmetz: „Dieses Vertrauen ist eine Verpflichtung, der ich mit großer Leidenschaft und Engagement nachkommen werde.“ Er verwies auf das große Netzwerk der Ukraine-Unterstützer in der Region: Kommunen, Institutionen, Diplomatie, Unternehmen, Verbände und private Initiativen. „Es geht um Solidarität mit den Menschen in der Ukraine, es geht aber auch darum, Partnerschaften für den Wiederaufbau zu initiieren. Das nützt beiden Seiten.“ Zu den Aufgaben eines Honorarkonsuls gehören: Förderung wirtschaftlicher Kooperationen, Unterstützung bei Veranstaltungen, Delegationsbesuchen und bilateralen Projekten, die Repräsentation der Ukraine bei offiziellen Anlässen, Feiern und Gedenkveranstaltungen sowie die Unterstützung ukrainischer Bürgerinnen und Bürger in allgemeinen, nicht amtlichen Angelegenheiten. Der Honorarkonsul ist zudem Ansprechpartner für Unternehmen, Institutionen, Vereine oder Privatpersonen, die an Kontakten mit der Ukraine interessiert sind. Ansprechpartner zum Thema Kontakt
Mit dem neuen Jahr wird es auch neue Gesetze und Regelungen geben. Dieser Überblick hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, zumal bisher einige Beschlüsse noch nicht gefasst waren. Wir werden diese Seite fortlaufend aktualisieren. Inhaltsverzeichnis Neue Vorschriften für Nutzfahrzeuge CO₂-Steuer und steigende Spritpreise Steuern, Steuerfreigrenzen und Grenzwerte Anspruch auf ganztägige Betreuung Höhere Hinzuverdienstgrenzen bei Erwerbsminderungsrenten Arbeitsrecht, Mindestlohn, Entgelttransparenz Verbraucherschutz Produkt- und Verpackungsvorschriften Ansprechpartner zum Thema Neue Vorschriften für Nutzfahrzeuge Ab dem 1. Juli 2026 müssen leichte Nutzfahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht zwischen 2,5 und 3,5 Tonnen, die grenzüberschreitend oder im Rahmen von Kabotage eingesetzt werden, mit einem intelligenten Fahrtenschreiber der zweiten Generation ausgestattet sein. Diese Geräte erfassen automatisch Lenk- und Ruhezeiten sowie Grenzübertritte. Sie sind mit GNSS-Technologie ausgestattet, um die Position des Fahrzeugs zu dokumentieren. Die Daten dienen der Kontrolle durch Behörden und sollen Manipulationen verhindern. Ziel der Regelung ist es, die Verkehrssicherheit zu verbessern und faire Wettbewerbsbedingungen im europäischen Transportwesen zu schaffen. Ausgenommen sind Fahrzeuge, die ausschließlich im nationalen Verkehr oder für nicht-kommerzielle Zwecke genutzt werden sowie bestimmte Handwerksfahrten im Umkreis von 100 Kilometern. Die Euro-7-Abgasnorm gilt ab November 2026 für neue Pkw und leichte Nutzfahrzeuge. CO₂-Steuer und steigende Spritpreise Ab 2026 wird die CO2-Steuer auf 55 bis 65 Euro pro Tonne angehoben. Somit werden sowohl Benzin als auch Diesel teurer. Die Maßnahme soll Anreize schaffen, auf sparsamere oder elektrische Fahrzeuge umzusteigen. Auch beim öffentlichen Nahverkehr steigen die Preise: Das Deutschlandticket kostet künftig 63 Euro pro Monat (bisher 58 Euro). Das Angebot wird in Deutschland von rund 14 Millionen Menschen genutzt. Steuern, Steuerfreigrenzen und Grenzwerte Der Grundfreibetrag beträgt 12.348 Euro (2025: 11.604 Euro). Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent greift ab 69.799 Euro (2025: 66.761 Euro). Die Grenze für die Reichensteuer von 45 Prozent liegt weiterhin bei 277.826 Euro. Der Kinderfreibetrag erhöht sich auf 9.756 Euro (2025: 9.312 Euro), das Kindergeld auf 259 Euro monatlich (2025: 250 Euro). Die Pendlerpauschale beträgt 38 ct ab dem ersten Kilometer (bisher: 30 ct bis 20 Kilometer, darüber 38 ct. Für ehrenamtliche Tätigkeiten steigt die Übungsleiterpauschale auf 3.300 Euro (2025: 3.000 Euro) und die Ehrenamtspauschale auf 960 Euro (2025: 840 Euro). Die Beitragsbemessungsgrenze in der Krankenversicherung beträgt 69.750 Euro betragen (2025: 66.600 Euro), in der Rentenversicherung 101.400 Euro (2025: 100.200 Euro). Der Beitragssatz in der Pflegeversicherung beträgt 3,6 Prozent. Der ursprünglich als Corona-Maßnahme eingeführte, reduzierte Umsatzsteuersatz von 7 Prozent für Speisen in der Gastronomie wird dauerhaft entfristet. Ab dem 1. Januar 2026 gilt: Ein häusliches Arbeitszimmer zählt nicht mehr zum Betriebsvermögen, wenn dessen Wert unter 40.000 Euro oder die Fläche unter 30 Quadratmetern liegt. In diesen Fällen ist ein Abzug der Abschreibung (AfA) nicht mehr möglich. Laufende Kosten wie Miete, Strom und Heizung können jedoch weiterhin anteilig steuerlich geltend gemacht werden. Alternativ bleibt die Home-Office-Pauschale in Höhe von 6 Euro pro Tag (maximal 1.260 Euro pro Jahr) bestehen. Für rein elektrische Fahrzeuge (PKW, LKW, Busse – Neu- und Gebrauchtfahrzeuge), die nach dem 30. Juni 2025 und vor dem 1. Januar 2028 angeschafft werden, kann eine degressive Abschreibung in Anspruch genommen werden. Dies ermöglicht eine beschleunigte steuerliche Geltendmachung der Anschaffungskosten und soll die Investitionsbereitschaft in Elektromobilität stärken. Die Kaufpreisgrenze für die Anwendung der 0,25%-Regelung bei der privaten Nutzung reiner Elektrofahrzeuge wird für Fahrzeuge mit Anschaffung nach dem 30. Juni 2025 von 70.000 € auf 100.000 € angehoben. Damit können künftig auch teurere E-Autos steuerlich begünstigt als Firmenwagen genutzt werden. Ab 2026 gilt für Unternehmen des produzierenden Gewerbes sowie der Land- und Forstwirtschaft eine dauerhaft reduzierte Stromsteuer: Die Steuerlast wird auf den EU-Mindeststeuersatz von 0,05 Cent pro Kilowattstunde abgesenkt. Damit profitieren laut Gesetzesbegründung über 600.000 Unternehmen von einer spürbaren Entlastung. Ziel der Neuregelung ist es, Planungs- und Investitionssicherheit zu schaffen und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Zusätzlich entfällt ab 2026 die Gasspeicherumlage, was die Energiekosten weiter reduziert. Anspruch auf ganztägige Betreuung Ab August 2026 haben alle Erstklässler in Deutschland einen gesetzlichen Anspruch auf ganztägige Betreuung. Dies wird durch das Ganztagsförderungsgesetz (GaFöG) geregelt, das die stufenweise Einführung des bundesweiten Ganztagsanspruchs ab dem Schuljahr 2026/27 vorsieht. Der Anspruch umfasst acht Stunden an fünf Werktagen in der Woche und gilt auch während der Schulferien. Höhere Hinzuverdienstgrenzen bei Erwerbsminderungsrenten Auch bei den Erwerbsminderungsrenten steigen 2026 die anrechnungsfreien Beträge deutlich. Wer eine volle Erwerbsminderungsrente bezieht, darf künftig bis zu 20.763,75 Euro pro Jahr hinzuverdienen, ohne dass die Rente gekürzt wird. Bei einer teilweisen Erwerbsminderungsrente liegt die Mindesthinzuverdienstgrenze bei 41.527,50 Euro jährlich. Je nach individueller Situation kann dieser Wert sogar höher ausfallen. Wichtig ist, dass es keine monatliche Grenze mehr gibt – entscheidend ist nur der Jahreswert. Damit wird der Zuverdienst flexibler, was insbesondere für Menschen mit schwankendem Einkommen oder saisonaler Beschäftigung von Vorteil ist. Ab dem 1. Januar 2026 sind sozialversicherungspflichtige Arbeitslöhne bis zu 2.000 Euro monatlich (maximal 24.000 Euro jährlich) für Arbeitnehmer steuerfrei, sofern die gesetzliche Regelaltersgrenze überschritten wurde. Die Steuerbefreiung gilt ausschließlich für sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse und nicht für Beamte, Selbstständige, Minijobber oder sozialversicherungsfreie Arbeitnehmer. Sozialversicherungsbeiträge sind weiterhin zu entrichten. Die Regelung soll einen Anreiz schaffen, auch nach Erreichen der Regelaltersgrenze weiterzuarbeiten und so das Fachkräftepotenzial zu stärken. Arbeitsrecht, Mindestlohn, Entgelttransparenz Ab dem 1. Januar 2026 steigt der gesetzliche Mindestlohn auf 13,90 Euro brutto pro Stunde (bisher 12,85 Euro), ab 1. Januar 2027 wird der Satz weiter auf 14,60 Euro angehoben. Dadurch wird auch die Minijob-Grenze angehoben, sie steigt zunächst auf 603 Euro im Monat, ab Januar 2027 auf 633 Euro im Monat. Ab dem 1. Januar 2026 gelten für neu beginnende Ausbildungsverhältnisse nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) und der Handwerksordnung folgende gesetzliche Mindestvergütungen: 1. Ausbildungsjahr: 724 Euro brutto pro Monat, 2. Ausbildungsjahr: 854 Euro brutto pro Monat, 3. Ausbildungsjahr: 977 Euro brutto pro Monat und 4. Ausbildungsjahr: 1.014 Euro brutto pro Monat. Diese Beträge stellen die gesetzliche Untergrenze dar und dürfen von Ausbildungsbetrieben nicht unterschritten werden. Die Anpassung erfolgt jährlich und orientiert sich an der Entwicklung der durchschnittlichen Ausbildungsvergütungen der Vorjahre. Die Bezugsdauer für Kurzarbeitergeld wird auf 24 Monate verlängert. Ab dem 7. Juni 2026 muss Deutschland die EU-Richtlinie zur Entgelttransparenz (EU 2023/970) in nationales Recht umsetzen. Ziel ist es, die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen zu verringern und für mehr Transparenz bei Gehaltsstrukturen zu sorgen. Geplant ist, dass Arbeitgebende künftig bereits in Stellenanzeigen oder spätestens vor einem Bewerbungsgespräch die Gehaltsspanne sowie die Kriterien für die Vergütung offenlegen. Beschäftigte sollen ein erweitertes Auskunftsrecht erhalten, um Informationen über ihr eigenes Entgelt und das durchschnittliche Entgelt vergleichbarer Tätigkeiten getrennt nach Geschlecht zu bekommen. Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitenden werden verpflichtet, regelmäßig Berichte zu geschlechtsspezifischen Gehaltsunterschieden zu veröffentlichen – abhängig von ihrer Größe ab 2027 oder 2031. Verstöße können Sanktionen wie Bußgelder und Schadensersatz nach sich ziehen. Da der deutsche Gesetzesentwurf noch nicht vorliegt, können Details variieren. Unternehmen sollten sich frühzeitig vorbereiten, transparente Vergütungsstrukturen schaffen und ihre Prozesse im Personalwesen anpassen. Verbraucherschutz Ab November 2026 gelten in Deutschland strengere Vorgaben für „Buy Now, Pay Later“-Angebote (BNPL). Hintergrund ist die Umsetzung der EU-Verbraucherkreditrichtlinie (EU 2023/2225), die diese Kurzzeitfinanzierungen künftig wie klassische Verbraucherkredite behandelt. Anbieter müssen die Kreditwürdigkeit ihrer Kundinnen und Kunden prüfen, auch bei Beträgen unter 200 Euro. Vor Vertragsabschluss sind klare Informationen zu Kosten, Zinsen und Rückzahlungsbedingungen verpflichtend. Händler und Fintechs müssen ihre Geschäftsmodelle, Verträge und IT-Prozesse entsprechend anpassen. Zudem ist eine neue Aufsicht im Rahmen des geplanten Absatzfinanzierungsaufsichtsgesetzes vorgesehen. Ziele der Reform sind mehr Transparenz und ein wirksamer Schutz vor Überschuldung. Ab 2026 wird für Online-Shops in Deutschland ein verpflichtender „Widerrufsbutton“ eingeführt. Ziel ist es, Verbraucher:innen die Ausübung ihres Widerrufsrechts deutlich zu erleichtern und die Transparenz im E-Commerce zu erhöhen. Produkt- und Verpackungsvorschriften Ab dem 12. August 2026 gelten in der EU die neuen Regeln der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR). Verpackungen müssen künftig bereits beim Design recyclingfähig und dürfen nicht überdimensioniert sein. Hersteller, Importeure und Händler sind verpflichtet, technische Dokumentationen und Konformitätserklärungen vorzuhalten. Zudem treten erweiterte Berichtspflichten, strengere Rücknahme- und Recyclingregeln sowie eine erweiterte Herstellerverantwortung in Kraft. Für bestimmte Materialien wie PFAS in Lebensmittelkontaktverpackungen gelten ab August 2026 zusätzliche Restriktionen. Unternehmen sollten ihre Verpackungen, Materialien und Prozesse frühzeitig prüfen und gegebenenfalls anpassen, um die neuen Anforderungen zu erfüllen. Ansprechpartner zum Thema Kontakt
Sie diskutierten über den Wirtschaftsstandort Meerbusch (v.l.): Rolf Heckmann (Willy Heckmann GmbH & Co), Kirsten Kappius (Meer-Lebensstil), Werner Damblon (Softwert GmbH), Moderatorin Beate Kowollik, Bürgermeister Christian Bommers und IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. Die Meerbuscher Unternehmen geben ihrem Wirtschaftsstandort die Note 2,42. Stärken sehen sie vor allem bei der Lage, der Erreichbarkeit und dem Wohnumfeld. Kritischer werden kommunale Leistungen und die Digitalisierung in der Verwaltung bewertet. Das sind wesentliche Ergebnisse der Standortanalyse für die Stadt Meerbusch, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein bei der Garten Selders GmbH vorgestellt hat. „Die Erreichbarkeit wird sehr gut beurteilt, die Bewertung der Informations- und Kommunikationsinfrastruktur hat sich sogar verbessert, und bei Innenstadtfaktoren punktet Meerbusch deutlich“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. Grundlage der Analyse sind amtliche Statistiken und eine Unternehmensumfrage, an der sich rund 130 Meerbuscher Betriebe mit etwa 3.100 Beschäftigten beteiligt haben. Zum 30. Juni 2024 waren in Meerbusch 14.093 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte tätig – 52,4 Prozent mehr als 1999. „Damit war das Wachstum deutlich stärker als in NRW und im Rhein-Kreis Neuss“, erklärt Gregor Werkle, Leiter Wirtschaftspolitik bei der IHK Mittlerer Niederrhein. In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Wachstum jedoch spürbar verringert; zwischen 2022 und 2024 ging die Beschäftigung sogar um 3,4 Prozent zurück. „Das lag insbesondere am Wegzug eines Unternehmens mit vielen Beschäftigten“, erläutert Werkle. Hinsichtlich der Branchenstruktur zeigt sich: Meerbusch ist klar dienstleistungsgeprägt. Der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes an der Gesamtbeschäftigung ist – bezogen auf alle Kommunen im IHK-Bezirk – nur in Kaarst und Rommerskirchen niedriger. Beim Vergleich zentraler volkswirtschaftlicher Kennziffern zeigt sich ein gemischtes Bild: Die Arbeitslosenquote lag 2024 bei 5,3 Prozent und damit unter dem NRW- und Kreisdurchschnitt. Die einzelhandelsrelevante Kaufkraft liegt mit 128,3 deutlich über dem Bundesmittelwert. Gleichzeitig verliert Meerbusch über einen Kaufkraftabfluss deutlich mehr an das Umland als andere Kommunen der Region. Das liegt unter anderem an der Nähe zu Düsseldorf. Die Verschuldung der Stadt Meerbusch ist niedrig. Der Gewerbesteuerhebesatz ist im regionalen Vergleich wettbewerbsfähig, liegt aber deutlich über dem Niveau vergleichbarer Kommunen in anderen Bundesländern. „Zudem liegt die Realsteueraufbringungskraft der Gewerbesteuer je Einwohner unter dem Kreis- und NRW-Durchschnitt. Deshalb sollte sich die Stadt verstärkt bemühen, steuerstarke Betriebe für den Standort zu gewinnen“, so Werkle Die Ergebnisse der Unternehmensbefragung bestätigen das insgesamt positive Bild: Das Gesamturteil mit der Note 2,42 für den Wirtschaftsstandort ist besser als der mehrjährige Mittelwert am Mittleren Niederrhein (2,69). Bei der Befragung haben die Unternehmen aus Meerbusch verschiedene Standortfaktoren auf einer Notenskala von eins bis sechs bewertet. Insbesondere die harten Standortfaktoren und die Innenstadtfaktoren werden positiv und besser bewertet als in der Region im Durchschnitt. Bei der Erreichbarkeit per Straße/Autobahn erzielt Meerbusch mit 1,98 die beste Note der Umfrage, obwohl sich die Bewertung des Zustands verschlechtert hat. Die Informations- und Kommunikationsinfrastruktur (Breitband/Mobilfunk) wird mit 2,99 besser bewertet als 2020. „Trotz steigender Ansprüche sehen die Unternehmen hier also echte Fortschritte. Das ist auch ein Verdienst der Verwaltung“, lobt Steinmetz. Positiv hervorzuheben sind auch die Bewertungen der Sicherheit in der Stadt (2,22) und die des Stadtbilds (2,57). Die Arbeitsmarktfaktoren werden im Durchschnitt der Region beurteilt. Das Wohnumfeld für Mitarbeitende (2,65) und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf (2,83) werden ebenfalls gut bewertet. „Meerbusch hat hier starke Grundvoraussetzungen“, so Steinmetz. „Aber es gibt auch Bewertungen, die nicht zufriedenstellend sind.“ Das betrifft insbesondere das Themenfeld Kommunale Kosten und Leistungen. Deutlich kritisch sehen die Unternehmen den Digitalisierungsgrad der Verwaltung (3,99) sowie die Dauer von Plan- und Genehmigungsverfahren (3,94). Für diese Themen erhält Meerbusch deutlich schlechtere Noten als der restliche IHK-Bezirk. Auch die Reaktionszeiten (3,64) und Erreichbarkeit/Öffnungszeiten (3,55) liegen unter dem Regionalwert. „Meerbusch braucht schnellere Prozesse für Unternehmensverfahren: digital, transparent, mit verbindlichen Bearbeitungszeiten“, fordert Steinmetz. Die IHK empfiehlt der Stadt, den Zertifizierungsprozess zum RAL Gütezeichen Mittelstandsorientierte Kommunalverwaltung anzugehen und zentrale Verfahren durchgängig digital und fristgebunden zu organisieren. Zusätzlich braucht es eine vorausschauende Gewerbeflächenpolitik, die die Steuerbasis vergrößert: „Der bis 2035 ausgewiesene Flächenbedarf sollte zeitnah planungsrechtlich gesichert und marktfähig entwickelt werden. Strategisch wichtig ist dabei weiterhin das Gewerbegebiet an der A44“, so Steinmetz. Im Anschluss an die Vorstellung der Analyse diskutierten Bürgermeister Christian Bommers, Kirsten Kappius (Meer-Lebensstil), Werner Damblon (Softwert GmbH), Rolf Heckmann (Willy Heckmann GmbH & Co) und Steinmetz die Stärken und Schwächen Meerbuschs. Im Mittelpunkt standen vor allem die Themen Innenstadt und Wohnraum für Fachkräfte. „Vor allem bei der Digitalisierung der Verwaltung müssen wir uns weiter verbessern“, sagte Bommers zu Beginn der Diskussion. „Aber an dem Thema sind wir dran, unsere umfassende digitale Agenda wird uns dabei helfen. Ich bin zuversichtlich, dass wir in diesem Bereich bei der nächsten Standortanalyse deutlich besser dastehen werden.“ Für Werner Damblon ist der Fachkräftemangel, unter anderem bedingt durch fehlenden Wohnraum, ein Problem. „Bezahlbarer Wohnraum wäre dringend erforderlich“, betonte er. Das sieht der Bürgermeister genauso. „Mieten sind bei uns insbesondere für geringer Verdienende kaum noch finanzierbar. Deshalb arbeiten wir mit Wohnungsbaugesellschaften zusammen und führen mit Investoren Gespräche. Darüber hinaus gründen wir gerade eine Wohnungsbaugenossenschaft, mit der wir zusätzlich eigene Projekte starten können.“ Rolf Heckmann sieht in der interkommunalen Zusammenarbeit Chancen. „Die Stadt Krefeld hat günstigeren Wohnraum. Aber der ÖPNV muss besser ausgebaut sein, damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter problemlos nach Meerbusch kommen. Deshalb würde ich mir vor allem in Sachen ÖPNV eine intensive interkommunale Zusammenarbeit wünschen.“ Bommers erklärte, dass die Politik bei den Verkehrsbetrieben „alles bestellen“ könne. „Aber es muss auch alles bezahlt werden können.“ Einzelhändlerin Kirsten Kappius blickt mit Sorge auf die Entwicklung der Innenstadt. „Die muss attraktiver werden“, betont sie. „Wir haben zu viele Kundinnen und Kunden, die in umliegende Städte abwandern.“ Besonders in der umsatzstarken Vorweihnachtszeit verschärfe sich die Lage zusätzlich. Ein zentrales Anliegen ist für Kappius eine Neubesetzung des Stadtmarketings. „Wir brauchen jemanden, der die Dinge mit uns wieder nach vorne bringt und Konzepte entwickelt, die die Innenstadt langfristig beleben“, sagt sie. Ein weiterer Knackpunkt sei die Parkplatzsituation. „Die Winterwelt sorgt jedes Jahr für eine angespanntere Parksituation – und für uns Einzelhändler ist es ohnehin eine echte Herausforderung, dass vor einigen Jahren überhaupt Parkgebühren eingeführt wurden“, erklärt sie. „Viele Kundinnen und Kunden sagen uns, dass sie deshalb nicht mehr in die Innenstadt kommen.“ Auch die Winterwelt selbst sieht sie kritisch. „Ich wünsche mir, dass sie künftig zusätzliche Frequenz in die Stadt bringt. Das Parkplatzproblem führt derzeit leider zu Kaufkraftabfluss – mit mehr Attraktivität und höheren Besucherzahlen könnte die Veranstaltung jedoch auch dem Einzelhandel zugutekommen.“ Der IHK-Hauptgeschäftsführer motivierte zur Zusammenarbeit. „Wenn Frequenzen in der Innenstadt über mehrere Wochen aufgrund einer Veranstaltung verloren gehen, muss man sich zusammensetzen und fragen, ob etwas, was vor 20 Jahren richtig war, heute noch zeitgemäß ist.“ Zum Abschluss erklärte Steinmetz: „Wir haben heute Abend gemeinsam ein paar Themen gesetzt und ich habe ein gutes Gefühl, dass diese Themen weiterverfolgt werden.“ Bommers versprach, die angesprochenen Themen mitzunehmen und animierte die Unternehmen: „Das Rathaus ist ein öffentliches Haus. Wenn Sie ein Anliegen haben, können wir es dort besprechen.“ Die komplette Analyse ist auf der IHK-Webseite zu finden: mittlerer-niederrhein.ihk.de/P696 Ansprechpartner zum Thema Kontakt